… wenn es den bösen Nachbarn nicht gefällt.

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Wir wohnen hier in Köln in einem Haus, wie es das in vielen Großstädten gibt. Neubau, gefällig geschnittene Wohnungen, autobefreite Wohnanlage mit vielen Spielplätzen und Grünflächen. Eigentlich ein Ort zum Wohlfühlen. Doch wie das immer so ist: Das klappt nur, solange es den Nachbarn auch gefällt. Und da haben wir wohl offensichtlich Pech gehabt.

Neben uns, also Tür an Tür, wohnt ein älteres Ehepaar, beide über 70 Jahre alt. Es sind die Eltern von Nachbarn, die direkt darüber wohnen. Diese Herrschaften nun haben eine ganz eigene Vorstellung davon, wie das in so einer Wohnanlage abzulaufen hat. Da werden diverse Kinder (nicht nur unsere) vom Balkon herunter schon mal angebrüllt, sie sollten nicht so einen Krach machen; da werden Kinder ausgeschimpft, weil sie in den Büschen draußen Verstecken spielen, ja, und dann bekommen wir schon mal zu hören, was für eine Schlamperei es sei, dass bei uns vor der Tür manchmal ein Kinderfahrrad oder ein Puppenwagen steht und nicht sofort in den Fahrradkeller geräumt wird.

Neulich klingte die Nachbarin und beschwerte sich über unser K1. Sie hätte angeblich Gegenstände (kleine Steinchen bzw. ein Stöckchen) in deren Briefkasten geworfen, das Namensschild abgeknibbelt usw. Ich blieb ganz ruhig und versicherte ihr, dass ich das mit K1 besprechen und klären würde. Sollte das tatsächlich passiert sein, fände ich das auch nicht in Ordnung, und ich würde auf eine Entschuldigung und zukünftige Verhaltensänderung hinwirken. Ich bat darum, nicht etwas zu behaupten, was nicht belegt werden könnte. Und ich bat außerdem darum, mich anzusprechen, wenn sie das von meinem K1 beobachten würde. Sie wurde wütend und beendete das Gespräch mit den Worten: „Mit Ihnen ist ja nicht zu reden, Sie stehen ja hinter Ihrer Tochter.“ Ja, was hatte sie denn erwartet? Dass ich das Kind vor ihren Augen verprügele?

Gestern nun der Eklat: K1 kommt tränenüberströmt nach Hause und berichtet davon, dass sie von eben diesen Nachbarn beleidigt und bedroht wurde. Die alte Dame hatte sogar schon die Hand gegen sie erhoben („Wenn wir Dich erwischen, dann fängste Dir ’n paar ..“). Mir wurde ganz anders.

Um mich nicht von meinen Emotionen leiten zu lassen, beschlossen wir, eine Nacht darüber zu schlafen und haben jetzt eine E-Mail an die Hausverwaltung (entspricht dem Vermieter) geschrieben:

Sehr geehrte Damen und Herren,

unsere Tochter, sie ist 11 Jahre alt, berichtete uns gestern von einer sehr unerfreulichen Angelegenheit. Sie wurde von unseren Nachbarn, Herrn und Frau Xxx, beleidigt und bedroht. Die älteren Herrschaften behaupteten, dass unsere Tochter ihnen Gegenstände in den Briefkasten werfen bzw. Waschmittel entwenden würde. Das sind schlimme Behauptungen, die jeglicher Grundlage entbehren. Unsere Tochter bestritt also die Vorwürfe gegenüber der Fam. Xxx, die ihrerseits unserer Tochter daraufhin Schläge androhten und bereits den Arm hoben.

Wir sind schockiert über dieses Verhalten und haben unsere Tochter bereits instruiert, bei der nächsten Begegnung mit diesen Menschen laut um Hilfe zu schreien.

Vor ca. zwei Wochen gab es bereits einen ähnlichen Vorfall, den wir versuchten, im Gespräch zu klären. Wir versicherten Frau Xxx, dass wir, sollte sich unsere Tochter unangemessen verhalten, das ansprechen und mit ihr klären würden, doch Frau Xxx beendete das Gespräch mit den Worten: „Das hat ja keinen Zweck, mit Ihnen zu reden, Sie stellen sich ja hinter Ihre Tochter.“ Was uns natürlich fragen lässt: Was hatte sie denn erwartet?

Wir bitten Sie hiermit nachdrücklich, umgehend auf Familie Xxx einzuwirken, sich gegenüber unserer Tochter angemessen zu verhalten. Es kann nicht sein, dass diese älteren Herrschaften ein Klima der Angst und des Schreckens im Haus verbreiten, das dazu führt, dass sich unsere Tochter nicht mehr alleine in den Hausflur traut aus Angst, angegriffen zu werden.

Sollte die Lage hier eskalieren, führt unser nächster Weg zur Polizei, wo wir gegen die Eheleute Xxx Anzeige erstatten werden.

Gerne erwarten wir Ihre Nachricht.

Ich bin immer noch fassungslos, wie man sich gegenüber Kindern so verhalten kann. Und ich hätte im Grunde große Lust, diesen Menschen alle mögliche Staatsgewalt auf den Hals zu hetzen. Aus Wut. Aus Hilflosigkeit. Kindern Gewalt anzudrohen geht grundsätzlich nicht, egal, was passiert sein sollte. Und ich mag mir nicht ausmalen, wie ich mich verhielte, würde sich jemand an meinem Kind vergreifen. Auf die Reaktion der Hausverwaltung sind mein Mann und ich gespannt.

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2 Kommentare Gib deinen ab

  1. Jared sagt:

    Es ist halt schwierig. Ich weiss noch als ich klein war, da war es durchaus ok, wenn der Nachbar einem am Ohr gezogen hat. Also „ok“ im Sinne von Gang und Gäbe, nicht im Sinne von richtig…

    Wenn man dann jetzt 70 ist, macht man das halt so. Also, wenn man irgendwie die Reflektionsfähigkeit eines deutschen Schäferhundes hat.

    Wir haben hier in der Strasse auch so einen Fall. Alle andern Nachbarn cool, nett, lässig, aber eine ältere Dame, die die Kids anmacht, wenn sie auf der Strasse spielen. Zum Glück kann man die einfach ignorieren…

    Auch einer der Gründe, warum ich niemals nicht Eigentum kaufen würde: die Nachbarn.

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    1. mrscgn sagt:

      Du sprichst mir aus der Seele. Ich sehe es auch so.

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