Zufrieden Zähne zeigen

Gestern war Tag der Zahngesundheit, heute fand der Mundhygienetag in Düsseldorf statt, und ich habe mich auf den neuesten Stand in Sachen häusliche Mundhygiene gebracht. Es gibt nicht so furchtbar viel Neues, aber die interessantesten News fasse ich gerne hier zusammen:

Besser geht’s nicht: Elektrische Zahnbürsten

Dass diese in ihrer Reinigungsleistung den Handzahnbürsten überlegen sind, überrascht jetzt niemanden und ist auch mit höchster Evidenz nachgewiesen. Worüber es jedoch immer wieder geteilte Meinungen gibt, ist die Frage: Welche soll ich denn nehmen? Im Angebot sind die rotierend-oszillierende Zahnbürste (bekanntester Protagonist: Oral-B) und die Schallzahnbürste (hier kennt man [als HSVer auch Dank Sylvie Meis] die Philips Sonicare). Die Studienlage für die erstgenannte Bürste ist größer, da es sie schon länger gibt, doch auch die Schallzahnbürsten haben nachgewiesen, dass sie Zähne und Zahnfleisch ordentlich saubermachen können. Welches System für wen geeignet ist, lässt sich laut Prof. Dr. Stefan Zimmer von der Uni Witten-Herdecke einfach erklären:

Geübte und trainierte Anwender sind mit der rotierend-oszilierenden Bürste gut bedient, technisch weniger Versierte profitieren stärker von einer Schallzahnbürste.

Auch Kinder sollten schon elektrisch putzen, sagte er, die Compliance läge da höher. Ich kann das von meinen Kindern nicht bestätigen, aber das Nachputzen – er empfahl den Eltern, es so lange zu machen, bis das Kind heiratet (was für eine Heiterkeit im Auditorium) – funktioniert mit der elektrischen Zahnbürste wirklich besser. Ich selbst komme mit der Schallzahnbürste nicht zurecht, das kitzelt unangehm am Zahnfleisch. Die rotierende hat bei mir jedoch keinen runden Bürstenkopf, sondern einen, der einer Handzahnbürste ähnelt. Ich hatte den mal probiert und bin dabei geblieben, der funktioniert bestens.

Je länger, desto besser: Putzdauer

Wie lange soll man eigentlich die Zähne putzen? Selbst Fachleute, also Prophylaxe-Assistentinnen und Dentalhygienikerinnen (ich meine ausdrücklich beide Geschlechter, denn ja, es gibt auch männliche Dentalhygieniker; aber die übergroße Mehrheit ist weiblich), antworten darauf häufig wie aus der Pistole geschossen: zwei bis drei Minuten! „Was für ein Quatsch“, meinte Zimmer. Er plädierte dafür, individuelle Putzzeiten zu ermitteln, und zwar so: Zähne anfärben (geht auch zu Hause) und dann so lange putzen, bis vom Färbemittel nix mehr zu sehen ist. Man würde staunen, auf welche Zeiten man da käme: Von zwei bis 10 Minuten sei alles dabei. Aber es ist tatsächlich so: Länger zu putzen hilft. Mit der richtigen Technik, versteht sich. Heißt vor allem: nicht so feste drücken!

Seit neuestem gibt es auch für Smartphones eine nette Spielerei: Man kann seine elektrische Zahnbürste über bluetooth (haha) mit seinem iPhone über ein App verbinden. Darüber lässt sich die individuelle Putzzeit speichern, man kann eintragen, was man alles getan hat – ist überall ein Häkchen, gibt es einen Smilie, der einem einen erfolgreichen Tag verspricht. Nun ja. Wer’s braucht.

