Sich eigener Erwartungen erwehren

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Urlaub. Endlich. Nachdem ich den halben Sonntag am dienstlichen Rechner verbrachte, habe ich ihn gestern sorgfältig eingepackt, meine Unterlagen sehr ordentlich sortiert, zusammengeheftet und ebenfalls in die Tasche geräumt. Es fühlte sich wie ein Akt der Befreiung an. Ich habe zwei Tage nur für mich, und doch fällt es echt schwer, einfach loszulassen und einfach mal faul zu sein.  Immer meine ich, irgendetwas tun zu müssen. Symbolisch steht dieser Wortwechsel dafür.

M: Mach nur das, was Du wirklich wichtig findest.
Ich: Okay, also mach ich alles.

Denn: Ich finde alles wichtig. Ich finde es wichtig, bestimmte Schränke aus- und wieder einzuräumen, weil dafür sonst irgendwie nie Zeit ist. Ich finde es wichtig, die Wäsche komplett fertig zu haben, weil ich morgen genauso wenig Lust habe, die zu erledigen. Ich finde es wichtig, meinen Schreibtisch blitzeblank zu haben, weil ich Schiss habe, etwas Wichtiges zu übersehen (so ne doofe Rechnung zum Beispiel). Ich finde es wichtig, dass alle Zeitungen gelesen und entsorgt werden, weil mich a) interessiert, was drinsteht, und b) es mich nervt, wenn sie zerfleddert rumliegen. Ich finde es wichtig, mich entspannt in die Wanne zu legen und zig Cremes sonstwohin zu schmieren, weil man das ja so macht, wenn man Zeit hat. Die Katzen verlangen ihr Recht, die Mail der Tante will beantwortet werden, die Betten brauchen frische Bezüge, das Geschirr will gespült sein – und so nebenbei schreibe ich auf, was am nächsten Tag noch alles zu tun ist.

Das alles hat wenig mit äußerem Druck oder einem Selbstoptimierungswahn zu tun, sondern einfach mit dieser völlig bescheuerten (und sehr unwillkommenen) Ansicht, dass es nicht geht, einfach mal gar nichts zu tun. Irgendwas ist immer. Meine Güte.

Meine Mutter hat für solche Situationen immer einen lustigen Spruch: Diese Sauerei muss eine andere werden. Also mach ich mir jetzt einfach den Spaß und zähle auf, was ich jetzt einfach mal sein lasse:

  • Die Kinderzimmer bedürfen dringend einer neuen Grundordnung, beim Wegschmeißen von Krimskrams bin ich Weltmeister. Aber die Kinder sollen ja was lernen, also werde ich einen kleinen Wettbewerb (huch!) organisieren, wenn sie wieder hier sind. Das wird eine Gaudi!
  • Kinder(spiel)zeuch liegt in der Wohnung verstreut und sollte an seinen Platz. Eine große Tüte, die die Kinder dann wie den Geschenkesack ausräumen dürfen, tut es auch.
  • Das Bücherregal gehört dringend mal neu sortiert – irgendwie finde ich nix mehr. Juul steht neben Olson, das passt nicht so richtig. Das wird zum Projekt an einem richtig fiesen Regentag gemacht, den wir heute definitiv nicht haben.
  • Klamotten für die Altkleidersammlung aussortieren? Ach komm, das passt noch alles und ist noch gut. Erledigt.
  • Und sonst lasse ich das noch so: Fernsehen, Video, Radio.

Siehste, geht doch. Ich mache heute (fast) nur noch Dinge, die ein bisschen Spaß ver- und nur ganz selten meinen Tu-das-endlich-Erwartungen an mich entsprechen. Kaffee trinken zum Beispiel, Jane Austen weiterlesen. Wie würde der geschätzte Herr Martinsen sagen: Dass ich immer erst schimpfen muss …

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