Der HSV in Sachen BILD: mutlos, haltungslos, würdelos

Mein HSV hat sich dazu entschieden, die seltsame Aktion der BILD mit dem Aufnäher pro Refugees mitzumachen:

Ich bin sehr traurig darüber, vor allem, da es wirklich tolle Vorbilder gibt, die zeigen, dass es auch anders geht. Insgesamt fünf Vereine – interessanterweise alle aus der zweiten Bundesliga – haben sich dagegen entschieden, diesen Button zu tragen, sie zeigen ihre Solidarität und Hilfsbereitschaft auf andere, aus meiner Sicht ehrlichere Weise: FC St. Pauli, 1. FC Nürnberg, SC Freiburg, VfL Bochum und FC Union Berlin. Es hätte mich sehr stolz gemacht, wenn der HSV der erste Verein der ersten Bundesliga gewesen wäre, der sich dem angeschlossen hätte. Aber ich erwarte da wohl zu viel.

Warum die Aktion des Boulevardblatts mit einer verkauften Auflage von 2,22 Millionen, die im Laufe der vergangenen Jahre stetig gesunken ist, so heuchlerisch und damit aus meiner Sicht abzulehnen ist, hat „Schwarzgelb“ in einem Blogpost sehr treffend zusammengetragen. Und auch effzeh.com, das Fanzine des 1. FC Köln, hat deutliche Worte gefunden. Ich unterschreibe das alles. Eben auch deswegen:

Ich habe viele Gründe, warum ich diese Aktion der BILD ablehne, allen voran eine sehr ethisch-moralische, die für mich wieder einmal belegt, dass dort in der Mehrzahl keine Journalisten, sondern eben Schreiberlinge arbeiten, denn: Ein Journalist macht sich mit keiner Sache gemein, auch nicht mit einer guten. Als Zeitung hätte die BILD ganz andere, aus meiner Sicht viel bessere Möglichkeiten, wirklich zu helfen: Der Aktionen, über die berichtet werden könnte (was motivierend wäre), gibt es viele. Aber: Hier geht es ja auch gar nicht um die Flüchtlinge, es geht um die BILD. Um nichts anderes. Merkt das eigentlich keiner der Bundesligavereine?

Und falls es noch eine Chance gibt, dass es sich mein Verein, der HSV anders überlegt, helfe ich gerne mit Argumenten nach. Es lohnt sich durchaus, eine eigene Meinung zu haben und sie auch öffentlich zu vertreten:

  1. Wer wirklich helfen will, braucht keinen Badge, da hat der @nedfuller Recht.
  2. Kein Bundesliga-Verein braucht die BILD. Die Zeitung schreibt die Stadien weder voll, noch leer, so wie es doch tatsächlich noch einige Unverbesserliche beim HSV glauben. Sie tut es nicht. Punkt.
  3. Die BILD hat nur die Macht, die wir ihr durch das Lesen dieses ärmlichen Blattes geben. Knapp drei Millionen Leser sind doch ein Klacks gegen die mehr als 70 Millionen, die es nicht lesen.
  4. Der HSV ist immer noch ein Verein und hält die Mehrheit an der Fußball AG. Als solcher hat er also die Macht, der AG klar zu sagen, dass der HSV nicht für Heuchelei steht. Der Supporters Club hat sich entsprechend positioniert. Also nimm diese Macht wahr, verehrter Aufsichtsrat Meier!
  5. Als Verein mit mehr als 70.000 Mitgliedern und Fans in ganz Deutschland und darüber hinaus hat der HSV eine Strahlkraft, die er für gute und sinnvolle Anliegen einsetzen kann – er braucht dazu keine Zeitung, die wichtige Themen ständig für die eigene PR nutzt.
  6. Das Anliegen, Flüchtlingen zu helfen (und zwar ganz praktisch) ist viel zu wichtig, als dass man es Medien, die mehr an sich selbst (bzw. Chefredakteuren, die ausschließlich an sich selbst) interessiert sind, überlassen sollte.
  7. Gemeinsam stark sein – mit den eigenen Fans, aber auch mit jenen der anderen Clubs, die sich gegen die BILD stellen. Welch großes Zeichen wäre es, würde die Bundesliga der BILD mal zeigen, wie es geht! Wie Zusammenhalt geht. Wie Solidarität wirklich geht.
  8. Weil es um eigene Werte geht: Jeder Verein gibt sich einen Kodex, einen Kanon von Wertvorstellungen, die gelebt werden. Jetzt ist die Chance da, eine davon zu demonstrieren. Nämlich die, Haltung zu zeigen, wenn es nötig ist. Eine Haltung, die besagt, dass es um die gute Sache, nicht um PR geht.
  9. Weil Du es (eigentlich) kannst, lieber HSV! Weil Du ein stolzer Verein bist, der selbst bestimmt, was er tut und wie er es kommunziert.
  10. Unabhängigkeit: Diese völlig am Ziel vorbeigehende Aktion nicht zu unterstützen signalisierte Unabhängigkeit davon, was die BILD macht. Es geht eben nicht darum, es sich mit irgendjemandem zu verscherzen. Es geht um die Flüchtlinge!

