Ich bin nicht perfekt. Und das ist in Ordnung so.

Vor kurzem wurde ich über Twitter auf eine Website aufmerkmam (www.bizzmiss.de), die in wirklich schön formulierten Geschichten von Frauen erzählt, die ihr Dasein häufig trotz großer Widrigkeiten prima meistern. Man kann darüber lesen, dass Frau für sich (nur) eine Nische finden muss, um erfolgreich zu sein, wie toll eine Auszeit sein kann, wie man am besten im Büro kommuniziert usw. Solche Geschichten sind wichtig, ich lese sie sehr gerne. Und doch war meine erste spontane Reaktion diese:

Danach las ich diesen Blogpost (Allein unter Frauen), der zeigt, wie schwer, um nicht zu sagen unmöglich dieses Kind-Karriere-Ding manchmal ist. Und dann diesen Blogpost (werdenundsein), der thematisiert, dass man als Mutter eben nicht aufhört, eine Frau mit ureigenen Bedürfnissen zu sein. Das hat mich dazu bewogen, hier einmal folgendes zu gestehen:

Ich bin nicht perfekt!

Ich bin eine kleine, nicht modelfigürliche Frau. Ich färbe meine Haare, gehe nicht regelmäßig zur Kosmetik, und meine Nägel mach‘ ich selbst, ohne sie zu lackieren. Ich verlasse sehr häufig ungeschminkt das Haus, bleibe am Wochenende gerne mal lange im Nachtgewande, lass die Haare zerwuschelt und verliere mich dann im Zeitunglesen. Ich koche nicht täglich für die Familie, trage ihnen nicht die Schuhe oder Socken hinterher, wische nicht täglich die Böden und putze schon gar nicht wöchentlich die Fenster.

Ich habe mein Studium abgeschlossen und seitdem immer gearbeitet, wenn man von 7 Monaten Auszeit bei K1 und 12 Monaten bei K2 absieht, und zwar meistens in Vollzeit. Ich habe meine Kinder früh Personen außerhalb der Familie anvertraut (Kindergarten, Kinderfrau), habe meinen Mann mit den Kindern während meiner Dienstreisen allein gelassen (auch mal mehrere Tage am Stück) und die Lütten schon im Alter von fünf Jahren alleine in einen Flieger gesetzt.

Ich bastele mit meinen Kindern nicht (weil ich es schlicht nicht kann und nicht mag), ich bespaße sie nicht, ich fahre nicht jeden Sommer mit ihnen für zwei Wochen in den Urlaub. Meine Kinder gehen nicht regelmäßig zum Reiten, haben öfter mal Langeweile; und meine kleine Tochter trägt die Sachen ihrer Schwester auf. Ich werde schon mal laut ihnen gegenüber, lass sie öfter mal auf meinem Phone Mädchenserien schauen und gehe mit ihnen durchaus zu McDonalds. Die Mädels sind nicht hochbegabt, spielen nicht konservatoriumsreif ein Instrument und betreiben auch keinen Sport auf Olympiakaderniveau.

Wie furchtbar. Und doch möchte ich ausrufen: Perfektion ist irrelevant! Perfektion gibt es schlicht nicht. Und das Beste daran: Das ist okay so! Es ist nicht nötig …

  • sich einen beruflichen Lebenslauf schon während des Studiums zu basteln und sich auf alle Eventualitäten perfekt (sic!) vorzubereiten
  • einen Partner (schließt Mann und Frau ein) zu ehelichen und sich diesem unterzuordnen
  • um jeden Preis Karriere zu machen
  • auf jeden Fall mindestens ein Kind zu bekommen
  • Kind/Kinder zu haben und gleichzeitig Karriere zu machen
  • die eigenen Schwächen immer hinter Schminke oder neuester Mode zu verstecken
  • in den sozialen Medien einen Freunde- oder Follower-Rekord nach dem anderen zu feiern
  • immer die angesagtesten Konsumgüter zu besitzen
  • sich für das Kind/die Kinder selbst aufzugeben
  • Kinder als Projekt zu betrachten, das natürlich perfekt gemanaged werden muss
  • immer das Zentrum der Familie zu sein (im o.g. Blog „werdenundsein“ heißt es noch viel schöner: “Ich will kein Eltern-Monopol in der Familie sein.”)

Es ist in Ordnung, so zu leben, dass sich alle Beteiligten, also auch die Frau/Mutter, wohlfühlen. Dieses Gefühl sollte aus dem Inneren kommen und nicht von Äußerlichkeiten (!) oder äußerlichen Einflüssen (der/die macht das aber so, das will ich auch) bestimmt sein. Die Frage heißt: Wie muss es sein, dass ich mich tief in mir drin wohlfühle? Was kann ich dafür tun? Und wenn sich die Umstände nicht ändern lassen, was oft genug der Fall ist: Wie schaffe ich es, das Leben, was ich eben wuppen kann, auch für mich selbst gut/okay/angenehm zu finden?

