Lesen statt schreiben – interessante Links

Vor kurzem zitierte ich in einem meiner Blogposts aus einem Interview mit Hannah Arendt, die darin sagte, nur deshalb zu schreiben, um zu behalten, woran sie einmal gedacht hatte. Ich halte hier gelegentlich fest, welche Themen mich fesselten und welche Texte ich dazu besonders interessiert gelesen habe. Heute wieder ein kleine Auswahl.

Was Frauen bewegt und Männer bewegen sollte

Zur Frage, ob Feministinnen denn „sonst“ keine Probleme hätten: Pointiert auf den Punkt gebracht von Margarte Stokowski:
Hier, bitte, meine Problemliste

Einen ganz großartigen Text schrieb die Bloggerin Juramama, der sich thematisch nur schwer zusammenfassen lässt, weil er ein Rundumschlag ist: Es geht um den richtigen Sex (wir Frauen müssen darauf achten, dass die Brüste richtig zur Geltung kommen) sowie um den Kita-Streik, auch wenn das eigentlich zu kurz gegriffen ist. Denn: Juramama macht daraus eine Gesellschaftskritik par excellence. Ein absoluter Lesebefehl mit versprochenem Lesevergnügen:
Kleine Brüste sollten auf dem Rücken liegen – Ich rette Deutschland!

Das Selbstbewusstsein der Frauen wirft natürlich auch Fragen bei den Männern auf: Wie soll ich als Mann sein? Wie kann ich Vater sein? Wie bringe ich es zusammen, ein cooler Typ und gleichzeitig treusorgender Papi zu sein? Das scheint alles nicht gleichzeitig so reibungslos zu funktionieren (komisch, dass wir Frauen von uns selbst das immer so erwarten), sagt jedenfalls Sascha Schmidt, Karriere-Coach, gegenüber der SZ. Auch Männer plagen Ängste. Obwohl das Interview selbst sehr differenziert ist, bedaure ich ein wenig, dass die Headline alte Stereotype bedient. Männer sorgen sich weniger um ihre Beziehungen oder um ihr Papa-Dasein, sondern – na klar, um ihre Karriere.
„Männer haben Angst vor dem Karriereeinbruch“

Von wegen Sommerpause: Was den Fußballfan bewegt

Zum Thema Fußball liest man außer Spielberichten und vereinsgebundenen Blogs, die übrigens häufig mehr Substanz bieten als klassische Sport-Medien, wenig zu großen, sprich vereinsübergreifenden, Zusammenhängen. Eine wohltuende Ausnahme ist die Seite http://www.gegendenball.com Ich fand jüngst einen wirklich tollen Beitrag zur Frage, ob das Erreichte zählt oder das Erzählte reicht (was ja an sich schon mal eine sensationelle sprachliche Verdichtung dessen, was da kommt, ist). Der Autor rechnet darin auf eine tolle Art mit der medientypischen Berichterstattung über Bundesligavereine ab und setzt es in Beziehung zu dem, was Fans dann sagen beziehungsweise wie sie sich dann verhalten. Für Fußballfans ist der Beitrag ein Muss:
Zählt das Erreichte oder reicht das Erzählte?

Und wenn man HSV-Fan ist, sollte man auf dieser Seite bleiben, und sich einen Artikel von vor zwei Jahren gönnen. Ebenso klasse formuliert und vor allem deshalb lesenswert, weil er mal nicht die Fan-Sicht zeigt (so wie das hier bei mir ja der Fall ist, sein muss). Gefühltes Versagen – Der HSV, seine Fans und die Medien

Wer als HSVer noch nicht genug von der vergangenen Saison hat, kann in mehrere Teilen eine Analyse nachlesen, die zumindest nach den ersten beiden Teilen Appetit auf weitere Texte machen (Blog von „Heluecht*“, ein Fan und Begleiter der Zwoten, also von HSVII). Ich finde die Beiträge streckenweise redundant, aber sie sind sehr sachlich und versuchen, den Ursachen der desaströsen Auftritte des HSV auf den Grund zu gehen.
Die verpasste Chance (Teil 1: Einleitung)

* Für den des Plattdeutschen nicht Mächtigen: He luecht = er lügt 🙂

Was die Internet-Community bewegt

Für ein Thema sorgten jüngst auch die Krautreporter, die jetzt um feste (statt Probier-)Abos werben. Ich hatte mich hier ja bereits vor dem Start kritisch mit der Idee, „den Online-Journalismus zu retten“ auseinandergesetzt – im Grunde sind die Bedenken komplett bestätigt worden. Bekannte Autoren nutzten es als Zweitverwertung, inzwischen sind sogar bekannte Zugpferde weg. Wenn so die Rettung des Online-Journalismus aussieht, na bravo. Meine These war und ist nach wie vor: Der Online-Journalismus ist nicht so schlecht, wie viele ihn machen. Man muss nur bereit sein, ihn zu suchen und zu finden. Abgesehen davon meine ich, dass Blogs einen immer größeren Stellenwert im Rezeptionsverhalten spielen werden. Selbst als eine, die noch klassisch in print ausgebildet wurde, begrüsse ich das außerordentlich. Hier zwei lesenswerte Kritiken der Krautreporter, eine ist von Christian Jakubetz, die andere kommt von Thomas Knüwer:
Krautreporter: In der Ernüchterungszelle
One does not simply criticise Krautreporter

In dem Zusammenhang ist vielleicht auch ein kleiner Text aus dem Blog des BR24 ganz interessant:
Was wir alles nicht übers Netz wissen

Richtig erstaunt hat mich ein Text eines 17-Jährigen. Er erklärt in einem bemerkenswerten Text, warum er Facebook doof findet – und zwar nicht nur deshalb, weil dort auch seine Eltern sind. Lesenswert! (Ich selbst bin nicht auf Facebook und werde es auch nie sein. Sollte Facebook also bedeutungsärmer werden, nehme ich das wohlwollend zu Kenntnis.)
Geh sterben, Facebook!

Und wer sich richtig tief ins Netz, und hier im speziellen in Social Media vergraben will, dem sei der Text von Chris empfohlen, der sich intensivst und sehr kritisch mit Twitter auseinandergesetzt. Ich lese da immer wieder mal rein:
What Twitter can be

Da war doch noch was

Natürlich beschäftigte mich in den vergangenen Tagen mit den Bundesjugendspielen ein weiteres Thema. Es macht mich wirklich ein bisschen traurig, wie entschlossen eine große Gruppe von Eltern (vor allem Mütter) tatsächlich ist, diese nette Tradition abzuschaffen. Zumindest die Pflicht zur Teilnahme dazu. Ich kann nicht verstehen, wie man in so einem harmlosen Wettbewerbchen, über das man hinterher gemeinsam lacht, eine „institutionalisierte Demütigung“ sehen kann.
Ich habe jedoch außer stimmigen Kommentaren unter den zahlreichen Interviews, die Christine Finke gegeben hat, keine weiteren substanziellen Beiträge gefunden. Der hier folgende zählt eigentlich auch nicht dazu, aber bringt pointiert und gezielt übertrieben zum Ausdruck (ich halte Christine nicht für eine Helikoptermama, aber sie erweckt mit ihrem Verhalten derzeit genau diesen Eindruck), was sicher viele gedacht haben, als sie die Petition gesehen haben.  „Achim Achilles“ von SPON findet zehn Gründe dafür, dass die Bundesjugendspiele ein schützenswertes Kulturgut sind.
Debatte um Bundesjugendspiele: Der Wettkampf muss bleiben

 

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