Ich will, ich mag, ich übernehme Verantwortung

Es scheint die Überschrift meines Lebens zu sein, auch wenn das geschraubt, hochgestochen oder maßlos klingt. Ich finde das Wort toll und schätze das, was dahinter steht. Der Duden erklärt Verantwortung so:

… [mit einer bestimmten Aufgabe, einer bestimmten Stellung verbundene] Verpflichtung, dafür zu sorgen, dass (innerhalb eines bestimmten Rahmens) alles einen möglichst guten Verlauf nimmt, das jeweils Notwendige und Richtige getan wird und möglichst kein Schaden entsteht.

Zunächst: Für mich wirft das mehr Fragen auf als beantwortet: Wer oder was verpflichtet mich hier wozu? Was ist denn ein guter Verlauf? Was ist das Notwendige, was das Richtige? Und wie ist denn bitte Schaden definiert? Passt also irgendwie nicht.

Und dann: Das Netz ist voll von Erklärungen dafür, was es heißt, Verantwortung zu übernehmen, warum das so schwierig ist – und überhaupt. Ich verlinke hier dazu nichts, weil ich die Seriösität der (Schnell-Recherche-)Quellen nicht einschätzen kann, bei diesem Thema landet man schnell bei Motivationstrainern oder anderen Wanna-be-Gurus, deren Thesen ich nicht immer so prickelnd, da manipulierend finde, was für mich dann nichts mehr mit Verantwortung zu tun hat.

Für mich heißt es: zuständig zu sein, es zu meiner Aufgabe zu machen, es als mein „Ding“ zu sehen, für etwas einzustehen. Für mich ist das selbstverständlich, ich finde Verantwortung extrem wichtig: sich selbst gegenüber, seinen Kindern, seinem Partner, seinen Kollegen. Aber ehrlich: Nimmt die jeder an seinem Ort, an dem er sich befindet, wirklich wahr? Mir scheint es, dass es von Zeit und Zeit wichtig ist, einmal daran zu erinnern.

Eine Frage des Charakters

Besonders Eltern werden wissen, was ich meine, wenn ich sage: Väter und Mütter übernehmen ständig und intensiv ganz viel Verantwortung. Das fängt schon morgens an: Wir Eltern fühlen uns zuständig dafür, dass die Kinder aus den Betten kommen, sich die Zähne putzen, frühstücken und Pausenbrot und -getränk mitnehmen. Dass sie der Witterung entsprechend gekleidet sind und den Fahrradhelm nicht vergessen. Das geht abends weiter und endet nicht, wenn die Lütten selig schlummern. Als Ehepartner übernehmen wir auch Verantwortung für den anderen, sorgen uns um ihn, versuchen immer sicherzustellen, dass es ihm gut geht und er sich wohlfühlt. Viele empfinden auch Verantwortung für die erweiterte Familie, die Geschwister, Eltern, eventuell Großeltern umfasst. Das ist aus meiner Sicht unendlich wertvoll.

Und schließlich wäre da noch die Verantwortung im Job. Für die Aufgabe, die man übernommen hat, für eine Abteilung, ein Produkt, ein Projekt … Ich persönlich neige dazu, in genau diesen Bereich viel zu investieren und das sehr ernst zu nehmen – und ich verzweifele auch heute noch manchmal daran, damit an gewissen Stellen wirklich allein dazustehen. Denn es ist oft schwer, dieses Verantwortung-Übernehmen, vor allem dann, wenn es sich um unangenehme Dinge handelt. Zu einer Meinung oder einer Verhaltensweise zu stehen, auch wenn eine Mehrheit dagegen ist. Eine für richtig erkannte Sache auch durchzusetzen und auch dann noch zu ihr zu stehen, wenn sie sich irgendwann später als weniger toll herausgestellt hat. Da braucht es „ein breites Kreuz“.

Und als ob das nicht reicht: Ich empfinde es manchmal als noch schwerer, es auszuhalten, wenn eben jene, die es ganz dringend müssten, dieses Ding nicht können. Oder noch schlimmer: nicht wollen. Weil sie Angst haben, weil sie unsicher sind, weil sie ihr eigenes Standing wichtiger finden als die Sache an sich. Mich hier abzugrenzen, auf mich selbst und die eigene Verantwortung zu fokussieren ist eine wirklich knifflige und sehr anstrengende Aufgabe, die ich nicht immer wirklich löse. Da fällt die Achtsamkeit gegenüber dem eigenen Ich dann hinten runter:

Schon klar, dass ich das selbst in der Hand habe, aber mach das mal als ein Mensch, dem die Sache, um die er sich den ganzen Tag kümmert und sich dafür einsetzt, wichtig ist. Weil es eben auch zum Wesen dieses Menschen gehört. Doch Achtsamkeit ist ebenso Teil der Verantwortung sich selbst gegenüber. Die macht’s schwierig, weil sie bedeutet, zu anderem und anderen auch mal Nein zu sagen, andere eventuell zu enttäuschen und von ihnen egoistisch genannt zu werden. Halte das mal aus. Und hier liegt für mich das Problem: Es ist eben nicht selbstverständlich, einfach nur mal meine Bedürfnisse zu sehen – das Stichwort heißt #jbimd (jetzt bin ich mal dran) – und dabei zu riskieren, die von anderen zu vernachlässigen oder zumindest für einen Moment hintenan zu stellen.

Jedoch: Letztlich verhält es sich so, wie es Molière (eigentlich Jean-Baptiste Poquelin) ausdrückte:

Wir sind nicht nur für das verantwortlich, was wir tun, sondern auch für das, was wir nicht tun.

Aufgeblieben zu sein, obwohl das Bett die bessere Lösung gewesen wäre. Dafür, dass ich dann am Morgen einen Concealer brauche, übernehme ich absolut die Verantwortung. Wenn es denn immer so einfach wäre …

 

 

 

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