Mamis unter sich: Mehr feiern statt zu streiten

Die Frau Chamailion hat heute ihren Beitrag für die Blogparade zum Thema „mommy wars“ eingestellt, der in mir nicht nur Widerspruch auslöste, sondern auch ein großes Fragezeichen hinterließ: Wird das unter den Mamis irgendwann noch was? Erst mal hier mein Kommentar dazu (in leicht abgewandelter Form):

Zunächst: Der Beitrag versucht, beide Seiten zu beleuchten, also „Täter“ und „Opfer“. Denn natürlich sind wir alle irgendwie auch „Täter“, wenn wir anderen Eltern unsere Sicht der Dinge nahebringen (ich will es mal so formulieren). Ich unterstelle dabei zunächst keine bösen Motive, aber wie das manchmal so ist: Manchmal ist das Gegenteil von „gut“ eben „gut gemeint“.

Die Autorin beschreibt ein paar Szenen von Begegnungen mit anderen Müttern. Was ich daran wirklich schwierig finde, ist das verstecktes Urteil darin „… ganz schön dick eingepackt“, „wofür man dafür Literatur brauche“. Meiner Meinung nach steht es niemandem zu, das Verhalten anderer derart zu bewerten, wenn es nicht gerade um das Kindswohl geht (ist ein Mensch in Gefahr, sollte man sich immer einmischen). Wenn die Mutter ihr Kind wärmer anzieht, geht das niemanden etwas an. Und wenn die andere Mutter nach Literatur fragt, ist das nun mal ihre Art des Herangehens. Auch wenn man selbst Literatur in bestimmten Zusammenhängen (hier wohl: Ratgeberliteratur) doof findet,  muss man deren Weg deswegen nicht abwerten.

Dann wird gefragt,  ob man alles kommentarlos lassen müsse, ob man immer vermeiden müsse, in irgendeinen Fettnapf zu treten. Ich antworte mal mit einer Gegenfrage: Wer sagt eigentlich, dass man als Mutter alles kommentieren und dem Gegenüber um die Ohren hauen muss? Wer zwingt eine Mutter, ein Feld zu betreten, das „vermint“ sein kann? Warum muss man die Gedanken, die einen zu allem möglichen bewegen, immer aussprechen und auch noch adressieren? Vor allem dann, wenn man weiß, dass es die andere Person verletzen könnte?

Mein Vorschlag heißt [und das habe ich hier im Blog schon mehrfach angesprochen]: Achtsamkeit. Achtsamer Umgang miteinander. Eine enge Freundin wird einen kennen, eine direkte Art schätzen und wissen, wie man es meint. Doch man ist nicht jederfrau Freundin, also können andere nicht wissen, wie man es meint. Jeder Mensch ist nun mal anders, die einen können eine (nass)forsche Art ab, andere nicht. Das spricht dann aber nicht gegen sie, sondern ist einfach mal so zu akzeptieren. Jeder verdient Respekt und eine grundsätzliche Wertschätzung. Indem von Müttern gefordert wird: „Jetzt entwickel‘ mal ein bisschen Selbstbewusstsein.“ bleibt aber genau diese grundsätzliche Wertschätzung auf der Strecke. Aus meiner Sicht ist es nicht okay, die Muttis, die aus irgendwelchen Gründen, die man nicht kennt (!), verunsichert sind, auch noch so vor den Kopf zu stoßen. Deren Rückzug ist dann eben ihr Weg, damit umzugehen bzw. sich abzugrenzen.

Ich gebe gerne zu, dass mir das mit der Achtsamkeit vor einigen Jahren auch nicht immer so gelungen ist. Ich habe meine Art, mit meinem Kind umzugehen (denn das traf wirklich nur bei K1 zu), immer gemeint verteidigen zu müssen – was für ein Unsinn! Beim K2 war ich da schon deutlich abgeklärter (ich wusste ja jetzt, wie es geht). Heute sage ich jedem, der mir mit irgendwelchen Ratschlägen kommen will: „Dankeschön. Wir machen es so, wie wir uns alle damit wohlfühlen.“

Treffe ich auf Eltern mit jüngeren Kindern, bemühe ich mich zumindest darum, erst einmal nur zuzuhören. Wenn es passt, erzähle ich davon, wie es mit meinen Kindern war/ist , sehr darauf achtend, keine Wertung reinzupacken. Natürlich habe ich zu allem, was andere Mütter da so machen, eine Meinung, und die fällt in vielen Fällen mit Sicherheit unter die Kategorie „mommy wars“. Doch ich habe gelernt, eben nicht zu allem meinen Senf dazu zu geben, etwas auch einfach mal so lassen zu können. Denn die Familien fühlen sich ja offensichtlich wohl so, wie sie es machen. Wenn nicht, werden sie irgendwann irgendjemanden fragen. Manchmal reicht es einfach, aufmerksam zu sein und Verständnis zu haben. Das fände ich eine viel interessantere Option als sich zu entscheiden zwischen Konfrontation oder Rückzug.

