Frauensachen II: Offener Brief an Simona Pfister, FAZ

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Guten Tag, Frau Pfister,

als Leserin der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ werde ich gelegentlich aufmerksam auf Texte aus Ihrer Feder. In den vergangenen drei Monaten erinnere ich mich an genau drei davon, und jeder davon regte ich mich in unterschiedlichem Maße auf. Im einzelnen ging es um ihren Test von Karriere-Ratgebern für Frauen, darum, dass Frauen ihr Weiblich-Sein für ihre Karriere auf unsittliche Art ausnutzen, sowie um eine Frauen-Netzwerk-Veranstaltung, auf der Ihnen offensichtlich am besten der Satz gefiel, dass Frauen nur authentisch zu sein brauchen, dann klappte das schon mit der Karriere.

Grundsätzlich ist es sicher positiv, wenn sich Leser über Beiträge aufregen – nichts ist schlimmer als Gleichgültigkeit. Doch an diesen drei mir wirklich zufällig aufgefallenen Beiträgen sind aus meiner Sicht viele Dinge einfach ärgerlich. Ich begründe sehr gerne, was genau ich an diesen drei Beiträgen so problematisch finde:

Ihre Haltung

Journalisten zeichnet es aus, dass sie an das, worüber sie für eine Tages- oder eben Wochenzeitung berichten, zunächst erst einmal unvoreingenommen herangehen. Neugier nenne ich das, dazu kommt das Bedürfnis, Beobachtetes (!) mitzuteilen und es vielleicht in gewisse Zusammenhänge einzuordnen. Information, Erkenntnisgewinn für den Leser, durchaus auch Unterhaltung, das sind in der Regel die Ziele. So habe ich es während meines Studiums immer wieder gehört und eben gelernt. Ihren Artikeln ist jedoch anzumerken, dass Sie an das, worüber Sie berichten, misstrauisch und voller (Vor-)Urteile herangehen. Karriere-Ratgeber sind doch blöd (oder wie meine Tochter sagen würde: unnötig). Dass Frauen in der Politik es wagen, kurze Röcke zu tragen, obwohl doch jede Frau wüßte, dass die hochrutschten, wenn sie sich hinsetzten, geht für Sie gar nicht. Und Frauen dürfen natürlich nicht alles. Veranstaltungen für Netzwerke für Frauen, die ein Uli Wickert versucht zu fördern, sind per se erstmal öde; dass ein männlicher Diskussionsteilnehmer auch noch sagt, dass er Frauen eben wegen ihres Anders-als-Männer-Sein einstellte und keine Quote brauchte, kommentieren Sie in dem Bericht spöttisch mit „Das kann doch nicht sein.“ Hohn und Häme für eine Veranstaltung, deren Sinn sich Ihnen offensichtlich nicht erschließt. Ein Bericht, in dem Sie Interesse heucheln, um doch nur Ihre vorher bereits feststehende Meinung zu bestätigen – so wirkt es auf mich.

Ihr unsauberes Handwerk

Dieser Punkt ergibt sich im Grunde aus dem ersten. Ich bin eine große Freundin der Trennung von Nachricht und Meinung. Das macht es dem Leser leichter, sich zu orientieren. Dann kann er sich selbst einfacher eine Meinung bilden, denn er weiß: Hier wird das abgebildet, was beobachtet wurde, hier lassen sich auch viele Dinge nachprüfen: Ja, das war so, nein, das hat der oder die anders gesagt (natürlich ist das auch immer durch die Auswahl dessen, was aufgeschrieben wird, subjektiv gefärbt). In einem Meinungsbeitrag weiß der Leser ebenso, woran er ist. Darin geht es darum zu erfahren, wie der Autor über eine Sache/Situation/Person denkt.

Wenn Sie, liebe Frau Pfister, also der Meinung sind, dass Frauen nicht alles dürfen, dann sagen Sie das einfach in einem Kommentar. Toll wäre es, wenn Sie Ihre Meinung begründeten. Wenn Sie der Ansicht sind, dass Frauen-Netzwerke oder die Treffen dazu öde sind, schreiben Sie einen Kommentar und sagen Sie, warum Sie das so sehen. Wenn Sie finden, dass Karriere-Ratgeber doof sind, dann kennzeichnen Sie das als Ihre Meinung. Vielleicht fallen Ihnen dann nicht nur stereotype Aussagen ein, und vielleicht findet sich für Ihr Urteil mehr Empirie als zwei Bücher, die Sie im Selbsttest versuchten auf ihre Tauglichkeit hin zu überprüfen.

Es ist unschwer zu erkennen, dass ich Ihre Ansichten, die Sie in den drei ausgewählten Beiträgen zum Ausdruck brachten, nicht teile. Ich habe mich durchaus angegriffen gefühlt von Ihrem Beitrag unter der Überschrift „Schüttel‘ Deinen Speck“, weil Sie einer Gesellschaft das Wort reden, die viele Frauen angetreten sind, im Sinne der Gleichberechtigung zu verändern. Ich möchte mir als Frau von keinem Mann vorschreiben lassen, wie ich mich zu verhalten habe. Wenn es Männer provoziert, dass Frauen schöne Beine haben, und diese eben jene auch zeigen, dann ist das ganz klar das Problem der Männer – nicht der Frauen. Wenn Sie sagen:

Und sie [die Frauen in der Politik] machen vor, dass diese Frauen so dumm sind zu glauben, dass sie alles dürfen.

… dann sagt das meiner Meinung nach mehr über Ihre unreflektierte Haltung aus als über das Verhalten der Frauen, die Sie kritisieren. Gerade an einem Tag wie heute, dem Internationalen Tag der Frau, tut es mir besonders weh, dass selbst Frauen es offensichtlich in Ordnung finden, sich danach zu richten, was eine männerdominierte Gesellschaft von ihnen erwartet. Ich dachte einfach, und das ist zugegebenermaßen wohl naiv und damit selbstverständlich mein Problem, dass wir in Sachen Frauen schon weiter wären.

Ich wünsche mir eine unvoreingenommene Berichterstattung, eine durch Recherche und Reflexion geprägte Einordnung der Dinge sowie eine begründete Darstellung Ihrer Meinung – welche auch immer das ist. Ich würde sie vielleicht auch mit Erklärung nicht teilen, aber immer respektieren und akzeptieren.

Freundlich grüßt Sie
MrsCgn

(Wenn Sie, Frau Pfister, etwas dazu sagen möchten: Sehr gerne hier oder per Mail, die ich selbstverständlich mit Klarnamen beantworten würde.)

 

 

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