Ich kann es nur wiederholen, auch wenn es sehr wahrscheinlich nichts nützt #BILDnotwelcome:

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6 Kommentare Gib deinen ab

  1. Das dies mal passieren würde: Ich bin komplett anderer Meinung als du. Hier werden zwei Dinge vermischt: Die generelle Ablehnung von BILD als zynisches, selbstgerechtes Massenmedium und die Flüchtlingsproblematik. Die BILD-Zeitung hat in Sachen Flüchtlinge von vornherein und sehr deutlich eine klare Linie gefahren, die mir sympathisch ist. Und wenn ich so die Kommentare von Fußballfans lese, bspw. zu der HSV-Spendenaktion, dann ist es notwendig und richtig, öffentlich und gemeinsam Stellung zu beziehen. Den einen, alten Kampf mit dem neuen zu verquicken ist unsauber

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    1. mrscgn sagt:

      Du gibst die Antwort selbst: Das eine mit dem anderen zu verquicken, ist unsauber. Denn das macht die BILD. Es ist plumpe Eigen-PR, nichts anderes. Schau mal in den Beitrag von effzeh.com.
      Abgesehen davon: Es ist nicht Aufgabe der Medien, selbst zum Akteur zu werden, damit verfehlen sie klar ihren Auftrag.
      Wenn du Flüchtlingen helfen möchtest, geht das besser ohne die BILD. Davon bin ich überzeugt.

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  2. Hessenloewe Willy sagt:

    Moin. Ich stehe auch für ein „BILD not welcome“. Und ich sehe gerade dieses Blatt mehr denn je als Auslöser manch einer schmutzigen Diskussion, bezüglich des Umgangs mit Flüchtlingen. Ist es nicht die BILD, die mit Zahlen um sich wirft, die schon auf der ersten Seite Bilder von angeblich randalierenden Flüchtlingen veröffentlicht? Heizt nicht die BILD durch ihre „Sensationslust“ die negative Stimmung an? Ich empfinde die Berichterstattung der BILD als Steigbügelhalter für „braunes Gedankengut“. Und dann kommt ein Herr Diekmann her und will dem „FC St. Pauli“, ausgerechnet diesem Verein, der ein Musterbeispiel für „links“ abgibt, ab die Karre fahren. Chapeau den Vereinen, die sich nicht von BILD als Werkzeug benutzen lassen. Ich hoffe morgen auf Reaktionen in der „Nord“, die der „Süd“ in Dortmund ähneln.

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  3. Holger Harms sagt:

    Einfach nur enttäuscht vom HSV!!!!!!

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  4. @MrsCgn Volle Zustimmung!
    @Christian Farwig Die BLÖD fährt immer nur eine Linie und das ist die eigene. Die Gegenstände ihrer jeweiligen Kampagnen sind letztlich beliebig. Hauptsache, es erzeugt Aufmerksamkeit. Nicht für den Gegenstand sondern für BLÖD. Wer z.B. systematisch gegen Griechen hetzt, der hat längst jede Glaubwürdigkeit auch bei einem ansich ehrenwerten Anliegen verwirkt.

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  5. ️egal für immer nur der HSV!!!

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