Kinder können vieles allein. Weil sie es einfach können!

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Ich habe mich wieder von Twitter inspirieren lassen. Die @journelle hatte mich auf einen Beitrag im Magazin „Nido“ hingewiesen („Ich kann das allein“) und auch selbst dazu gebloggt. Es geht darum, wie selbständig Kinder in welchen Alter sein sollten und tatsächlich sind. Wir bewegen uns hier (und das bitte ich jetzt als überspitzte, verkürzte und nicht-wertende Darstellung zu lesen) im Feld der Helikoptereltern, der Gluckenmamas und vorsichtigen Papas, vielleicht auch der Eltern, die  ihren Kindern als Liebesbeweis alles abnehmen (wollen).

Für mich war das Anlass, mal darüber nachzudenken, wie ich das mit meinen Kindern halte. Ich hänge sehr an meinen Kindern, bin beiden sehr nahe, was beim ersten Hören nach viel Gluckerei klingt. Ich empfinde das manchmal auch so. Da ist einfach so viel Liebe, die gegeben werden will. Aber beim zweiten Nachdenken stelle ich fest: Meine Kinder sind sehr selbständig, sie machen so viel selbst. Warum? Weil sie es einfach können. Hier ein paar Beispiele:

Alleine fliegen

Meine Eltern wohnen 700 Autokilometer von hier entfernt. Wollen meine Kinder bei und mit ihren Großeltern Zeit verbringen, ist es vor allem zeitmäßig ein Problem, sie hinzubringen und auch wieder abzuholen. Also fliegen die beiden. Ab fünf Jahren dürfen Kinder das unbegleitet tun, die Fluggesellschaften bieten einen entsprechenden Service (mal gut mal weniger gut), für den wir zwischen 30 und 40 Euro zahlten. K1 flog das erste Mal allein kurz nach ihrem 6. Geburtstag, K2 war 5 Jahre und 4 Monate alt. Die einzige, die dann heulend da stand (natürlich unsichtbar für die Kinder), war die Mama, die Kinder fanden das nur großartig. Sie fühlten sich selbst so stark, so groß, und sie erzählten nach dem Flug voller Stolz von ihren Erlebnissen. K2 durfte ins Cockpit zur Frau Kapitän, die auch noch den gleichen Vornamen hatte. Und K1 traf auf der Strecke zweimal das gleiche Mädchen, Zufälle gibt’s.

Ich kann sie nicht zählen, diese vielen ungläubigen Blicke und Fragen, wie ich das nur tun könnte, wie ich das aushalten würde, wie die Kinder das nur verkraften würden usw. Dabei war das alles keine große Sache. Ich war traurig, weil ich Abschiednehmen grundsätzlich doof finde. Aber ich war auch stolz. So große Mädchen hatte ich da. Und sie bewegen sich schon so selbstverständlich in dieser Welt. Es fühlte sich immer richtig an.

Die Shopping Queen

In K1 habe ich hier ein Mädchen, das es liebt einzukaufen – und zwar in jeder Hinsicht. Egal, ob es um Lebensmittel, um Klamotten oder um Schuhe geht – einzukaufen ist das Größte. Das erleichtert natürlich vieles. Interessant daran ist, dass sie das schon sehr lange ganz alleine tut. Es fing an mit dem Bäcker sonntagmorgens, da war sie sieben Jahre alt, heute geht sie alleine durchs Veedel (auch das benachbarte), strawanzt mit einer Freundin durch die Läden und kauft sich selbst Kosmetikartikel, Unterwäsche oder eben Bücher. Sie macht das so, als hätte sie noch nie etwas anderes getan. Und ist dabei so aufmerksam: Immer wieder berichtet sie, dass man versucht hätte, sie an der Kasse beim Rück- oder dem Pfandgeld zu beschummeln. Sie setzt sich da durch und diskutiert notfalls mit dem Geschäftsstellenleiter („da steht der Preis dran, mehr dürfen Sie nicht berechnen“).

