HSV: 1. Liga, ich weiß auch nicht, warum

So langsam gehen mir die Negativ-Superlative aus: Peinlich, peinlicher, HSV. Den Gesängen „Erste Liga, keiner weiß, warum“ hatten wir HSVer nichts entgegenzusetzen. Denn na klar: Wir wissen es auch nicht. Aber der Reihe nach.

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Ich kenne Jena noch aus Kinderzeiten, es ist ein nettes Städtchen, aber im Stadion war ich noch nie. Also auf nach Thüringen. Mit K1. Der FC Carl Zeiss Jena, einst stolzer Verein mit grandiosen Auftritten im Europapokal und seinem Urgestein Eberhard Vogel, spielt derzeit Regionalliga Nordorst (vierte Liga) und trat gestern im DFB-Pokal gegen den HSV an. Wir kamen aus Weimar mit der Bahn und trafen schon im Zug HSV-Fans – aus Erfurt! Überhaupt: Wo kamen die Fans nur alle her? Ingolstadt. Gotha. Halle. Köln. Rendsburg. Wir alle machten uns gut gelaunt auf den Weg zum Stadion. Die Polizisten rund um das Ernst-Abbé-Sportfeld waren durchweg freundlich und wiesen uns den Weg zum Gästeblock, den man kaum so bezeichnen kann. Alles extrem eng und wohl auch überfüllt. Das Stadion noch kleiner als das, was ich bisher so sah, die Zusatztribüne an der Gegengeraden nahm ich als solche gar nicht wahr, aber tatsächlich steht da sonst: nichts! Die Stimmung war gut, das Wetter noch besser.

Was dann jedoch auf dem Platz passierte, oder besser: nicht passierte, ließ schon in den ersten Minuten Schlimmes befürchten. Das sah noch gruseliger aus als gegen Karlsruhe im Hinspiel, da war null Veränderung gegenüber der Vorsaison zu sehen: Jena machte das Spiel, der HSV unsicher, verschlafen, voller Fehler.

Genau so erlebten wir das im Stadion. Keiner wollte den Ball, wer ihn hatte, wusste mit ihm kaum etwas anzufangen. Dazu kamen technische Unzulänglichkeiten bei der Ballannahme. Ich weiß nicht: Ist es normal, dass der Ball dabei so weit wegspringt, dass er nicht mehr zu kontrollieren ist? Jena spielte engagiert und kam zu Möglichkeiten. Der Pfiff zum Freistoß, der dann zum Tor führte, war irgendwie folgerichtig, andere Mittel hatte der HSV ja wohl nicht. Nach dem Pfiff sah ich Adler die Hand heben und drei Finger zeigen. Er wollte wohl eine 3er Mauer. Gesehen hat das scheinbar keiner, stattdessen sperrte man (aus Hinter-Tor-Sicht) eine Gasse frei, die einer Einladung zum Aufs-Tor-Schießen gleich kam. Und so passierte es dann auch. Mit Ansage. Wer jetzt glaubte, dass der HSV aufwachen und endlich mal anfangen würde, Fußball zu spielen, wurde enttäuscht. Im Gästeblock fiel es den beiden Capos mit zunehmender Spieldauer immer schwerer, die Fans zu mobilisieren, neben mir drehten sich sogar welche um. Wir waren alle fassungslos. Daran änderte auch der zwischenzeitliche Ausgleich zum 1:1 wenig, der zum 2:2 ließ dann irgendwie doch Erinnerungen an die Relegation aufkommen. Das (irreguläre) Tor zum 1:1 war von uns aus nicht zu sehen, die Bande war im Weg. Irgendwie konnten es selbst die Spieler nicht so recht glauben. Beim 2:2 war das eindeutiger, doch mehr als ein kleines, völlig unverdientes Strohfeuer war es dann doch nicht. Ich kann es wirklich nur mit diesem Satz zusammenfassen:

Der Auftritt des HSV war an Unvermögen (Arroganz?) nicht zu überbieten. Klassenunterschiede? Habe ich nicht wirklich gesehen. Jena wollte es mehr, hängte sich rein, rannte, ackerte, erzwang die Tore. Der HSV: nichts. Das war nichts. Eine einzige Torchance vielleicht?

