Das ist alles irre intensiv

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Ich habe schon eine Weile nicht mehr gebloggt, dabei gäbe es so viele Themen. Dinge, die mich beschäftigen, mich aufwühlen, sich wichtig anfühlen. Doch mir fehlt die Muße, mir fehlt die Entspanntheit, mich hinzusetzen und das aufzuschreiben, was mich bewegt. Und dann dieser Tweet hier:

Da ist sie, die sehr deutliche Aufforderung, das eigene Sein zu reflektieren. Mein Sein hat sich in diesem ersten Monat dieses Jahres im Vergleich zum Monat davor sehr verändert. Ich habe meine sehr gern gelebte Selbständigkeit zugunsten einer Festanstellung aufgegeben – diese Umstellung hat den Monat beherrscht. Vollzeit zu arbeiten heißt eben, morgens halbwegs pünktlich das Haus zuverlassen, mindestens neun Stunden im Büro zu sein (natürlich sind es häufig mehr), abends nach Hause zu kommen und dort die „zweite Schicht“ einzulegen: Kinder, Haushalt, Mann. Alles unspektakulär und sehr wahrscheinlich für viele Familien völlig normal. Ich hatte das sehr lange schon mal so, und es tat mir in der Rückschau betrachtet nicht gut. Jetzt also wieder so. Ich will das jetzt noch nicht final beurteilen, doch ich spüre zweierlei: Die berufliche Herausforderung und die Bestätigung dafür, etwas zu tun, das ich beherrsche, fühlt sich richtig und gut an. Der private Preis, der dafür zu zahlen ist (in erster Linie einfach mal fehlende Zeit), ist nicht immer schön, aber, so meine Hoffnung, temporär. Wenn sich alles eingespielt hat, das große Projekt erledigt ist, die Tage länger hell sind … ich bin da zuversichtlich. Zwischenfazit: Das ist in Ordnung so.

Das Leben leben – es regt mich noch auf

Dass mich etwas aufregt, ist so selbstverständlich nicht, ich kenne durchaus Zeiten, da mir so ziemlich alles egal war. Insofern sehe ich es als gutes Zeichen, dass mich das Leben aufregt – denn das ist das Gegenteil von Gleichgültigkeit.

Ein großes Thema war wiederholt die Schule mit den Lehrern darin. Ein Kollege meinte neulich, dass ein großes Problem der Lehrer (häufig) wäre, dass sie praktisch nie etwas anderes gesehen hätten bzw. sehen würden, als eine Schule. Sie gehen als Kinder und Jugendliche zur Schule, von dort auf die Universität oder eine andere Hochschule und wieder zurück an die Schule. Solche Phänomene gibt es sich ähnlich gelagert auch in anderen Berufen, aber hier wird das Dilemma sehr deutlich: Sie können sich häufig nicht in die Lage von Eltern versetzen, die eine ganz andere Erlebenswelt haben. Das beginnt bei der Frage der Terminvereinbarung für ein Gespräch *, das geht weiter mit vielen freien Tagen für die Kinder, weil die Pädagogen ihre Fortbildung nicht in die Zeit der zahlreichen Ferien legen können **, das endet schließlich mit einer Bewertung der Schülerleistungen, die wir als Eltern nicht mehr nachvollziehen können. So toll ich die Grundschullehrerin von K2 finde, sie ist wirklich eine sehr engagierte und wunderbare junge Frau, so fassungslos stehe ich vor manchem Lehrer des Gymnasiums von K1.