Die Antwort darauf ist immer individuell. Das muss auch so sein. Erst heute las ich einen wunderschönen Blogpost unter Mompower, in dem „Frau Mutti“ erklärte, wie es dazu kam, dass sie nach ihrer Ausbildung Hausfrau und Mutter wurde und bis heute ist. Das wirklich Tolle an der Geschichte: Es liest sich nirgends wie eine Rechtfertigung oder Wertung gegenüber anderen Lebensmodellen, sondern einfach für sie selbstverständlich. Da ruht jemand in sich. Mit seinem (ihrem) Lebensmodell. Diese Ruhe erscheint mir erstrebenswerter als das Jagen nach irgendwelchen in den Medien dargestellten Idealen, die mehr Schlecht-fühl-Potenzial als Ermutigungs-Duschen-Charakter haben. Ich möchte mehr von letzterem.

 

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7 Kommentare Gib deinen ab

  1. Wortman sagt:

    Wenn ich mir die das so durchlese, kann ich nur sagen: Glückwunsch. Das ist Perfektionismus, wie ich ihn mag. Auf der eigenen Linie und nicht das, was einem in den Medien vorgelogen – vorgezeigt – wird.
    Dein Mann kann stolz auf dich sein – ich bin es auf meine auch, denn sie sieht es ebenso wie du 🙂

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    1. mrscgn sagt:

      Vielen Dank für den freundlichen Kommentar.
      So selbstverständlich, wie es vielleicht rüberkommt, ist das alles durchaus nicht. Ich lebe ja nicht im luftleeren Raum, ich bin umgeben von anderen Menschen, die vieles anders machen. Und natürlich vergleicht man sich, das ist wahrscheinlich menschlich. Entscheidend scheint mir nur, das eigene Befinden nicht davon abhängig zu machen, wie andere ihr Leben leben.

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      1. Wortman sagt:

        Natürlich hat man andere Mesnchen um sich, die vieles anders machen oder einen mit sogeannten guten Ratschlägen nerven ;). Am Schlimmsten finde ich es immer, wenn dir Leute etwas von Kindererziehung erzählen wollen, die selber keine Kinder haben. Kennst du bestimmt auch etwas von 😉
        Also ich vergleiche nicht. Ich lebe mein Leben, die leben ihres. Da muss ich nichts vergleichen. Andere dürfen es ruhig besser oder schöner haben als wir – das stört uns gar nicht 🙂

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      2. mrscgn sagt:

        Was ich sagen wollte: Ich brauchte eine gewisse Zeit, mich von dieser „Vergleicheritis“ zu befreien. Als K1 noch klein war, machte ich mir viele Gedanken, weil ich nicht beim Babyschwimmen war, ziemlich streng erzog, sie früh in den Kindergarten gab (was im Freundeskreis sehr kritisiert wurde) .. Und dann immer dieses Mein-Kind-kann-das-und-was-kann-deins-schon-Generve. Mich davon zu emanzipieren, war ein Prozess. Wir können bestimmt davon ausgehen, dass es diesen Druck unter Mamis auch heute noch gibt.

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      3. Wortman sagt:

        Dieser Druck auf die Mamis existiert heute noch in rauhen Mengen 😉 Den wird man wohl nie los. Ohja… immer diese „was die Kleinen doch schon alles können…“ Als ich noch jung war hab ich mir auch noch hier und da einen Kopf gemacht. Heute nicht mehr. Hab noch einen Nachzügler und Papa sieht das alles total locker heute.

        Was denkst du, was wir schon blöde angeguckt wurden. Kind im Kindergarten und beide Vollzeit arbeitend. Da sind wir die totalen Rabeneltern… 😉
        Unser ist auch nicht beim Babyschwimmen gewesen… wenn er so 5 – 6 Jahre alt ist, reicht es vollkommen, ihm das Schwimmen beizubringen.

        Tröste dich, diese Vergleicheritis lässt im Alter nach 😆

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  2. Vielen Dank! Ich bin genauso unperfekt, allerdings ohne Kinder (und das mit 40) und ich will auch keine mehr haben, weil das nichts für mich ist. Karriere will ich auch nicht machen, sondern einfach nur Spaß und Freude bei der Arbeit haben. Für dieses Lebensmodell will ich mich auch nicht rechtfertigen, warum auch? Ich möchte friedlich mit meinem Übergewicht, meinen halbherzig gefärbten und selbst geschnittenen Haaren und dem besten Mann an meiner Seite vor mich hinleben bis zum Ende. Und ehrlich gesagt bin ich verdammt glücklich dabei. 🙂

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    1. Wortman sagt:

      Was kann einem besseres passieren als ohne Vergleicheritis sein „Lebensmodell“ in Frieden zu leben?

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