Fußballfans bei Sky: Erstaunliche Erfahrungen

Manchmal passieren ja verrückte Dinge: Da folgt mir auf Twitter plötzlich @Dein SkySport, und wenige Minuten später bimmelt es im DM-Fach mit einer Einladung zum Sky Fan Tag. Ich habe keine Ahnung, wie man auf mich kam, was das ist, und was das alles sollte. Mein erster Gedanke: PR-technisch clever, sich die Obermotzer ins Haus zu holen und ihnen mal alles zu zeigen. Es kam doch ein wenig anders. Meine erstaunlichen Erfahrungen hier in der Zusammenfassung.

Noch nie schwarze Zahlen

Einer Pressekonferenz ähnlich gab es auf diesem vierten Sky Fan Tag (der zweite zum Thema Fußball) eine Menge Informationen zum Sender an sich. Sky gibt es seit mehr als 20 Jahren, vorher als Premiere, und inzwischen als Teil einer großen Firma, die in Großbritannien, Italien, Österreich und Deutschland dieses bezahlte Fernsehen anbietet. In D/AUT zählt man derzeit 4,37 Mio Abonnenten – so viel, wie noch nie, und doch schrieb man noch nie so wirklich schwarze Zahlen. Aus sicherer Quelle erfuhr ich im Nachhinein, dass es zu Premiere-Zeiten immerhin mal zwei schwarze Quartale gab, aber das nur am Rande. Natürlich spielt Fußball eine sehr zentrale Rolle bei Sky, nicht umsonst wird hier auch wirklich geklotzt – sowohl technisch als auch personell. Entsprechend erfreut ist man über die Zuschauerzahlen: 6 Mio seien es pro Wochenende, man sei damit kein Randprogramm mehr, verkündete Marc Erras aus der Abteilung Unternehmenskommunikation sichtlich stolz.

Für das Recht, Fußball in der Weise zu übertragen, wie es Sky tut, zahlt es 486 Mio Euro pro Saison, laut Erras sei die Bundesliga damit das Teuerste, was man an Sportrechten kaufen könnte. Diese Kosten muss man erst einmal auf der Einnahme-Seite verdienen. Abo-Gebühren reichen da nicht, ist klar, also muss Werbung her. Und zwar immer mehr. Und die Kosten runter: Das bedeutet beispielsweise, dass die Konferenz-Berichterstatter, wie ja inzwischen auch bekannt, nicht in den Stadien, sondern in Ismaning in schmucklosen Räumchen vor einem Fernseher sitzen und reden, noch dazu mit kaum mehr Informationen als jener Zuschauer, der das jeweilige Einzelspiel verfolgt. Das bedeutet auch, dass das Experiment mit zwei Kommentatoren zum Topspiel, was ich immer sehr sehr interessant fand (Kai Dittmann übrigens auch), schnell wieder verworfen wurde. Burkhardt Weber dazu kurz und knackig: „Das war eine rein wirtschaftliche Entscheidung.“ Was Sky noch fehlte, da war Weber ganz offen, seien Top-Angebote für den Sportfan außerhalb der Bundesliga-Zeit. Ich fragte nach Wintersport, Stichworte waren Biathlon oder Skispringen, doch da seien die Rechte sehr langfristig schon weg bzw. beim Partnersender (!) Eurosport.

Ausuferndes Expertentum

Die Diskussionen drehten sich natürlich schnell wieder um das Thema Fußball, klar, es waren ja 14 Fußballfans eingeladen. Und die mussten auch unmittelbar ihren Frust über so manchen Kommentator oder auch Moderator loswerden. Wenig überraschend, dass der Name Reif noch in den ersten 30 Minuten fiel. Mir persönlich war es wichtig, einmal darüber zu reden, wie es kommt, dass so viele Spieler, die ihre Karriere beendet haben, sehr schnell zum Sky-„Experten“ werden, was Weber zur Vermutung veranlasste, dass ich Marcell Jansen offenbar nicht mögen würde – haha! Tatsächlich überdenkt man bei Sky wohl doch diese Art von „Expertenkultur“ und will gerade mit Jansen andere Formate produzieren, weil er eben nicht der x-te ehemalige Spieler sein will. Es geht also offenbar nicht nur mir so mit diesem Miss-Empfinden.

Ich frage mich immer noch, ob es ausreicht, selbst einmal erfolgreich gegen den Ball getreten zu haben, um im Fernsehen als Fußball-Experte aufzutreten. Ich sehe da durchaus den Bedarf weiterer Qualifikationen, und ob die jeder besitzt, der sein Sky-Sakko vor der Kamera präsentiert … ich habe Zweifel. Nach diesem Tag mehr denn je.