K2 ist da deutlich zurückhaltender (ist auch erst 6 Jahre alt); aber sie geht gerne mal mit der Schwester mit. Für K2 ist es erst einmal toll, alleine zur Schule zu gehen, ganz alleine nach Hause zu kommen (bereits am 2. Tag), hier unten alleine mit ihren Freunden zu spielen (Wohngebiet hier ist autofrei) und viele Dinge (etwa, was sie anzieht) selbst zu entscheiden.

Das habe ich übrigens schon früh eingeführt: So lange es der Jahreszeit angemessen ist, dürfen meine Kinder anziehen, was sie möchten. Ich schlucke manchmal, weil sie Klamotten kombinieren, wie ich es niemals tun würde, aber irgendwie finde ich das cool. Sie haben auf diese Weise schon sehr früh einen eigenen (von meinem verschiedenen) Geschmack entwickelt. So ist K1 mit diesen kurzen Hosen (ähnlich Hotpants) schon rumgelaufen, als das noch nicht alle Mädels entdeckt hatten. Heute gibt es kein Mädchen in ihrer Klasse, das diese Hosen nicht trägt. Auch die Farben, die sie da so zusammenstellen, erstaunen mich im ersten Moment, im zweiten jedoch fasziniert mich das.

Keinen Freizeitstress machen

Nicht minder entspannt gehe ich eigentlich schon immer die Freizeitgestaltung der Kinder an. Schon im Kleinkindalter galt für mich die Maxime: Ich bespiele mein Kind nicht. Ich war/bin dabei, ich bot/biete Anregungen, auf Einladung spielte/spiele ich auch mit. Mir fiel aber nie ein, mit einem Kind auf ein Spielgerät auf dem Spielplatz zu steigen. Meine Devise war und ist: Wenn sie es nicht alleine schaffen, ist das Klettergerüst eben noch nicht das Richtige. Und sie sollten Ehrgeiz entwickeln, etwas alleine zu schaffen.

Termine nach dem Kindergarten oder nach der Schule hielt ich ganz bewusst in Grenzen. Zum einen konnte ich aufgrund meiner Berufstätigkeit gar nicht ständig Mama-Taxi spielen, zum anderen wollte ich es auch nicht. Die Tage waren mit Kindergarten und sind mit der Schule schon unglaublich ausgefüllt; die Kinder sollen auch einfach mal nichts tun dürfen. Faul sein. Auf dem Sitzsack kuscheln und Musik hören. Auf dem Balkon sitzen und Kinderkaffee trinken, gerne auch ein Keks dazu. Entspannt im Badewasser planschen. Sich verabreden. K1 hat von der 1. Klasse an in der Schule ein Instrument erlernt und spielt in der Schule Fußball, erst seit Klasse 5 zusätzlich im Verein. Zum Training braucht sie keinen Fahrdienst, sondern fährt mit dem Fahrrad alleine hin. Sie ist dafür ca 12 min unterwegs. Das war’s.

K2 ist ein Bastel- und Legotalent. Sie baut sich selbst einen Fernseher inkl. Fernbedienung (selbst gemalte Bilder bilden dann den wechselnden Hintergrund) oder baut aus Lego Pinguine, die einen Wagen ziehen. Ob sie noch eine weitere außerschulische Sache machen möchte, darf sie selbst entscheiden. Ich finde es wichtig, ihr da keinen Stress zu machen. Sich mit Freunden zu verabreden, steht unglaublich hoch im Kurs. Sie sagt seit neuestem, dass sie mit uns Eltern nicht mitkommen will (etwa zum Fußball), sondern lieber zu einem Freund gehen mag.

Ich finde, die Lütten sind schon sehr selbständig und machen unabhängig von ihren Eltern in vielen Bereichen schon ihr Ding. Mir macht das trotz allen Gluckendaseins wirklich nichts aus, im Gegenteil. Ich habe auch das Gefühl, dass die beiden das zu schätzen wissen, das Vertrauen also rechtfertigen. Denn nichts anderes ist es meiner Meinung nach: Vertrauen in die Kinder. Vertrauen, dass sie das können, was wir als Eltern ihnen zutrauen. K2 würde sagen: „Ich bin doch kein Baby mehr.“ Recht hat sie!

 

 

 

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