Kommunikationsfragen gibt es gelegentlich auch zu Hause zu lösen, vorwiegend mit den Kindern, aber Mama_notes hat es mal wieder geschafft, ein Gender-Thema in meine Gedanken zu bringen. Sie hat hier einen sehr interessanten Blogpost verfasst, der sich auf diesen hier von Papa online bezieht. Die Kernfrage: Müssen Frauen in Familien klare Ansagen an die Männer richten, wenn sie Hilfe brauchen? Müssen Männer im Sinne der Gleichberechtigung nicht genauso die Dinge sehen und dann einfach anpacken, anstatt auf die Ansage der Frau zu warten? Ich fand die Frage zu groß aufgezogen, aber was weiß ich denn schon? Ich habe beide Texte meinem Mann zu lesen gegeben, und der hat sich köstlich amüsiert. Laut gelacht hat er bei „Serienfehler“ und „Mammut“. Ja, er las das mit Humor. Sein wichtiger Einwand: Es gibt mit Sicherheit auch Männer, die eine niedrigere Reizschwelle haben, die sich also an die Arbeit machen, bevor Frau erkennt, dass da was zu tun ist. Er findet auch, dass Kommunikation wichtig ist – durch die Blume funktioniert das nicht. Zusammenzuleben heißt immer, Kompromisse zu machen. Und es heißt auch, die Erwartungen, die man an sich selbst stellt, nicht automatisch auf andere zu übertragen. Ich versuche, im Wissen dessen, was hinter so manchem Verhalten steckt, eine Lösung zu finden. Dafür müssen sich beide (!) bewegen. Vieles ergibt sich im Alltag und wird dann einfach besprochen. Wir reden hier viel miteinander. Und das finde ich gut so.

Sehr bewegt hat mich dieser Blogpost von Frau Nessy. Diese Abschiede kennt wahrscheinlich jeder, doch selten las ich einen Text über Traurigkeit mit so einem guten Gefühl und aus einer so positiven Perspektive. Ich las diesen Post, als ich wieder mal mit einer schwierig zu beschreibenden Beziehung zu jemandem haderte. Ich habe so eine extreme Ambivalenz selten erlebt. Mir zeigt das, dass auch Menschen, die an sich viel voneinander halten,  nicht immer eine Sprache sprechen und daher nur schwer wirklich zueinander finden können.

#12bookschallenge

Die macht mir nun echt zu schaffen. Mein Buch für den Januar „Der Jesuswahn“ von Kubitza liest sich nicht so weg, ich muss darüber häufig nachdenken, manchmal dem Mann daraus vorlesen, dann wieder Zitate abfotografieren und jemandem zusenden, von dem ich möchte, dass er versteht, warum ich mit Religiösem so wirklich gar nichts anfangen kann. Es ist einfach unfassbar interessant, was Kubitza da schreibt: Für eine, die völlig ohne Religion aufgewachsen ist, für die Weihnachten aus Baum und Geschenken sowie Ostern aus bunten Eiern und Schule am Ostermontag bestand, ist das schon sehr gewaltig. Intensiv. Das Neue Testament wird in dem Buch aus Sicht eines theologischen Historikers zerlegt. Das Buch ist voll von starken Sätzen, dieser hier blieb in Erinnerung:

Beim Stichwort Erinnerung fallen mir vor allem coole Sprüche von K2 ein. Sie ist so ganz anders als ihre große Schwester und überrascht uns immer wieder. Ich muss morgens im Büro und gehe gerne den kleinen Umweg zur Bahn und begleite sie zur Schule. Dabei unterhalten wir uns immer über dies und das, und ich staune immer wieder:

Mama, weißt Du eigentlich, warum ich immer diesen Weg gehe? Nein. Der andere ist mir nicht geheuer.

Und aus so etwas bleibt hängen:

Mit anderen Worten: Ich lebe. Sehr intensiv. Mit Potenzial, es insgesamt (nicht nur in Teilen) wieder gut zu finden.

 

* Ein Elternsprechtag beginnt um 14 Uhr und endet um 18 Uhr. Die letzte Stunde ist natürlich heiß begehrt, hier Termine beim gewünschten Lehrer zu bekommen, ist vergleichsweise schwierig. Mir wurde also ein Termin um 15:40 Uhr angeboten. Es wird ernsthaft erwartet, dass ich für ein Gespräch von 5 bis 10 Minuten einen halben Tag Urlaub nehme? Meinen Vorschlag, sich für diese kurze Zeit doch morgens vor der Schule zu treffen, was in der Grundschule ja auch gelang, fand die Lehrerin dann nicht so klasse. Na klar, sie hat ja auch Kinder. Ach!

** Wie mir ein Kollege, dessen Frau Rektorin einer Grundschule ist, erklärte, ist es eben nicht so, dass Lehrer mehr Urlaub hätten als andere Arbeitnehmer auch. Die über den Urlaub hinausgehenden Ferien müssen sie eigentlich zur Vorbereitung oder eben zur Fortbildung nutzen.

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Ein Kommentar Gib deinen ab

  1. Vivi sagt:

    Das Kubitza-Zitat vom Schach beeindruckt mich nachhaltig. So ist es.

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