Auf der Suche nach dem 30-Stunden-Tag …

Ich trage heute Eulen nach Athen. Nahezu jede Mutter wünscht sich einen Tag, der mehr als 24 Stunden hat, um all das zu bewältigen, was sie gerne schaffen möchte. Nun sind meine Kinder aus dem Alter raus, da sie Betreuung brauchen, sie sind sehr selbständig und machen ihr Ding. Was bleibt, bin ich. Darum geht es jetzt. Um mein Dasein. Bis gestern bestand das mindestens zwei Wochen lang im wesentlichen nur aus schlafen, arbeiten, wenig und ungesund essen. Ich habe sieben Tage hintereinander gearbeitet, im Schnitt 12 Stunden täglich. Es fehlt dann irgendwie der Drive für die einfachsten Dinge wie telefonieren, einkaufen, Post durchschauen und Arztrechnungen bezahlen. Von Zeitunglesen reden wir erst gar nicht. Wäre in den vergangenen sieben Tagen die Welt untergegangen – ich hätte es nicht mitbekommen. Gestern sah ich um 17 Uhr auf die Uhr, beim nächsten Mal war es halb 11. Im Büro.

Das Verrückte daran: Auch wenn die Arbeitszeiten außergewöhnlich (und hoffentlich wirklich nur die Ausnahme) sind, macht mir das, was ich tue, was ich gemeinsam mit meinen Kollegen tue, wirklich Spaß. Natürlich rege ich mich über verschiedene Detailfragen auf, aber letztlich ist diese Arbeit das, was ich kann. Worin ich gut bin. Es ist erstaunlich, wie befriedigend das sein kann. Es geht mir gut dabei, obwohl ich die Erschöpfung wahrnehme.

Ich will alles sofort – was für eine Illusion

Nicht minder nehme ich wahr: Es geht nicht alles gleichzeitig. Ich kann nicht vollsten Einsatz im Job und zu Hause zeigen. Die Kraft ist endlich. Und die Kinder schon im Bett, wenn ich um 22 Uhr oder noch später aus dem Büro komme. Dann noch am echten Leben teilzunehmen mit Abendessen, Reden, Spielen, Aufräumen, ein bisschen Wäsche falten … ist einfach nicht mehr drin. Ich plumse auf die Couch und lass mir etwas zu trinken geben. Ich lese noch ein bisschen Nachrichten nach, rede noch mit dem Mann, was auch länger klappt, dann ist es auch schon Bett-geh-Zeit. Manchmal fällt das Lesen schwer, die Worte verschwimmen. Gelegentlich hapert es an der Konzentration: Was hast Du gerade gesagt?

Es wäre so schön, hätte der Tag mehr als 24 Stunden und ich mehr Kraft als eben für die 18 Stunden, die ich wach bin. Es gäbe so viel, das ich auch gerne täte, an dem ich Freude hätte, was mir Befriedigung verschaffte. Mal wieder ein Buch lesen, 3-Stunden-Telefonate mit jemandem aus Berlin führen, schwimmen gehen, Monopoly mit K2 spielen, Shoppen gehen mit K1 (sie mag auch so gerne Schuhe wie ich) … Das alles war in den vergangenen Wochen einfach nicht drin.

Phasenreiches Leben

Ich erinnere mich derzeit oft an den Spruch, den ich als Müttermantra kennenlernte, als K1 noch ganz klein war. Ich verzeifelte ja an fast allem, was sich bei der kleinen Maus änderte, und das passierte in recht kurzen Zeitabständen. Erfahrene Muttis sagten da zu mir: Es ist alles eine Phase. Es gibt keine Garantie, dass es besser wird, aber eine dafür, dass es anders wird. Was soll ich sagen: Mit Bezug auf die Kinder hat sich das als völlig richtig herausgestellt. K1 ist mitten in der Pubertät, und Eltern mit Kindern in dem Alter werden verstehen, was ich damit meine. Doch es ist unglaublich toll zu sehen, wie sich zwischen die für Eltern sehr herausfordernden Phasen eine mischt, die das Elternherz groß werden lässt:

Auch wenn es im ersten Moment noch einmal deutlich werden ließ, wie intensiv ich weggetaucht war, verschwunden in meiner Arbeitswelt, so kam doch an: Es wird Zeit für eine Veränderung. Ich bin wild entschlossen, dieser interessanten, aber eben auch anstrengenden Phase eine andere folgen zu lassen. Eine, die Raum lässt für Privates, wovon ja letztlich auch das Berufliche profitiert. Eine, die mich am Alltag wieder teilhaben lässt. Eine, die manchmal auch einfach langweilig ist. Eine, die mir zeigt, dass ich nicht nur im Job, sondern auch als Mutter und Ehefrau gut bin sowie vor allem darin, mir selbst außerhalb meines Jobs zu genügen.

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