Ich weiß gar nicht, wen ich aus dieser Null-Leistung herausnehmen soll. Adler scheint nur ein Schatten vergangener Jahre zu sein. Die Innenverteidigung mit Spahic und Cleber empfand ich persönlich als Katastrophe. Vielleicht erklärt mir irgendwann jemand, was Spahic denn so viel besser kann als ein drei Jahre jüngerer Heiko Westermann. Und bei der Gelegenheit auch, was ein Cleber dem Rajkovic voraus hat. Sakai wirkte auf mich besser als Diekmeier, aber Torgefahr darf man hier nicht erwarten. Neuzugang Ekdal wirkte (verständlicherweise) wie ein Fremdkörper, Holtby erinnert mich an ein großes Kind (es tut mir leid). Das sah übereifrig, aktionistisch aus und brachte in der Regel wenig bis nichts. Ein Spieler, der sich so verhält, hilft seinem Team nicht. Noch übler aus meiner Sicht: Lasogga. Er könne Bälle festmachen, hieß es. Wo? Wann? Ein wetterfühliger Spieler, las ich. Ja großartig, so was geht eben nur beim HSV. Insgesamt standen da elf Leute aufm Platz – eine Mannschaft konnte ich nicht erkennen. So, wie in den vergangenen zwei Jahren auch schon nicht.

https://twitter.com/NicCutter/status/630383801479372800

Neuer Geist in der Mannschaft? Ich frage mich, wie man den beim HSV definiert? Dass man toll zusammen im Wasser plantscht, nachdem man Boote hat kentern lassen? Singen sie gemeinsam „We all live in the yellow submarine“ unter Dusche? Gehen sie zusammen auf den Fischmarkt? Auf dem Platz jedenfalls war dieser Geist nicht, da regierte die Hilf- und Ahnungslosigkeit. Das übertrug sich auch auf den Block. Da ging irgendwie nichts mehr. Außer Pyro, versteht sich. Was für Deppen!

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Interessanterweise war ich beim Abpfiff nicht traurig. Der FCC hat das Spiel völlig verdient gewonnen. Die meisten Fans haben sich auch freundlich verhalten, keine Häme, sondern einfach Sportsgeist. So was geht. Der HSV ist für mich indes zum Abstiegskandidaten Nummer 1 avanciert, und das sage ich völlig emotionslos. Dieser Abstieg wird aus meiner Sicht nötig sein, um dem Verein die Chance zu geben, sich neu zu erfinden – mit Leuten, die sich für den Verein interessieren. Die die Frage, warum der HSV im Profi-Fußball mitspielt, mit Leben füllen können. Die sich vor allem nicht nur für sich selbst, für ihr Leben in HH und für ihr Bankkonto interessieren. All das ist ja offenbar sogar wichtiger als ein Rucksack mit vertraulichen Unterlagen.

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HSV Arena: Genau das hätte nicht passieren dürfen

Zwergenwerke: Alles wie gehabt

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6 Kommentare Gib deinen ab

  1. Kann ich alles nachvollziehen. Die Enttäuschung über die Team“leistung“, das Verhalten einzelner Spieler etc. Aber bitte, bitte hör endlich auf mit diesem – sorry, aber mir fällt beim besten Willen kein milderes Wort ein – Unsinn, dass der Abstieg nötig sei, bzw. dass der Abstieg dem Verein helfen würde, sich neu zu erfinden!
    Nötig oder hilfreich mag der Abstieg ja sein. Aber dann für dich und die, die für ihren verständlichen(!) Frust über seit Jahren andauernde Minus-Darbietungen des Vereins/Mannschaft kein anderes Ventil mehr finden. Frei nach dem Motto: Dann soll’n sie doch endlich absteigen, dann hat wenigstens DER Horror für „mich“ sein Ende. – Menschlich mehr als verständlich, aber für den Verein(!) kann sich nur derjenige den Abstieg wünschen, der

    a.) die Realitäten (nicht nur finanziell) nicht zur Kenntnis nimmt. Damit meine ich, ungeachtet der Frage, ob die finanziellen Einbußen in der 2. Liga aufzufangen wären, dass sich im Abstiegsfall die finanzielle Kluft zur Konkurrenz NOCH WEITER vergrößern würde.

    b.) So, wie der HSV überwiegend in den letzten Spielzeiten und eben auch in Jena gespielt hat – glaubst Du ernsthaft, dass die Mannschaft in der 2. Liga dann plötzlich alles wegfiedelt? Wenn sie sich sogar gegen einen Viertligisten blamiert??! Das ist doch Tagträumerei! Mindestens denkbar wenn nicht gar wahrscheinlich wäre sogar ein Durchmarsch. Nach weiter unten.

