Vom Umgang mit Müttern im beruflichen Alltag

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Wieder ein Aufreger über Twitter. Béa Beste, alias @TOLLABOX, hat eine bemerkenswerte Kolumne auf impulse.de geschrieben. Welcher berufstätigen Frau (vornehmlich mit Kindern) sind diese Fragen nicht schon gestellt worden? Ich habe einige Mal heftigst genickt und mir noch öfter gedacht: Das gibt es doch nicht. Welche dieser Fragen muss sich eigentlich ein Mann anhören, wenn er sich bewirbt oder einfach nur in seinem Team seiner Arbeit nachgeht? Meiner jedenfalls nicht. Da fragt der Chef nur (wirklich sehr freundlich, weil er uns eben kennt), wie es geht und lässt Grüße ausrichten. Bei vielen Fragen entsteht zumindest bei mir der Eindruck, dass die Frager der Mutter ein schlechtes Gewissen, mangelndes Organisationstalent oder fehlende Empathie (denkt an sich, nicht ans Kind) einreden bzw. vorwerfen wollen. Warum nur?

Lesenswert sind auch die Kommentare dazu, auch wenn sie teilweise heftigen Widerspruch auslösen – bei mir zumindest. Also dann mal meine Antworten auf diese seltsamen Fragen:

  1. Eigentlich schon der Begriff “Working Mom” – oder “arbeitende Mutter”

    Ich möchte von allen zuerst als Mensch wahrgenommen werden. In zweiter Linie bin ich eine Frau. Und eben auch Mutter. Ich möchte nicht, dass das in irgendeiner Form bewertet wird.

  2. “Wie bringen Sie Ihre Familie und den Job unter einem Hut?”

    Wenn sich hinter dieser Frage ehrliche Sorge verbirgt, dann klänge es so doch besser: „Als Unternehmen ist es uns wichtig, dass sich unsere Mitarbeiter wohlfühlen. Dazu gehört auch, dass sie ihre Arbeit bei uns gut mit ihren familiären Bedürfnissen in Einklang bringen können. Welche Erwartungen haben Sie hier an uns?“ Wenn das Unternehmen eigentlich nur hören will, dass alles gut organisiert ist, würde ich antworten: „Ich habe mich für diese Tätigkeit in Ihrem Haus beworben, weil ich meine, Ihrem Anforderungsprofil zu entsprechen. Mein Privatleben habe ich entsprechend organisiert.“ (Ähnlich habe ich diese Frage tatsächlich einmal gestellt bekommen und auch so geantwortet. Zweimal wurde nachgefragt, ob ich „das mit den Kindern auch hinkriegen“ würde. Was haben die Herrschaften da eigentlich erwartet, dass ich darauf sage? Etwa: „Das weiß ich auch nicht. Schaun mer mal.“ ??)

  3. “Wie schaffst du das nur?” oder “Wie machen Sie das?”

    Ich gebe zu, dass ich das andere oder auch mich selbst schon mal gefragt habe. Aber wenn ich das andere Eltern frage, dann aus ehrlichem Interesse. Weil ich mein Verhalten hinterfrage, manchmal das Gefühl habe, es eben nicht zu schaffen, und da hilft manchmal schon ein Tipp/eine Idee von außen. Beruflich würde ich diese Frage weglächeln.

  4. “Wozu bekommt man eigentlich Kinder, wenn man keine Zeit mit ihnen verbringen möchte?”

    Eine absolut indiskutable Frage. Wer wann aus welchem Grund ein Kind bekommt (oder eben auch nicht), ist absolute Privatsache, geht niemanden etwas an und hat auch niemand zu bewerten, fertig.

  5. “Für mich wäre das nichts, so wenig bei meinem Kind zu sein.”

    Auch das ist eine Meinung, die genauso legitim ist wie die gegenteilige. Undiskutabel und nicht zu bewerten. Weglächeln. Gegebenenfalls: „Ich habe Ihre Meinung dazu gehört. Ich habe dazu eine andere, die ich nicht diskutieren möchte.“

  6. “Und wie kommen deine Kinder mit der Fremdbetreuung klar?”

