Frauensachen: Spannende Artikel. Statt Büchern.

Wir nähern uns dem 8. März, dem Internationalen Tag der Frau. Vielleicht ist das der Grund, warum ich in der jüngsten Zeit so viele Beiträge in Zeitungen oder eben online zu Themen rund um die Frau lesen konnte. Manche haben mich aufgeregt, andere nachdenklich gemacht, wieder andere fasziniert. Ich möchte Euch teilhaben lassen*:

Muttis in der virtuellen und realen Welt

Die geschätzte Sonja hat auf ihrem Blog heute von einer Mama geschrieben, die in ihr iPhone starrt. Ich habe immer wieder nicken müssen, ja, so ist das bei mir auch oft. Ja, ich höre meinen Kindern zu, ja, ich bin für sie da, ja, ich schaue mit ihnen ergriffen „Dein Song“, aber nun ja: Das Handy ist in Reichweite. Ich fühle mich komisch dabei. Aus Gründen. Sonja sagt, dass virtuelles Leben auch Leben ist. Ich sage: Ja, aber es ist ein anderes, eines, das das reale nicht ersetzen, sondern maximal ergänzen soll. Ich telefoniere lieber, als dass ich ewig maile oder sms-e. Ich bin so dankbar für reale Begegnungen, die aus dem Virtuellen entstanden sind – mit dem netten Nebeneffekt, dass sie dann auch die Virtualität verändert. Lest mal selbst, Sonja hat dort auch auf einen schön geschriebenen Beitrag verlinkt. Ich will mein Handynutzungsverhalten auf jeden Fall mal hinterfragen.

Wenn wir schon beim Thema Mütter sind: Anna Reimann vom Spiegel kommentierte die Unterschiedlichkeit der Bewertung von Frauen und Männern, wenn es um das Thema Kinderbetreuung geht. Widmen sich die Männer umfangreich den Kindern, sind sie die Helden, tun es Frauen, ist das selbstverständlich. Ausführlich beklagte dies die Twitterin @runzelfuesschen in ihrem Blog „Von überragenden Vätern und normalen Müttern“. Ich lebe hier ein ähnliches Modell wie sie – und wir finden es beide normal, ganz und gar nicht heldenhaft. Es wäre so schön, wenn genau das bei unseren Kinder ankäme. Und wenn gleichberechtigte Elternschaft noch viel häufiger genau das wird, was es für mich ist: selbstverständlich.

 Ach je, was Frauen alles tun …

Frauen sind nicht einfach Frauen, sie schreiben auch darüber. Und manchmal so provokativ, dass ich kaum glauben kann, was ich da manchmal lese. Simona Pfister, Hospitantin bei der FAS, einer Zeitung, die ich eigentlich sehr schätze, hat mal wieder einen „rausgehauen“ (nicht zum ersten Mal, schaut mal in diesen Blogpost). Leider gibt es den FAS-Artikel nicht online – vielleicht ist es auch besser so. Denn in ihrem Artikel „Schüttel den Speck“ vom 1.3. prangert sie an, dass Politikerinnen ihre Weiblichkeit im Wahlkampf einsetzen und sich dann über Sexismus beklagen. Der Beitrag beginnt so:

Politikerinnen machen Wahlkampf mit ihrem Körper: Sie sitzen mit kurzem Rock auf dem Podium, posieren als sexy Film-Engel oder im Bikini. Ein fieses Spiel. Von Simona Pfister Politik im Jahr 2015: eine Frau beugt sich vor, langes, blondes Haar umspielt das Dekolleté. Sie schaut in die Kamera. Ihre Freundin in schwarzen Stilettos, das Etuikleid ist schon übers Knie gerutscht. Die dritte Frau in noch höheren Schuhen. Dazu trägt sie ein hautenges, schwarzes Outfit. Jede Kurve ihres Körpers zeichnet sich ab.

Das schüttelt es die aufgeklärte Frau zum ersten Mal. Und sie beendet ihren Artikel so:

Meine Meinung: Ja, Frauen dürfen alles, so lange sie sich an geltende Gesetze halten (Grundgesetz, BGB usw). Wer das abstreitet, beschneidet die Frau in ihrer Freiheit und lebt in meinen Augen nicht in dieser Welt. Der vermittelt ein unfassbar gestriges Bild von der Frau und ihrem Sein in der Gesellschaft und zementiert eine Haltung, gegen die andere Frauen seit Jahrzehnten kämpfen. Man stelle sich einmal vor, wir entschuldigen jede Handlung damit, dass uns etwas nun mal provozieren würde, es sei eben unsere Natur. Wie bekloppt wäre das, bitte?!

Das Gegenstück zu diesem fiesen Aufreger ist das Interview, das das SZ-Magazin mit Angela McRobbie geführt hat. Darin hat mich das hier besonders nachdenklich gemacht:

Sehen Sie diesen Zusammenhalt auch heute, oder sind Frauen selbst zu ihren stärksten Gegnerinnen geworden?
Einer der Wege, wie Macht heutzutage wirkt, wie sie die Menschen durchdringt und kontrolliert, ist die Selbstbeurteilung: Frauen beobachten und beurteilen sich ständig selbst – aber auch die Frauen um sie herum. Sie stehen in Konkurrenz. Diese Kontrolle stärkt gleichzeitig das Stereotyp, dass Frauen eben nicht solidarisch untereinander sind, sondern boshaft und zickig. Ich glaube, nur durch eine gemeinsame Politik, durch ein gemeinsames Wir-Gefühl, kann diese Selbstbeurteilungskultur durchbrochen werden.

Wir Frauen sollten solidarischer sein – gerade auch dann, wenn sich unsere Lebensmodelle voneinander unterscheiden, das ist für mich die Essenz. Ich weiß, wie schwer das fällt, aber je länger ich darüber nachdenke, desto mehr wächst der „Das-fühlt-sich-richtig-an“-Gedanke.

Der Bundestag hat heute die Frauenquote beschlossen. Dazu habe ich ein gespaltenes Verhältnis: Einerseits begrüße ich sehr, dass Frauen mehr Macht bekommen sollen – ich halte ja viel von Heterogenität, weil ich davon überzeugt bin, dass sie langfristig erfolgreicher ist. Erfolgreicher im Sinne von besser fürs Gefühl, fürs Miteinander, für die Gesellschaft und ja, letztlich auch fürs Geschäft. Andererseits finde ich es schade, dass es offenbar einer Quote bedarf, dass sich mal was bewegt. Aber wenn es dann etwas nützt … Ein sehr schöner Kommentar von Evi Seibert (SWR) wurde mir dazu in meine Twitter-Timeline getweetet. Dem gibt es nichts hinzuzufügen. (Übrigens: Ich arbeite in einem Unternehmen, in dem von drei Geschäftsführern zwei Frauen sind, eine davon ist CEO.)

Schließlich noch ein Lesetipp, der mich auch über Twitter erreichte und so herrlich zu meinem Fußball-Fan-Dasein passt. Die ZEIT hat Nadine Angerer, die Torhüterin der Frauenfußball-Nationalmannschaft, interviewt. Und, wie ich las, bestand es sogar den so genannten Finkbeiner-Test.

Respekt. Und es liest sich einfach nur toll.

* Die Reihenfolge stellt keine Wertung dar.

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