Haltung bewahren.

Vor kurzem war ich einer betrieblichen Zusammenkunft, auf der unsere CEO einen sehr wichtigen Satz sagte:

Wir sind keine Arschlöcher.

Das ist insofern bedeutend, weil mir (und sicher nicht nur mir) doch ab und zu mal welche begegnen und es mir manchmal sehr schwerfällt, nicht als ein ebensolches darauf zu reagieren. Die Gründe für dieses Problem sind vielfältig: Ich bin eine sehr ehrliche Haut. Mir sieht man an, wenn mir etwas nicht passt, wenn ich wütend werde, mich angegriffen fühle. Und es kommt noch schlimmer: Vor wenigen Tagen erfuhr ich durch eine Person über das Verhalten einer ganz anderen Person. Dieses schlug mir so dermaßen auf den Magen, dass ich mich übergeben musste. Auf der Büro-Toilette. Das ist mir in meinem Leben noch nicht so häufig passiert, aber es erklärt den Ausspruch „etwas zum Kotzen zu finden“ trefflich.

Der Anlässe, es zumindst im Ansatz so zu fühlen, gibt es viele. Wenn ich sehe, was mit meinem Herzensverein passiert (Mitgliederinitiative vergessend, Geld zum Fenster rausschmeißend, sich nur noch selbst bedienend), könnte ich … Wenn ich beobachte, dass so eine unnötige Petition zur Abschaffung eines sportlichen Wettbewerbs medial mehr Aufmerksamkeit erhält als der viel bedeutendere Pflegestreik, könnte ich … Wenn ich merke, dass Menschen an entscheidenden Stellen ihrer (politischen) Verantwortung nicht gerecht werden und Menschen dafür leiden lassen, könnte ich … Wenn mir Menschen begegnen, die sich viel wichtiger nehmen als die Sache, für die sie eigentlich verantwortlich sind, und glauben, von dieser Position es immer besser zu wissen als andere, könnte ich …

Wer die richtige Einstellung hat, den kann nichts und niemand aufhalten. Wer die falsche Einstellung hat, dem kann nichts und niemand helfen. (Thomas Jefferson)

Doch wie damit umgehen? Mein Mantra heißt, auch wenn es viel Kraft kostet: Haltung bewahren. Hinspüren, worüber da gerade eine Aussage getroffen wird. Bin ich persönlich betroffen? Sagt da jemand etwas über mich und die Beziehung zu mir? Oder sagt da jemand etwas über sich? Diese Analyse hilft mir ein wenig, meine eigene Haltung dazu zu definieren. Die heißt nicht, es einfach alles hinzunehmen, wenn es gerade nichts mit mir persönlich zu tun hat, sondern eben – so gut das geht – angemessen zu reagieren.

  • Ich suche mir Informationen zusammen und bilde mir anschließend, durchaus auch im Gespräch mit anderen, eine Meinung, die ich dann auch unerbrittlich vertrete, jedoch nicht, ohne anderen eine andere Meinung zuzugestehen.
  • Ich versuche, gegen das, was ich für falsch halte, zu argumentieren statt zu polemisieren – ein Balance-Akt, der oftmals sehr schwierig ist.
  • Im Job gilt es, intern eine Haltung einzunehmen, wenn von außen Unheil droht. Dass dies derzeit in meinem Umfeld gelingt, empfinde ich als wohltuend, bereichernd, stark. Diese Haltung ist umso wichtiger, da es immer wieder Momente und Menschen geben wird, die einem das Gefühl geben, dass es jemand nicht gut mit einem meint.
  • Im privaten Bereich haben „Arschlöcher“ nichts verloren und werden aus dem eigenen „Orbit“ gekickt. Gnadenlos. Für alles andere ist die Zeit zu schade. Und wenn sie dort nicht mehr sind, löst deren Verhalten nichts mehr aus. Mein Lieblingsstatement dazu: Das ignorier‘ ich nicht einmal.

Ich möchte nicht mehr durch „Arschlöcher“ einen verkrampften Magen erleiden und mich übergeben müssen, weil ich die so zum Kotzen finde. Ich möchte immer einen Weg finden, sie mit geradem Rücken ertragen und gegebenenfalls angemessen reagieren zu können. Und das bitte, ohne je selbst ein „Arschloch“ zu werden, denn: Das bin nicht ich.

 

Advertisements

Hier ist Platz für Ihre / Deine Gedanken

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s