    Dazu hat Mama notes schon einiges gesagt.
    Ich frage mich die ganze Zeit, wie relevant so eine Frage in einem Bewerbungsgespräch wäre. Wenn es da Probleme gäbe, würde ich mich dann bewerben? Bzw. würde ich Probleme dann zugeben? Stellte man mir die Frage während des beruflichen Alltags, wüsste ich auch nicht, ob ich da ehrlich antworten würde. Wenn es um ehrliches Interesse ginge, erhoffte ich mir als Nachsatz die Frage, ob ich evtl. Untersützung bräuchte (in Form von homeoffice oder einer anderen Arbeitszeitregelung).

  7. “Schaffen Sie das denn auch, mit den Kindern und so?”

    Wer erwartet denn darauf eine ehrliche Antwort, wenn es der Frau/der Familie schwerfallen würde? Und mit welchem Ziel wird so etwas überhaupt gefragt? Wenn weglächeln nicht geht, würde ich nachfragen, worauf denn der Frager hinauswolle. Ob er Unterstützung anbieten möchte. Zum Beispiel.

  8. “Wir haben das Meeting auf 17:00 verschoben, das ist doch kein Problem, oder?”

    Fies! Richtig fies. Unabhängig von Mutter oder Vater.
    Ich würde Gegenvorschläge machen: Was spricht dagegen, das Meeting um xx Uhr oder xx Uhr zu machen und um eine halbe Stunde zu verkürzen?

  9. “Du bist ja nie da.”

    Eine Art der Ausdrucksweise, wie sie meine Kinder pflegen: Nie dürfen wir das und das, immer müssen wir jenes ..  Wie ernst nimmt man das noch?
    Mögliche Antwort: „Es tut mir leid, wenn Sie das so wahrnehmen. Meine Arbeitszeiten haben wir (gemeinsam) von dann bis dann festgelegt. In diesen xx Stunden bin ich jederzeit ansprechbar, wenn ich unterwegs bin, dann telefonisch oder per Mail. Ich bin überzeugt, dass sich fast alles innerhalb dieses Zeitkorridors lösen lässt.“

  10. “Meinst Du nicht, dass Du mit 3 Kindern schon genug zu tun hast? Dein Mann verdient doch genug Geld!”

    Und wieder so ein Ding, was Außenstehende verdammt noch mal nichts angeht. Ich würde das nicht diskutieren.

Wenn man dies im Zusammenhang mit der Erklärung von Gabriele Fischer (brandeins) liest, wähnt man sich irgendwie im falschen Film. Sie erklärt mal eben die Benachteiligung der Frauen schon Ende der 90er für beendet und damit für das Heft, für das sie arbeitet, nicht mehr relevant. Erstaunlich. Dass Fischer damit falsch liegt, belegen die von Béa Beste zusammengestellten Fragen meiner Meinung nach deutlich.

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3 Kommentare Gib deinen ab

  1. Cathrin sagt:

    Hallo MrsCgn,

    genau so sieht es aus und deswegen haben wir das auch zu unserem Thema gemacht. Der Weg ist ansatzweise schon da, aber er ist noch längst nicht für alle Mütter gleichermaßen freigegeben und beschreitbar. Das wichtigste ist vielleicht, dass die Solidarität unter Müttern als Voraussetzung dafür erkannt wird, auch von außen allen nötigen Respekt für die individuellen Entscheidungen und Lebensmodelle zu bekommen. Das zumindest können Mütter unmittelbar selber beeinflussen!

    Herzliche Grüße
    Cathrin

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    1. mrscgn sagt:

      Liebe Cathrin,

      vielen Dank für Deine Anmerkungen. Ich wünsche mir eine Solidarität unter den Menschen, unabhängig vom Geschlecht. Es gab ja einige Fragen, die auch Männer/Väter vor Herausforderungen stellt, wenn sie sich dafür entschieden haben, ihre Rolle als Vater mit viel Leben zu füllen.

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      1. Cathrin sagt:

        Da hast du natürlich recht. An der Stelle ist meine Brille manchmal etwas „mütterlastig“ 😉 Dabei sollen die Väter, die es betrifft, keinesfalls ausgeschlossen werden. Denn eins ist auch klar: für betroffene Väter ist es manchmal vielleicht noch schwerer…
        Liebe Grüße
        Cathrin

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