Nachdenken, bevor man redet

Wenn ich also darüber sinniere: Mütter sind grundsätzlich (so wie alle Menschen), aber hier noch zusätzlich in Abhängigkeit zum Alter ihrer Kinder sehr unterschiedlich. Ich beobachte ganz oft, dass Mütter von kleinen Kindern, also jünger als Schulalter, komplett anders drauf sind als solche, die Schulkinder haben. Ein (Pseudo?)Beleg dafür scheint mir die Mama-Blog-Geschichte zu sein. Zum einen käme ich selbst nicht auf die Idee, einen solchen zu betreiben, zum anderen sprechen mich andere nur selten wirklich an. Ich bin einfach aus der Windel-Brei-Still-Schrei-Nichtdurchschlaf-Trotz-Zahn-Mittagsschlaf-Phase lange heraus. Meine Erlebenswelt unterscheidet sich einfach von jenen der Baby-Mamis. Das stellt keine Wertung dar, sondern beschreibt nur die Situation.

Diese Andersartigkeit wird mir nun sehr bewusst bei der Blogparade „mommy-wars“. Ich erlebe Auseinandersetzungen unter Müttern mit zwei schulpflichtigen Mädels einfach nicht mehr. Die Themen, die wir Eltern, so wir uns sehen, besprechen, sind komplett andere. Da geht es beispielsweise um die Frage: Wie viele Arbeitsgemeinschaften sind okay? Sollen die Kinder ein Smartphone mit whatsapp haben oder nicht? Aber da gibt es kein „Wähhh, Deine Tochter hat das nicht, wo lebst Du denn?“, sondern eine offene Diskussion darüber: Wie geht man als Eltern damit um? Wir diskutieren Vor- und Nachteile, tauschen uns aus – es macht auf mich einen sehr kooperativen Eindruck. Netterweise sind die Gesprächsrunden da sehr gemischt, die Väter sind dabei. Vielleicht ist es auch das – in Gegenwart von Männern benehmen sich Frauen ja häufig anders, als wenn Frauen unter sich sind.

Ich plädiere also dafür, auf allen Seiten „abzurüsten“: Weder muss man als Mutter herausstellen, wie toll man irgendwelchen (welchen eigentlich?) Erwartungen entspricht und dabei auch noch wie einem Versandhauskatalog entsprungen ausschaut, noch muss man sich als Mutter verstecken und für alles mögliche rechtfertigen, was man anders als andere macht. Eines sollten wir Mamis uns klarmachen: Nichts ist immer nur toll (auch wenn die Fassade noch so glänzt), und nichts ist immer nur doof (auch wenn man als Eltern kaum noch Schlaf bekommt). Es gibt so viele Wege zum persönlichen Glück – und das sehe ich eher als einen Grund für „mommy party“ als für „mommy war“!

Nachtrag: Ich habe noch einen interessanten Blogpost von @mamamamok, der ähnlich gelagert ist, gefunden. Auf den verweise ich hiermit sehr gerne. Der Link im Kommentar von Katharina ist auch sehr anklickenswert.

Danke für beide Posts!

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2 Kommentare Gib deinen ab

  1. Katharina sagt:

    Das Kooperative, das Du hier für Eltern von Schulkindern beschreibst, erleb(t)e ich auch unter Kleinkind-Eltern: Sich gegenseitig babysitten, bei Babyeltern auch mal die Einkaufsliste der Nachbarin zu eigenen Grosseinkauf mitnehmen, usw. usf.
    Ich denke, man gestaltet sein soziales Umfeld auch aktiv mit und es ist immer (teilweise), was man daraus macht.
    Ausserdem ist da noch die Sache mit dem Glashaus und den Steinen. Denn: Supermutti sind immer die anderen!
    http://mamahatjetztkeinezeit.ch/2012/09/13/auf-der-suche-nach-supermutti/

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    1. mrscgn sagt:

      Liebe Katharina,
      Danke für deinen Kommentar und den Link auf deinen tollen Blog! Hab viel genickt. Ich denke, dass wir da sehr ähnlich ticken. Und das gibt ein gutes Gefühl – Frau ist nicht allein 🙂

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