Schwiegermutter: Die Gefahr, auf die Mutterrolle reduziert zu werden

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Auf Twitter hat die Béa mal wieder eine nette kleine Serie, auch Parade, unbewusst angezettelt und schon viele lesenswerte Beiträge bei anderen angeregt.

Zwei davon habe ich gelesen, auch noch sehr gerne: Sonja, die Mama, die Notizen ins Internet schreibt, hat das hier sehr schön erzählt. Und bei der @inkanina fühlte ich mich ebenfalls durchaus aufgehoben. Warum ich also jetzt auch noch? Klar, weil ich es kann, aber auch, weil ich eigentlich gar keine großen Erwartungen an mich als eventuelle Schwiegermutter habe. Zum einen weiß ich gar nicht, ob ich das überhaupt erlebe: Wer sagt mir, dass meine Mädels mal heiraten? Wer sagt mir, dass ich so alt werde, dass ich das mitbekomme? Wer sagt mir, dass ich dann noch eine so gute Beziehung zu meinen Kindern haben werde? Das sind mir zu viele Unbekannte in einer Gleichung, und Erwartungen aufzubauen, die eben dann zu Enttäuschungen werden, ist dann doch nicht so mein Ding.

Also mal ein anderer Versuch der Annäherung an die Frage nach dem Sein als Schwiegermutter. Auf die Suchabfrage „Schwiegermutter“ sind das hier die ersten Treffer auf Google:

Schwiegermutter

Es fällt auf, dass es bei allen Links irgendwie um Probleme geht. Schwiegermütter sind potenzielle Problembären. Vor allem für die Schwiegertöchter, eigentlich überhaupt nicht für die Schwiegersöhne. Das zeigt sich auch in dem Beitrag, der sich hinter dem zuerst aufgeführten Link aus der ZEIT verbirgt:
http://www.zeit.de/2015/19/schwiegermutter-monster-familie

Es ist ein sehr interessanter Artikel, der leider viele Klischees zu bestätigen scheint. Die Mütter der Mädchen sind in der Regel gute Schwiegermütter und der Gesundheit des Nachwuchses (also der Enkel) zuträglich, die Mütter der Jungs sind es nicht. Was da alles so ins Spiel kommt: einsame Mütter, die nicht loslassen können. Mütter, die ihr Leben den Kindern gewidmet haben und nun Probleme haben, mit dem eigenen Leben ohne die Kinder klarzukommen. Mütter, die sich in einer Konkurrenzsituation wähnen – mit der Schwiegertochter und unter Umständen auch noch mit der Mutter der Schwiegertochter. Mütter, die eben jener auch noch die Nähe zur jungen Familie neiden. Glaubt man dem Inhalt, klagen immerhin ein Fünftel aller Mütter über ihre Schwiegermütter. Das klingt in meinen Ohren realistisch. Und dass in mehr als zehn Prozent aller Scheidungsfälle die Schwiergermutter eine Rolle spielt – wer wollte dem widersprechen?

Auch ich habe mir selbst natürlich nette und aufgeschlossene Schwiegereltern gewünscht, wenn auch keine zweiten Eltern in dem Sinne – ich denke, dafür reichen die eigenen (wenn man sie denn hat). Andere Ideen, Werte, Gedanken können bereichernd sein, gerade, wenn man jung ist und sich als Familie noch den eigenen Platz sucht. Ein Paar kann profitieren durch Input von ganz verschiedenen Seiten, im Grunde ist es egal, woher er kommt, allerdings: Die Eltern sind einem nun mal besonders nah, ihr Wort hat ein anderes Gewicht, weil das eben (in der Regel) schon immer so war. Nur Dank der ihnen von den Kindern (ich möchte sagen: natürlicherweise) zugebilligten Macht, können sie doch schließlich zu dem werden, was sie für manche sind: Schwiergermonster.

Raus aus den Rollenmustern

Was auffällt: Die Mütter der oder des anderen werden sehr oft auf ihr Dasein als Mütter reduziert, nicht selten von ihnen selbst. Sie sind eigentlich kaum einfach nur eine Frau mit ganz normalen Bedürfnissen, eine Ehefrau vielleicht sogar. Oder auch noch das Kind der eigenen Mutter. Und wenn ich die Berichte der Muttis von heute so lese, so ist auch ganz häufig davon die Rede, dass Schwiegermama zu sein heißt, vor allem weiter Mutter zu sein, und Großmutter (ich sage bewusst nicht: Oma!) noch obendrauf. Immer nur: Mutter!

Mir behagt der Gedanke überhaupt nicht, ständig in der Mütterrolle zu sein. Denn: Ich werde auch in 10, 15 oder auch 20 Jahren immer noch ich sein: eine Frau! Und zwar eine, die noch andere Dinge im Kopf hat außer ihren Kindern und ihrer Familie. Eine Frau, die sich für viele Dinge interessiert, neugierig ist und in der Lage ist, sich eine Meinung zu bilden, sie aber auch zu hinterfragen. Eine Frau, die gerne und engagiert ihren Beruf ausübt. Das alles hört doch nicht auf, wenn die Kinder verheiratet sind und vielleicht eigene Familien haben.

So könnte die Frage an mich also einfach lauten: Wie möchtest Du sein, wenn Du zum Beispiel 65 oder 70 Jahre alt bist? Schwiegermutter zu sein, wäre nur ein klitzekleiner (für mich übrigens ziemlich unwichtiger) Teil davon, denn in erster Linie wäre ich – genau, immer noch eine Frau! Ich möchte auch im höheren Alter noch mein Hobby pflegen und Fußball gucken, ich möchte weiterhin Auto fahren (wo ich darf, auch gerne schnell, dann vielleicht wieder in einem GTI), ich möchte vielleicht an einem ganz anderen Ort als heute leben. Eventuell sogar in einem anderen Land. Und wenn das bedeutete, als Mutter oder Schwiegermutter nur eine winzige Rolle zu haben, dann wäre das eben so. Enkel zu haben, empfände ich als Privileg, nicht als Aufgabe.

Aus diesem Grund verwende ich keinen Gedanken daran, wie ich eventuell als Schwiegermutter mal sein würde oder gerne wäre. Das wird sich finden, sollte es einmal so weit sein. Daher, liebe Misses, die Du das in 20 Jahren mal liest: Bleib einfach ganz Du selbst, freundlich, höflich, zugewandt, mitfühlend und vor allem, wenn es mal sein muss, unerbrittlich.

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