Ich bin HSV-Fan. Und es tut einfach weh.

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Seit mehr als 30 Jahren bin ich Fan des Hamburger Sport-Vereins. Als solcher habe ich mich in den vergangenen Jahren an einiges gewöhnt, ausgemacht hat es mir aber immer etwas – Gleichgültigkeit ist mir in Sachen HSV wirklich fremd. Als Bundesligadino hat der Verein etwas zu verteidigen, es geht um etwas, es ist nicht egal, ob man im Abstiegskampf mitspielt oder eben nicht. Doch selten hat das, was die Profi-Mannschaft damit so anfängt, so dermaßen weh getan, wie in den vergangenen 12 Monaten. Das Spiel am Sonntag, das der HSV völlig zurecht bei Hannover 0-2 verlor, war nur ein weiterer Beweis dafür, dass etwas faul ist im Vereine da in Hamburg. Und als ob das nicht gereicht hat, schmiss die AG gestern auch noch den Trainer samt Stab raus. Wie man das halt so macht.

Ich will hier keinen Abriss über die Geschehnisse geben, das haben andere bereits in großer Ausführlichkeit getan, beispielhaft erwähne ich den Trapper. Mir geht es hier um mein Gefühl. Und das leidet derzeit. Sehr. Das geht damit hier schon los:

Und fand sein Finale, zumindest am Sonntag, dann hier:

Ein Spiel der Emotionen

Ja, liebe Fußballfreunde, Verlieren gehört dazu. Die Frage ist doch aber: WIE? Und da fängt es dann auch für einen Laien wie mich an, schwierig zu werden. Dieser Sport lebt von den Emotionen auf den Rängen, aber eben auch auf dem Platz. Das scheinen so einige beim HSV, vor allem die Spieler, irgendwie vergessen zu haben. Dafür muss man sich nur einmal die Körpersprache der Spieler während des Spiels anschauen. Bei Diekmeier, darauf habe ich diesmal besonders geachtet, sieht es wirklich so aus, als wäre es unter seinem Niveau, mit solchen Leuten zusammenspielen zu müssen. Ich erinnere mich an eine Szene in der 1. Halbzeit, als er so merkwürdig auf seine Vorderleute schimpfte, H96 hatte eben eine seiner Großchancen netterweise versemmelt. Das sah komisch aus, geringschätzig, genervt … Seine Flanken geben mir als Zuschauer mehr und mehr das Gefühl: Der macht das, weil es alle von ihm erwarten. Und genauso sehen die dann auch aus. Alibimäßig und so gut wie nie zum eigenen Mann. Ist doch eh egal, man verliert ja sowieso. Und in diesem Stile könnte ich weitermachen. Der von mir wirklich hochgeschätzte Rudnevs rennt und rennt, doch was nützt das alles, wenn er als Stürmer die dicksten Chancen nicht verwertet? Wenn er nicht mal das Tor trifft, wenn das Spiel ruht? Das war dann der Moment, als ich twitterte:

Wenn er es gemeinsam mit seinen Mitspielern nicht schafft, ordentlich zusammenzuspielen, mit Betonung auf zusammen, dann kann dieser ominöse Funke auch nicht auf die Tribünen überspringen. Das funktioniert einfach nicht.

Die Auswärtsfans des HSV sind, wenn man mal von diesen Pyro-Bekloppten und den arroganten Pinseln absieht, großartig. Sie füllen in so vielen Stadien die Gästeblocks – die Clubs haben den HSV eigentlich gern zum Gegner (dass das derzeit noch andere Gründe hat – geschenkt). Sie bringen Fans mit, die Stimmung und ja, auch Umsatz machen. Unermüdlich wird gesungen, aufgestanden für den HSV, geklatscht, die Fahne geschwungen, das Dino-Dasein beschworen. Doch in Hannover ging das mitunter in einem einzigen „Orrrrrr“ und Gelächter der H96-Fans unter. Ausgelacht wurde der HSV, AUSGELACHT! Von Freunden! Und das, wenn wir ehrlich sind, auch noch zu Recht. Macht sich irgendjemand eine Vorstellung davon, was das für einen Fan bedeutet? Das Tochterkind1 war in Tränen aufgelöst und versank in den Armen des Papas, Tochterkind2 tröstete die Mama, der die Tränen die Wange runterliefen.

