Im Grau öfter mal Farben entdecken

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Vielleicht ist es eine Frage des Alters, vielleicht eine Frage der aufgrund diverser Umstände entstandenen neuen Wahrnehmung: Um mich herum passieren erstaunliche und so viele Dinge. Manches war schon immer so, anderes fällt mir erst jetzt so richtig auf. Das ist insofern bemerkenswert, als dass ich den Alltag sehr häufig als grau wahrnehme, in dem eben nichts großartig auffallen kann – abgesehen von den intensiven Farbklecksen, die die Kinder, die Familie insgesamt ins Leben bringt, und das meine ich positiv. Doch auch im stinknormalen Alltag verstecken sich, so meine Wahrnehmung, interessante Dinge, die vielleicht nicht immer in den tollsten Farben leuchten, aber definitiv nicht grau sind. Also los:

Wenn eine eine Reise tut

Ich bin beruflich bedingt immer viel unterwegs. Im Auto genieße ich das total, weil ich gerne Auto fahre, weil ich immer meine Musik dabei habe, weil es mich mobil und flexibel hält. Auch zu fliegen finde ich angenehm, die engen Sitzreihen machen mir kleinen Frau wenig aus, ich schaue gerne von oben auf die Welt und freue mich, auch mal weiter wegzukommen. Was ich aber schon immer furchtbar fand: Bahnreisen. Und davon hatte ich in jüngerer Vergangenheit zu viel. Zum Beispiel deswegen hier:

Und dazu passt dann das hier, was mich wirklich ärgert. O2 brüstet sich damit, eines der besten Netze (wenn nicht gar das beste!) zu haben, aber es versagt regelmäßig in Zügen und sobald man Metropolen verlässt. Wollen die mich veralbern?

Und dann kommt so was noch dazu:

Der Mann hatte offensichtlich in Allerwelts-Rasierwasser gebadet und nicht gefrühstückt. Anders war dieser widerliche Atem nicht zu erklären. Ob ich das nächste Mal eine Halitosis-Mundspüllösung für solche Fälle mitführe? Ich setze es mal auf die Liste, auf die ich auch schreibe: Flaschenöffner! Denn im Hotel gab es so was nicht. Mercure, drei Sterne. Immerhin: Es gab kostenloses WLAN, was nur leider im vierten Stock nicht so wirklich funktionierte. Die Kollegin im 1. Stock freute sich darüber, fleißig E-Mails mit großen Datenmengen rausjagen zu können. Bei mir reichte es nicht mal für skype mit der family. Aber: Das Wasser war warm, das Zimmer sauber. Alles nicht so selbstverständlich heutzutage …

Wenn eine genauer hinschaut

Da ich einen sehr durchgetakteten Alltag habe, entgehen mir häufig die kleinen, vielleicht auch witzigen Kleinigkeiten, die das Leben so säumen. Das fängt an bei der Taube, die sich morgens in der Pfütze auf einem Garagendach ausgiebig badet. Das geht weiter zum K2, das die Mutter auf einen dunkleren Pfad lockt, weil es mir mit der Laterne den Weg zeigen will. Und geht bis zu der jungen Frau, die sich ernsthaft mühte, auf Absatzschuhen zu laufen, sich aber nicht traute, die Kniee durchzudrücken.

Richtig spannend wird es, Dinge, die man aus durchaus unangenehmen Situationen kennt, aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Zahnbohrer zum Beispiel. Das Innenleben dieser Instrumente steckt voller Know-how, die Außenhülle wird mit einer 16-Achs-Maschine hergestellt. Es ist unglaublich, welche Drehzahlen mit so kleinen Motoren erreicht werden (400.000 U/Minute) und hübsch, was man auch damit machen kann:

Und das in einem Material, das der Härte von Zahnschmelz (und der ist sehr hart!) entspricht. Faszinierend, oder?

Wenn eine sich Gedanken macht

Wenn eine über Beobachtetes, Gesprochenes und Geschriebenes reflektiert, kommen ihr mitunter Gedanken, die nur schwer in Worte zu fassen sind. Einer, der das richtig gut konnte und dabei auch noch sehr poetisch ist: Kafka. Der fasste ein Dilemma, in dem ich mich in der vergangenen Woche befand, unfassbar direkt und klar zusammen:

In der Regel finde ich es gut, auch den Weg als Ziel zu sehen, auf dem ich Neues erfahre, Erfahrungen mache … Doch manchmal mache ich es mir damit wohl zu einfach. Es ist ja bequem, den Weg zum Ziel zu erklären, wenn man sich nicht entscheiden möchte. Dabei ist genau das manchmal notwendig: sich zu entscheiden. Und wenn einem auf diesem kurzen Weg auch ein reflektierter und achtsamer Mensch über den Weg läuft, den man bisher zwar wahrgenommen, aber doch nicht wirklich bemerkt hat, ist das umso schöner.  Ich habe mich entschieden, und es fühlt sich gut an – ein sehr sichtbarer Farbklecks im sonstigen Grau, das dann eben doch nicht mehr grau, sondern eher silberfarben schimmert. Und darin kommen Farben manchmal noch schöner zur Geltung.

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