Blogs: privat oder kommerziell? Plädoyer für eine Entscheidung

Die Damen und Herren von Top-Elternblogs haben eine Blogparade gestartet: Es geht um die Frage, ob Werbung in Form von Produkttests o.ä. auf privaten Blogs, hier: Mama-, Papa- und Elternblogs, okay oder eben nicht okay sind. Meine Meinung dazu ist klar: Ich plädiere dafür, dass sich in diesem (für mich klar privaten) Bereich die Blogger entscheiden sollten. Entweder privat oder Kommerz. Und das dann aber konsequent. Warum sehe ich das so strikt?

Nun: Besinnen wir uns einmal darauf, wann und aus welchen Gründen die Mamas und Papas (also Eltern) anfingen zu bloggen. Worum ging es dabei? Im Grunde war und ist es doch wie ein Tagebuch, das man mit der Öffentlichkeit teilt. Weil man an Feedback interessiert ist, sich gerne austauscht, sich durchaus auch gerne mitteilt, sich manchmal einfach mal etwas von der Seele schreiben möchte, weil das hilft … die Gründe sind sehr individuell, aber immer sehr privater Natur. Blogs wurden ein bisschen zu einem Zimmer in der eigenen Wohnung / dem eigenen Haus, in das man sich Gäste einlud und ihnen etwas erzählte. Man erwartet (in den Kommentarspalten) angemessenes Verhalten, Interesse, vielleicht auch ein kleines bisschen Vertrauen. Ihr merkt: Wir sind sehr privat.

Und jetzt kommt der Gastgeber und erzählt von den tollen Weingläsern, die er von der Fima Holunderli geschenkt bekommen hat. Und er ist ehrlich und sagt, dass die Firma von ihm erwartet, dass er darüber spricht, dass er diese Gläser erhalten hat. Wie schmeckt Euch jetzt der Wein, den Ihr aus diesen Gläsern gerade trinkt? Nun könnte der Gastgeber sagen: Aber schaut doch mal: Die Einrichtung des Zimmers hat mich viel Zeit und auch ein bisschen Geld gekostet, Weingläser gibt es nicht umsonst. Ist es da nicht okay, wenn mich das Unternehmen Pfefferminzia ein wenig unterstützt? Ich würde mich dabei komisch fühlen. Aha, ich bin als Gast also willkommen, weil ich auf diese Weise direkt von der Glasfirma angesprochen werden kann. Weil diese Firma glaubt, mich könnten diese Gläser auch interessieren, sie sind ja auch schön. Nein, das passt einfach nicht. Wenn ich etwas über Produkte erfahren will, dann gehe ich direkt zu einer Verkaufsshow, etwa für Plastikschüsseln, Kerzen oder erotische Unterwäsche.

Dazu gesellen sich für mich weitere Aspekte:

  • Wenn jemand ein privates Blog aufmacht (und da spreche ich ja nun aus Erfahrung), kostet das außer Zeit (und davon zugegeben eine ganze Menge) erst mal nichts. Eigene Bilder einzustellen, kostet auch nichts. Wer sich für die komfortablere Blogversion entscheidet oder vielleicht sogar eine eigene Homepage betreibt, hat laufende Kosten, das stimmt, aber mal ehrlich: Mit welchem Recht will ich von irgendjemandem verlangen, dass er sich an diesen Kosten beteiligt?
  • Wenn nun eine Firma an einen privaten Blogbetreiber / private Blogbetreiberin herantritt wegen eines Produkttests, sollte man sich als erstes fragen: Warum tut die Firma das? Welches Interesse hat sie? Würde sie ein Produkt jemandem schenken, von dem sie ausgeht, dass er negativ über das Produkt schreibt? Im Leben nicht. Private Blogger sind keine Stiftung Warentest, denen man auch dann ein Produkt kostenlos (!) zur Verfügung stellt, wenn völlig offen ist, wie es bewertet wird.

Dienst ist Dienst, und PR ist ein Geschäft

Um das mal klar zu sagen: Ich habe überhaupt nichts gegen PR – ganz im Gegenteil. Ich lese so was, fühle mich manchmal sogar informiert und unterhalten, wenn sie gut gemacht ist. Nur, wenn man diese Nummer spielen will, dann sollte man das meiner Ansicht nach konsequent tun: Dann handelt es sich einfach nicht mehr um ein privates Blog, sondern um ein kommerzielles. Dann lädt man ein in ein Zimmer, das voller Gegenstände ist, die einen kleinen Button tragen: Ich bin gesponsored von „Schallala“ oder „Schallali“. Wenn man das als Gast vorher weiß, ist das überhaupt kein Problem, dann weiß ich Bescheid, dass ich mich über Themen, die diese Gegenstände betreffen, mit dem Gastgeber nicht zu unterhalten brauche, denn sein Urteil darüber dürfte schwerlich ein freies sein.

Die Tuppertante wird immer sagen, dass Plastikschüsseln toll sind – wenn ich auf eine Tupperparty gehe, stört mich das nicht. Ich war selbst mal mit von der Partie, und ich habe mich gehütet, außerhalb solcher Veranstaltungen meine Meinung zu diesen Produkten laut und deutlich kund zu tun. Warum? Jeder hätte abgewunken und gesagt: Na klar, Du musst das sagen, Du verkaufst die Schüsseln ja. Ähnlich beim Thema Versicherungen: Ich habe einen Mann aus meinem Freundeskreis verbannt, als er anfing, mir von den Vorteilen von Lebensversicherungen, mit denen ich mich damals als Journalistin kritisch auseinandersetzte, vorzuschwärmen. In diesem Fall hörte die Freundschaft eben beim Geld auf.

