Klarer kommunizieren. Besser verstehen.

Es gab in der jüngeren Vergangenheit einige Ereignisse, die mir etwas vor Augen geführt haben, das mir bis vor ein paar Monaten noch gar nicht so bewusst war. Es geht um die Wahrnehmung von Situationen/Personen sowie den öffentlichen Umgang damit. Eigentlich möchte man miteinander kommunizieren, aber es gelingt nicht so richtig. Es hinterlässt alle Beteiligten häufig ratlos, weil man sich un- oder missverstanden fühlt, und man bewegt sich voneinander weg. Hier mal ein paar Beispiele:

Das war doch ein packendes Fußballspiel, Torraumszenen auf beiden Seiten, Fußballherz, was willst Du mehr.
Ich bin tausend Tode gestorben, ich fühle mich nur noch leer.

Was für eine bescheuerte Aufführung. Schlechte Schauspieler, ahnungsloser Regisseur, verschwendete Zeit.
Ich habe mich köstlich amüsiert.

Tolles Konzept. Das wird unsere Firma nach vorne bringen, wir werden bald noch erfolgreicher sein.
Ich bin traurig. Für mich ist die Firma somit eine andere geworden, mir fällt es schwer, da mitzugehen.

Obwohl es jeweils um den gleichen Sachverhalt geht, wird er offenbar unterschiedlich wahrgenommen. Interessant daran finde ich, dass die erste Version das Geschehen immer bewertet, die zweite (kursiv) jedoch lediglich eine Ich-Botschaft des Betrachters enthält. Diese Botschaft drückt Gefühle aus, ohne unmittelbar etwas zur Sache selbst zu sagen. Während die eine Seite zum Ausdruck bringt, wie sie findet, dass etwas „sei“, sagt die andere Seite lediglich etwas dazu, wie es sich für sie „anfühlt“.

Im Alltag fallen diese unterschiedlichen Betrachtungsweisen kaum auf, was mehrere Auswirkungen hat. Zum einen dürften beide Seiten einander so nicht wirklich verstehen, sondern immer wieder insistieren: Was bist Du denn so traurig, das war doch ein tolles Spiel! Wie kannst Du Dich über so eine schlechte Leistung amüsieren? Hey, wir sind hier im Geschäft, und Du heulst hier rum. Zum anderen bemerken vielleicht beide nicht, dass sie von verschiedenen Dingen reden. Denn: Es ist eine Sache, etwas zu sehen und nach bestimmten (individuellen, manchmal auch nachvollziehbaren) Kriterien zu bewerten. Es ist jedoch etwas völlig anderes, zu sagen, wie es sich für jemanden anfühlt. Das sagt in erster Linie nämlich nichts zur Sache, sondern zeigt nur, wie diese auf einen selbst wirkt, was sie mit einem macht.

Warum mich das gerade jetzt beschäftigt? Ich habe ausGründen eine Antenne für solche Dinge entwickelt und bekam in der jüngeren Vergangenheit mehrere Situationen mit bzw. war selbst inmitten von solchen, in denen mir exakt dieser Unterschied auffiel. Ich wünsche mir dazu folgendes:

  • Wer urteilt, sollte es begründen. Sachlich, mit Argumenten, die andere auf der Sachebene im besten Fall nachvollziehen können, ohne sie unbedingt teilen zu müssen. Etwas doof/geschmacklos/dämlich zu nennen, weil es einem nicht gefällt oder den eigenen Geschmack nicht trifft, sagt m.E. mehr über denjenigen, der das so formuliert, als über den eigentlichen Sachverhalt. Denn da spricht jemand über seine Erwartungen, die er nicht erfüllt sieht – und wessen Problem ist das dann?
  • Wer etwas behauptet, sollte es belegen. Heißt: nicht zu mutmaßen oder zu spekulieren. Wenn man doch mutmaßen oder spekulieren mag (warum auch nicht?), dann wäre es schlau, das auch so zu kennzeichnen. Dann weiß jeder Leser/Zuhörer, woran er ist, und er kann für sich seine Schlüsse ziehen.
  • Wer an einer ehrlichen Diskussion interessiert ist, sollte zuerst einmal bereit sein zuzuhören (was das Ausredenlassen einschließt) und persönlich gemeinte verbale Attacken sein lassen. [Das ist ein von mir häufig beobachtetes Phänomen: Wem keine Argumente einfallen, der wird eben persönlich. Da spricht man dem Gegenüber einfach mal die Kompetenz ab, macht ihn klein und unwichtig, wirft ihm persönliche Schwächen vor und lenkt somit gründlich von der eigentlichen Sache ab.] Und wem außer verbalen Kinnhaken nichts einfällt, kann auch mal gepflegt den Mund halten.

Ohne es dramatisieren zu wollen, plädiere ich für mehr Achtsamkeit. Durchaus auch an meine Adresse. Mir ist aufgefallen, dass ich unbewusst und ohne es laut zu sagen oder zu schreiben, ständig bewerte: andere Menschen, bestimmte Situationen, gewisse Äußerungen, manche Texte. Das geht wahrscheinlich den meisten so, doch ich halte es für klug, sich das bewusst und sich schließlich langsam (!) davon freizumachen.

Ich muss nicht jede Äußerung oder Handlung von anderen auf mich beziehen, denn in der Regel bin ich persönlich gar nicht gemeint. Ich muss nicht jede Gefühlsbekundung anderer als Appell verstehen, etwas dazu zu sagen. Und ich muss auch nicht anderer Leute Meinung umgehend be- und womöglich auch abwerten.

„Achtsamen Umgang miteinander“ nenne ich das. Unterscheiden zwischen Sach- und Gefühlsaussagen. Zuhören und wahrnehmen, worum es wirklich geht. Ich bin davon überzeugt, dass mich das entspannt. Vielleicht andere auch.

 

 

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Ein Kommentar Gib deinen ab

  1. Mamamotzt sagt:

    Gehörte gedruckt!
    Applaus!
    Danke!

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