    Ich vermute, Du glaubst/hoffst, dass man für die 2. Liga ein neue Mannschaft aufstellen könnte/müsste. Aber mit welchem Geld??? Und WER soll es dann machen? Wo sind denn die Erlöser, die dann das Blatt zum Guten wenden? Wo?!! Das ist doch reine Hoffnung, bwz. Fantasie!

    c.) Schau dir bitte mal die 2. Liga an! Selbst WENN sich neue, kompetente Leute fänden, selbst WENN man das finanziell wuppen könnte und eine neue Truppe auf die Beine brächte – der Wiederaufstieg wäre kein Selbstläufer: Wahrscheinlicher wäre, dass der HSV tatsächlich auf Jahre zur Fahrstuhlmannschaft mutieren würde, oder ganz in den Niederungen der Unterklassigkeit verschwände. Fortuna Düsseldorf, Dynamo Dresden und und und lassen grüßen. DAS sind Folgen eines Abstiegs.

    Den Frust über dieses einmal mehr absolut enttäuschende Spiel teile ich. Aber ich finde es inzwischen mindestens genau so frustrierend, wenn jetzt irrlichternde Erlösungsfantasien a la 2. Liga als Jungbrunnen propagiert werden. Das mag sich für dich richtig anfühlen. Für mich ist und bleibt es absolut falsch und ist – noch einmal sorry! unsachkundig.

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  2. Und weil ich gerade so schön in Fahrt komme: Nehmen wir einmal an, der HSV stiege ab und die nie namentlich konkret benannten „Retter“ übernähmen – was wirst Du sagen, sollten deren Maßnahmen nicht sofort greifen und alles schiene unverändert? Willst Du dann ernsthaft den Abstieg in die 3. Liga als „Lösung“ propagieren???
    Die Wahrheit ist: Nichts wird tatsächlich einfacher in einer unteren Liga. Aber der Weg zurück nach oben, der wird unzweifelhaft immer länger, bzw. irgendwann völlig illusorisch – angesichts der auseinanderdriftenden Finanzen.

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    1. mrscgn sagt:

      Danke für deine Kommentare. Ich bleibe bei meiner Meinung. Und es geht dabei mitnichten um mich, mir wird es zunehmend egal. Der HSV ist ein Sumpf, er gehört trockengelegt. Das betrifft nicht das Sportliche (und hier sehe ich, dass du mich falsch interpretierst), sondern die Administration.

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      1. Den HSV mag man mit einigem Recht als Sumpf sehen, der trockengelegt gehört, obwohl ich das Bild vom Dickschiff, vom Tanker, treffender finde. Aber sei ’s drum.
        Auch ein Sumpf lässt sich nicht „über Nacht“ trockenlegen.
        Meine Güte! Die Saison hat noch nicht einmal richtig begonnen, und Du willst, dass der HSV absteigt? Ernsthaft? Das ist doch absurd!
        Zwar habe ich geglaubt, dass wir gegen Jena weiterkommen, aber es wäre auch dann damit zu rechnen gewesen, dass wir mindestens bis zur Mitte der Hinrunde in der Tabelle unten drin stecken. Und was hätte das dann bewiesen? Das hätte nur dem Boulevard und den üblichen Verdächtigen willkommenen Anlass geliefert, um zu behaupten, dass die beim HSV eh nichts gebacken bekommen. Aber abgerechnet wird nun einmal zum Ende der Saison, nicht vor dem ersten Spieltag! Die Liste der Vereine, die man zur Hinrunde schon als angeblich völlig bundesligauntaugliche Absteiger abgeschrieben hatte, die ist doch inzwischen Kilometer lang! Der zweifellos desaströse Auftritt in Jena beweisst mitnichten, dass „die“ beim HSV keine Ahnung haben. Und warum in der Unterklassigkeit dann die richtige Administration – welche, wer? – zu finden sein sollte, erschließt sich mir ganz und gar nicht. Hier bleibst Du auch jede Begründung schuldig. Der FC vor deiner Haustür sollte dir ein mahnendes Beispiel sein. Ruhe ist doch dort nicht durch den Abstieg eingekehrt. Overath war auch schon vorher da. Ruhe ist jetzt dort, weil Schmattke und Stöger offenbar gute Arbeit leisten. Ergo kommt es auf das Personal an, nicht auf die Unterklassigkeit. Der Abstieg ansich hat dem FC – das ist Fakt! -viele, viele Millionen gekostet. Hätten Schmattke und Stöger die jetzt, sähe die Sache dort möglicherweise sogar noch erfreulicher aus.