Creme für die Zähne

Zahnpasten gelten laut Kosmetikverordnung als Pflegemittel und dürfen daher nicht mit einem therapeutischen Nutzen beworben werden. Drum heißt es „Kosmetikum mit medizinischer Wirkung“. Und diese lässt sich tatsächlich nachweisen. Fluoridierte Zahncremes beugen Karies sehr effektiv vor; und auch hier gilt, so verrückt es auch klingt: Je höher die Konzentration, desto stärker die Kariesprävention. Dazu kommen Zahncremes mit Inhaltsstoffen, die besonders für Patienten mit empfindlichen Zähnen geeignet sind, und solche, die Verfärbungen bekämpfen sollen (whitening). Hier ist wichtig zu wissen, dass diese Pasten nichts gegen intrinsischen Verfärbungen ausrichten (Fluorose, Gelbfärbung bei älteren Menschen), sondern nur gegen extrinsische, wie sie durch Genuss von Kaffee, Tee und Rotwein entstehen. Diese Pasten zeichnen sich durch eine hohe Abrasivität aus, denn nur damit lassen sich die Verfärbungen „wegrubbeln“. Eine hohe Abrasivität kann den Zähnen aber auch zusetzen (Stichwort Putzschäden), daher würde ich sehr vorsichtig mit solchen Zahncremes umgehen.

Für mich interessant: Die eine Zahncreme, die im TV heftig beworben wird und die Zähne remineralisieren soll, bringt tatsächlich etwas. Ihr wirklich entscheidender Nachteil sei das fehlende Fluorid, daher urteilte Zimmer: maximal eine Ergänzung, aber kein Ersatz für eine fluorid-haltige Zahncreme. Es gibt im übrigen auch andere Anbieter, die remineralisierende Zahncremes im Angebot haben.

Wichtig für Eltern: Kinderzahncremes sollten Fluorid enthalten. Es beginnt hier bei 500 ppm, das sind 0,05 Prozent Fluorid. Ab sechs Jahren gibt es die Junior-Zahncremes, die in der Regel zwischen 1.000 und 1.450 ppm Fluorid enthalten. Zimmer ist ob der Regelung für Kleinkinder nicht glücklich, außer in Deutschland und den Niederlanden gäbe es diese Regel auch nicht. Nur die Schweiz ist noch extremer mit 250 ppm. Hier dürfen wir sicher weiter spannende wissenschaftliche Diskussionen erwarten. Will sagen: Wenn das Kind mal die Pasta der Eltern benutzen möchte, ist das kein Problem.

Wichtiger Schluck: Mundspüllösungen

So sinnvoll diese als Ergänzung in der Mundhygiene sind, so selten werden sie offenbar genutzt. Nachgewiesen ist aber auch hier, dass sie etwas bringen, vor allem bei Patienten mit kieferorthopädischen Versorgungen, Patienten mit erhöhtem Wurzelkariesrisiko, Patienten mit Neigung zur Erosion (und das werden wegen des Genusses von Limonaden und Obstsäften immer mehr) und bei Patienten, die sich nicht mehr in ausreichendem Maße die Zähne putzen können. Letztlich geht es darum, den Biofilm zu reduzieren, und das schaffen die Lösungen. Und: Nicht jeder packt das mit der Zahnseide, da kann die Mundspüllösung (nicht: Mundwasser!) eine gute Ergänzung sein.

Die Mission fürs Dazwischen: Interdentalreinigung

Wir reden hier über die Reinigung der Zahnzwischenräume, das sind die Orte, an die die Zahnbürste nur eingeschränkt hinkommt, in denen aber Keime lauern, die nicht nur Zahn und Zahnfleisch zusetzen können, sondern Auswirkungen auf den gesamten Körper haben. [Anmerkung für die Fußballfans: Die sind u.a. der Grund, warum immer mehr Sportvereine eine regelmäßige Zahnkontrolle/-behandlung ihrer Spieler verlangen. Bestimmte Entzündungsprozesse im Körper starten vom Mund aus.] Von Zahnärzten wird immer wieder die Zahnseide empfohlen, und Studien geben ihnen da auch Recht. Nur: Die benutzt kaum einer. Es ist umständlich, manchmal irgendwie auch gar nicht machbar. Vielleicht ist ein Superfloss drin, das ist der Faden, der aus unterschiedlichen Material-Abschnitten besteht und sich besonders gut eignet, wenn man unter dem Brückenglied reinigen will. Die Alternative sind Zahnhölzchen (naja) und Interdentalbürstchen. Die gibt es in unterschiedlichen Größen und holen all das raus, was Zahnbürsten eben nicht schaffen. Wichtig ist das vor allem für jene, deren Zähne parodontal vorgeschädigt sind (was übrigens nicht zwingend mit schlechter Mundhygiene zu tun hat!), die Zahnersatz und/oder Implantate haben.

Wer jetzt fragt: Wozu das alles?, dem antworte ich: Gesunde Zähne sind für mich Lebensqualität.

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