Nun ist der Verein sicher nicht verantwortlich für mein Wohlbefinden; das bin schon immer noch ich. Nur: Wenn der hoch-emotionale Fan irgendwann nicht mehr erkennt, dass die Jungs da aufm Feld mit Leidenschaft (also Emotion) bei der Sache sind, kommt vielleicht der Augenblick, in dem sich der Fan sagt, dass er seine Emotionen nicht mehr im Stadion leben möchte. In Einzelfällen juckt das niemanden, doch wenn es immer mehr werden, bedeutet das für den HSV mehr als den Verlust der Stimmung, die im heimischen Wohnzimmer eh schon reichlich abgekühlt rüberkommt: Die fetten Fernsehgelder gibt es dafür, dass der HSV viele interessiert. Die Sponsoren bringen Geld mit, weil sie beim HSV (auch in der Arena) auf ihre Zielgruppe zu treffen meinen. Was, wenn diese zu erreichenden Zielgruppen nicht mehr da sind? Wenn den HSV einfach keiner mehr sehen will? Dann ist sehr viel mehr in Gefahr als das (so langsam nervige) Dino-Dasein.

Dabei bin ich so bescheiden geworden (diese Rückwärtsgewandtheit vieler Fans geht mir beispielsweise komplett auf die Nerven): Alles, was ich sehen und erleben möchte, ist Emotion. Wille. Einsatz. Leidenschaft. Freude am Fußballspielen. Weil es ein toller Sport ist, der so viele Menschen begeistert. Weil es eine Ehre ist, für den Verein aufzulaufen, dessen Leibchen man trägt. Weil man den Leuten da auf den Rängen etwas Ideelles zurückgeben möchte für deren Einsatz, ihre Leidenschaft. Weil genau das die Menschen auf und neben dem Platz verbindet.

An dieser Stelle muss ich dringend erwähnen, was für nette Menschen ich durch den Fußball kennengelernt habe. Schöne Grüße nach Hamburg, Mannheim, Berlin und ganz speziell nach Hannover.

Vielleicht sollten die Profis mal bei den Jugendspielern vorbeischauen und einfach versuchen zu erspüren, was die Jungs und Mädels da antreibt. Ich jedenfalls bekomme Gänsehaut, wenn ich beim Training von K1 zuschaue, wenn die Kinder einen fragen, wie sie es machen sollen, wenn sie bei Staffelspielen alles geben und Tore bejubeln, als hätten sie ein wichtiges Spiel gewonnen! Diese Gänsehaut hätte ich bitte auch mal gerne wieder, wenn ich der Bundesliga-Mannschaft des HSV zuschaue. Weil es in Sachen Fußball doch eigentlich nichts Schöneres gibt!

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Ein Kommentar Gib deinen ab

  1. muscomatik sagt:

    Hi Miss,

    ich habe das Hannoverspiel nicht ganz so negativ gesehen wie du, aber was mir jetzt auch schon mehrmals negativ aufgefallen ist (u.a. als ich live im Stadion gegen Paderborn war) ist der von dir kritisierte Herr Diekmeier, der Typ hat eigentlich ein optisches Auftreten wie ein Ultimate-Fighter, beim Fussball allerdings lässt er nach drei Minuten die Schultern hängen, er bringt derzeit keine Flanke halbwegs verwertbar in den Strafraum und motzt dann mit allem und jedem rum – das kann es doch nicht sein.

    Ich befürchte, wir müssen noch einige Spiele durchhalten bis es auch punktemäßig bergauf geht.

    Bis bald

    MaXX

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