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  3. themaxxno1 sagt:

    Dieser unser HSV macht den Fans nur Schande. Jedes Jahr, jeden Monat egal unter welcher Führung (der letzten 5 Jahre), egal ob Hilke, Scheel, Jarchow, Didi das Ding machen – es kommt zu 90% Mist raus.
    Das Spiel im DFB – Mist. Der Umgang mit den Spielern – (soweit als Fan erkennbar) Mist (allein die Story um Demirbay) – das Familien HSV Fest – teuere Getränke, schlecht organisiert -Mist, der Umgang mit der Rucksackgeschichte – Mist, die Pressekonferenz zum Baubeginn des Campus – peinlicher Mist. Wir Fans werden regelmäßig auf allen Ebenen verarscht.

    Es ist eine rote Linie erkennbar: HSV kann aus dem bestehenden Spielern nicht die Qualität rausholen, die sie „eigentlich“ hätten und deswegen kauft man permanent neue Spieler. Und die sind dann nach kurzer Zeit auch wieder auf HSV-Schrott-Spiel-Niveau.

    Wenn man jetzt wirklich jemanden aus Barcelona holt und gleichzeitig einen Demirbay verschenkt ist das nur das normale HSV Gebahren. Der Barce-Typ wird dann vsl mistig spielen und Demirbay bei xyz voll einschlagen.

    Ob wir diesen ganzen Mist nicht mehr erleben müssten wenn HSV unterklassig spielt? Man weiß es nicht, aber mein Vertrauen in Didis Crew ist schwer erschüttert.

    Als HSV Fan fragt man sich: Warum immer nur wir?

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  4. Eldo sagt:

    Schmadtke wollte die Trainerfindungskommission nicht, Wie geil wäre der beim HSV gewesen. Soviel hättehätte Fahrradkette. Und gerade in Köln ist besonders schlimm: Jahreland konnte man hier noch sagen, ach komm, bei Euch ist es ja eh noch schlimmer. Und dann haben die sich zusammengerissen. Beim EFFF Zeh! Und machen geile Arbeit. Holen deutsche Nationalspieler, „die nicht länger auf den HSV warten mochten“. Und alle stehen dahinter. Schicken uneglenkige Strafraumbullen nach Bremen und regen sich nicht weiter auf. Ich hätte es nie egdacht, aber der FC macht mich neidisch. ich hab schon Angst vor dem 1:4 in Köln und was das wieder im Büro und auf dem Hof bedeutet. Kurz: Ich freu mich, dass Du noch kraft hast. ich gebe zu, der Bierregen zu meinen Tränen bei 3 Promille im Bogaloo nach dem Ausgleich ist bis vor Jena ein Motor der Hoffnung gewesen. Schlimm ist, dass der jetzt korrumpiert ist DAS stecken die nicht weg. Meine geopferte Wochenenden für HSV Plus – alles für die Katz, Weiterhin nur ahnungslose Vollpfosten. Neben Lottogewinn ist die Bewerbung als Manager / Sportdirektor / AR beim HSV die realistische Hoffnung, ohne Plan und Ahnung mit Dummgeschwätz Geld zu verdienen. Nun haben es ja aber Profis gemacht. Der Gernandt hat doch wohl Medientraining bekommen? Der kann doch nicht unfähig sein, wenn er Kühnes Laden führt. warum ist er es beim Hahahaha SV? Wie sehr hab ich mich üner Nicolai Müller gefreut. Wie geil war der in Mainz. Wie schlecht ist er in Hamburg. Und das gilt für so viele. Kurz: ich glaube, was sie sagen will, ist, es reicht, das muss aufhören. Lieber wie der FC jahrelang Fahrstuhl, dann hört vielleicht zumindest dieses Dummgechwätz auf und die Häme wird weniger. Ansonsten hast Du recht, ich glaube auch, dass der Abstieg zum Ruin und engültigern Aus führen kann. Dann können wir ja aber alle mit Falke neu anfangen.

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