Will sagen: PR ist der Killer der Privatheit. PR ist nicht privat. PR ist Geschäft. Ich plädiere im Sinne der Authentizität, der Glaubwürdigkeit des Bloggers / der Bloggerin, der Ehrlichkeit gegenüber den Lesern (die es ja auch wegen genau dieser offenen Privatheit geworden sind) für eine klare Trennung. Wertfrei formuliert: Entweder ich bin Privatier, oder ich bin eine Geschäftsfrau / ein Geschäftsmann.

Wer beides vermischt, will von allem so ein bisschen – aber ist es das, was ich will? Mein Ding ist das ganz gewiss nicht.

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7 Kommentare Gib deinen ab

  1. Katharina sagt:

    All die Testblogs mag ich gar nicht lesen. Und welche schreiben mag ich auch nicht, denn als ehemalige Marketingfrau weiss ich genau, was ein guter Werbetext kostet und welcher Aufwand es ist, einen zu schreiben. Sehr viel mehr, als ein „geschenktes“ Windelpack kostet („und das angefangene Pack dürfen Sie behalten! sind wir nicht grosszügig?“).
    Mich machen die vielen Werbeanfragen oft stinkesauer. Besonders frech – nein: unverschämt! – finde ich die, die finden, ich solle ihnen gratis Content zur Verfügung stellen, schliesslich würden sie mich zum Dank dann auch verlinken. Oder umgekehrt: Ihre Werbeagentur würde mir Texte frei haus liefern und sie gäben mit dann 30 oder 50 Euro für die Veröffentlichung.
    Aber man muss ja solche „Angebote“ nicht annehmen…

    Jedenfalls, was ich eigentlich sagen wollte: Es gibt Werbung und Werbung. Ich mache beispielsweise ein Bisschen „Bandenwerbung“ auf meinem Blog, nicht viel, aber genug um die Betriebskosten einzuspielen. Und sie ist vom Inhalt getrennt und als Werbung gekennzeichnet, das war mir noch wichtig. Die Vermischung, die Du beschreibst, hinterlässt bei mir auch ein unangenehmes Gefühl.

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    1. mrscgn sagt:

      Was Du berichtest, ist ja ungeheuerlich. Und genau so geht es nämlich dann weiter, was ganz harmlos mit einem kleinen Produktgeschenk beginnt.
      Was die Werbung (Banner o.ä.) angeht: Muss jeder selbst wissen, ich zum Beispiel habe keine Betriebskosten, die ich einspielen müsste. Und wenn bei mir Kosten anfielen, hätte ich die schon selbst zu verantworten, keiner zwingt mich, ein kostenverursachendes Blog zu betreiben. Wenn jemand sagt, dass er mit Bloggen Geld (vielleicht sogar seinen Lebensunterhalt) verdienen möchte (und so etwas gibt es ja), dann ist das absolut in Ordnung, sollte dann aber eben auch konsequent so betrieben werden und als solches erkennbar sein – als ein kommerzielles Blog.

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      1. Katharina sagt:

        Ob das jetzt die Firma WordPress ist, die mit AdSense Geld verdient oder ich selber, kommt ja für die Leserschaft auf dasselbe raus, oder nicht?

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      2. mrscgn sagt:

        Ein klein wenig akademisch, nicht wahr? 😉
        Letztlich ist es doch so: Es allen recht zu machen ist eine Kunst, die keiner kann.

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  2. Ich stimme dir in allen Punkten zu – und danke dir ganz herzlich für die Teilnahme an meiner Blog-Parade. Zu den Beweggründen der BloggerInnen habe ich mir aber auch schon den Kopf zerbrochen. Klar, in erster Linie will man sich mit anderen Gleichgesinnten, also Eltern, austauschen, aber der Gedanke an ein etwaiges Zusatzeinkommen wird bei einigen doch auch im Hinterkopf herumkreisen. Muss das eine das andere tatsächlich ausschließen? Vielleicht würde es schon ausreichen, wenn Blogger mit dem Thema offen umgehen und in ihren Tests schreiben, dass sie das Produkt geschenkt bekommen haben, die Bewertung also nicht gänzlich neutral ausfällt… 😉
    Zur Bannerwerbung hast du dich gar nicht geäußert – dazu würde mich deine Meinung auch interessieren!
    LG Anne

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    1. mrscgn sagt:

      Vielen Dank für Dein Feedback. Ich schreibe keineswegs, dass sich das ausschließt, sondern plädiere für eine Entscheidung. Wer sein privates (!) Blog öffnet für Werbung und/oder PR, verliert aus meiner Sicht die „Unschuld“, um es ein bisschen theatralisch auszudrücken. Es gibt sicher viele, denen das nichts ausmacht, was ja auch okay ist.
      Mein Ding ist es nicht, und ich scheide damit als Zielgruppe/Leser solcher (anderer) Blogs aus.

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      1. Katharina sagt:

        So wie es jetzt ist, bist es einfach nicht Du, die das Geld für AdSense in die Tasche steckt, sondern WordPress (für die Infrastruktur, die sie Dir zur Verfügung stellen). Die Betriebskosten für Deinen Blog sind real und jemand bezahlt die an Deiner Stelle. Nämlich die Firma WordPress. Und die wiederum spielen sie mit Werbung wieder ein.
        Und wo ist der Unterschied für die Leserschaft, ob ich von Amazon/Thalia/Buch.de 5% bekomme oder Amazon/Thalia/Buch.de diese 5% selber als Gewinn verbucht?

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