Ich will Kampf aufm Platz – nicht daneben

Vor kurzem habe ich mich hier intensiv damit beschäftigt, was aus den Idealen der Mitglieder-Initiative HSVplus beim Hamburger Sport-Verein geworden ist. Der Blogpost wurde eifrig geteilt und oft angeklickt, indes: Die Auseinandersetzung damit fand anderswo statt, noch dazu auf eine für mich kaum nachvollziehbare Art und Weise. Kaum jemand machte sich offensichtlich die Mühe, inhaltlich einzusteigen. Denn was gesehen wurde, war folgendes:

  • Ich nenne Karl Gernandt, seines Zeichen AR-Vorsitzender der HSV Fußball-AG, eitel. Was für eine Beleidigung. Dabei lässt sich das an vielen Stellen sehr gut belegen, man erinnere sich nur daran, dass er bei der Abstimmung zu HSVplus bewusst Rieckhoffs Nähe sucht, weil er wusste, dass die Kamera gleich auf eben jenen gerichtet sein würde. Ich bin fest davon überzeugt, dass Gernandt eine gewisse Eitelkeit sogar zugäbe, würde ich ihn direkt darauf ansprechen – in seinem Job muss man das sicherlich auch irgendwie sein. Ich meine nur, dass er es übertreibt, zum Nachteil des Vereins – und zu dieser Meinung stehe ich.
  • Ich verlinke auf den „Miesepeter“ und „Pöbler“ schlechthin, bin also keinen Deut „besser“, sondern gehöre auch in die Ecke zum Schämen: In der tummelt sich neben dem Macher der HSV Arena, der in seinem Blog übrigens bemerkenswert über seine verstörenden Trainingsbeobachtungen  beim HSV schreibt, auch Daniel Jovanov, der sehr differenziert und kenntnisreich über den HSV auf goal.com berichtet. Beiden inhaltlich zuzustimmen, gilt vielen Fans inzwischen als Fauxpas – mir wollte man wegen dieser (inhaltlichen) Nähe bereits „ade“ sagen.
  • Ich sehe alles nur negativ, weil ich in dem Blogpost vier wesentliche Ziele der Initiative auf ihren Bestand hin überprüfte und zu dem Schluss kam, dass nichts von eben jenen übrig geblieben ist: Das Image des HSV ist noch tiefer gerutscht, von Entschuldung redet kein Mensch mehr, von Kompetenz in der Kommunikation schon mal gar keiner.
    Doch wie lässt sich die Aktion des Vorstandsvorsitzenden Dietmar Beiersdorfer erklären, bei der er sich für eine halbe Stunde einer putzigen Twitter-Fragerunde stellte. Neugierig und kommunikativ interessiert, wie ich bin, wüsste ich gerne, welche ausgeklügelte PR-Strategie für social media sich hinter dieser Aktion verbarg – so richtig erkennbar war die nicht.
  • Ich bezeichne den Aktionismus der Führung des HSV u.a. als „von außen getrieben“ und werde dafür auf Facebook (wo ich nicht unterwegs bin) verbal attackiert. Jene, die das tun, haben offensichtlich einen gänzlich anderen Blick auf den HSV bzw. meinen, Erkenntnisse aus dem tiefsten Inneren des Vereins zu haben. Das führt dann dazu, dass nicht mehr auffällt, wie wichtig es dem Verein ist, was sich am besten nach außen verkaufen lässt. Das „Gegenargument“ Knäbel statt großer Name zieht hier mal gar nicht. Wenn man Knäbel nimmt, hätte man auch Zinnbauer im Amt lassen können.
    Man steht beim HSV unter extremem Erfolgsdruck (welcher Verein mit diesem kostenintensiven Kader und der kostenintensiven Struktur würde das nicht); Geduld, die so dringend nötig wäre, kann man sich schlicht nicht leisten. Man hat es mit einem Anteilseigner zu tun, der zum operativen Geschehen eine klare Meinung hat, mit der er nicht hinterm Berg hält, um es vorsichtig zu formulieren. Und man sieht sich in Hamburg einer Medienlandschaft gegenüber, der man über die Jahre hinweg eine Menge Macht zugebilligt hat, die sich leicht belegen lässt. Warum sollten sie diese freiwillig hergeben?

Es tut mir leid, aber auch als glühender Fan gebe ich meinen Verstand (auch bei aller Emotion) nicht am Stadiontor ab, sondern sehe sehr wohl, was sich seit einigen Jahren beim HSV abspielt. Andere nennen das absolut richtig Realist-Sein, der Sascha Rebiger spricht mir an dieser Stelle wirklich aus der Seele. Mir tut das genauso weh wie jenen Durchhalten-jetzt-erst-recht-Sprüche-klopfenden Fans. Es ist jedoch kein Grund, schon wieder mit dieser bekloppten „wir-hier-ihr-da“-Haltung anzufangen. Ich respektiere und akzeptiere die Haltung, bis zum Schluss an den Klassenerhalt zu glauben, denn ganz formal betrachtet ist auch noch alles drin. Und völlig zu Recht sagt mir auch ein Trapper immer wieder, dass frühzeitiges Aufgeben für Sportler keine Option ist – sagen wir besser: keine Option sein sollte. Allein: Diesmal fehlt mir eben dieser Glaube, dieses Vertrauen, dieses Gefühl, dass das gut geht. Ich spüre weder bei der Vereinsführung, noch bei den Spielern auf dem Platz diesen unbedingten Willen zum Kampf und zur Leidenschaft in dem, was sie tun. Im Reden sind alle ganz groß (das ist alles jahrelange Übung, schon klar), doch wenn es ums Tun, ums Spielen geht, kommen Zweifel daran auf, ob da Profis am Werk sind. Dazu gibt es  hier von Sebastian (11:06 Uhr) einen interessanten Kommentar.

Will sagen: Der HSV ist noch nicht abgestiegen. Wir Fans dürfen selbstverständlich an den Klassenerhalt glauben. Wir Fans dürfen uns aber auch damit auseinandersetzen, dass das eben eventuell nicht gelingt – ich halte das aus! Wir bleiben trotz allem Fan ein- und desselben Vereins. Es wäre toll, wenn wir uns darauf einigen könnten.

 

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2 Kommentare Gib deinen ab

  1. muscomatik sagt:

    Ich bin ganz bei Dir, auch mir fehlt diesmal der Glaube. Hinzu kommt, dass ich eine über alle Ebenen laufende Konzeptlosigkeit wahrnehme: Das Gequatsche und Gemache um Tuchel, das Berücksichtigen – nicht Berücksichtigen von Kacar, Illesevic etc, der Trainingsbericht von Grave, die Spielweise in den letzten Spielen, die Einkaufspolitik im Winter, etc etc.

    Ich wiederhole mich: Es ist zum Fürchten was beim HSV derzeit abgeht.

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    1. mrscgn sagt:

      Danke Dir. Es bleibt nur die Mathematik: Der HSV hat alles noch in der eigenen Hand. Hoffen wir, dass die Spieler das Wissen und umsetzen können.

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