Trotzdem: Lothar Matthäus überraschte mich ehrlich. Am TV-Gerät wirkt er oft unbeholfen, er schaut manchmal direkt versteinert in die Kamera und rezitiert mehr schlecht als recht, was vorbereitet wurde. Ist die Kamera jedoch aus, entwickelt er Entertainer-Qualitäten und scheut keineswegs die Nähe der Fans, ganz im Gegenteil. Sie bekommen alle Bilderwünsche erfüllt, Süßigkeiten und einen flotten Spruch obendrein. Überhaupt war der Umgang mit den Fans, Eric Meijer muss ich da noch nennen, bemerkenswert locker.

Vom Sozialem und so

Das galt aber auch für allen anderen, die wir Fans im Laufe des Tages so kennenlernen durften, allen voran das Social-Media-Team von Sky, die ja diesen Fan-Tag initiiert hatte und vorbildlich begleitete. Ich habe mich sehr ausführlich mit Robert über die Frage unterhalten, wie es geht, selbst Fan eines Vereins zu sein und gleichzeitig neutral die Social-Media-Kanäle (vornehmlich Facebook) zu bedienen. Ich erzählte aus meiner Finanzjournalistenzeit, in der es uns Redakteuren vertraglich verboten war, über Aktientitel, die wir selbst hielten, etwas zu schreiben. Außerdem ging es mir auch darum, wie die als Journalist nötige Distanz noch gewährleistet werden könnte. Sportjournalismus funktioniert heute anders, wenngleich auch Robert einräumte, dass es schon anspruchsvoll sei, diese Neutralität hinzubekommen. Es sei manchmal ein Balance-Akt, den er aber hoffe, ganz gut hinzubekommen. Bis zu seinem „Outing“ hätte wohl kaum einer gedacht, dass er S04-Fan sei – eigentlich gilt Sky ja als „bayern-durchdrungen“. Das ist dann doch ein wenig übertrieben, denn man soll es nicht glauben: Es gibt dort sogar welche, die es mit dem HSV halten. Darauf wäre ich ja mal gar nicht gekommen.

In diesem Zusammenhang sehr überraschend, dass Kai Dittmann von sich sagt, er sei überhaupt kein Fan irgendeines Vereins. Er begründete das für mich nachvollziehbar mit vielen Umzügen in seiner Kindheit: „Immer, wenn ich anfing, mich für den örtlichen Verein zu begeistern, sind wir wieder umgezogen.“ Wenig überraschend für mich, dass er langjährige Hörfunkerfahrung hat und ein Publizistik-Studium absolvierte. Er hört sich schon gerne reden, was ich in diesem Job aber für eine absolute Grundvoraussetzung halte. Abgesehen vom Kaugummi im Mund, während er mit uns redete, verhielt er sich absolut professionell und schlug keine Foto- oder Autogrammwünsche aus.*

Beeindruckende Technik

Was mich an diesem Tag am meisten faszinierte, was der Besuch des Studios, in dem Sky Sport News HD produziert wird. Ein riesiger Großraum, in dem nahezu alles passiert: Redakteure recherchieren, telefonieren und schreiben,  die nächsten schneiden und vertonen ihre Beiträge, die Moderatorinnen und Moderatoren bereiten sich mittendrin auf ihre Schicht vor, der CvD tigert durch den Raum – und es wird live aus diesem Raum gesendet! Unfassbar, wie die Jungs das bei der Geräuschkulisse konzentriert hinbekommen. Mir fiel der extrem junge Altersdurchschnitt auf (lange hält man das sicherlich wirklich nicht aus) sowie die Abwesenheit von Frauen, wenn man von den Moderatorinnen absieht. Vielleicht war es Zufall wegen des Schichtdienstes, dass gerade kaum welche vor Ort waren. Vielleicht aber auch nicht. Und das fände ich schon schade. (Nachtrag: Es war Zufall, es gibt auch weibliche Chefs vom Dienst. Dank an Robert.)

Auch die Regieräume sind bei Sky fest in Männerhand, und mich beeindruckt es jedes Mal, wenn ich sehe, wie man bei den vielen Monitoren und Knöpfchen noch den Überblick behalten kann. Und das nicht nur für einen Moment, sondern über Stunden! Ich habe da ehrlich einen großen Respekt für die Kollegen, die das so schaffen.

Das gilt auch für jene, die Live-Übertragungen wie die Champions League wuppen. Da gibt es ja nicht nur die Konferenz, sondern auch die Studio-Sendung mit Experten (ach) und Interviews. Das alles im Blick zu haben und genau zeitlich abzustimmen, verlangt sicherlich eine große Konzentration. Ein netter kleiner Nebeneffekt: Ich habe mal Platz genommen am Tisch der Sky90-Runde. Sehr bequem, sehr angenehme Atmosphäre, in der es vielleicht auch mal öfter um den HSV geht …

Die Fans – eine heterogene Truppe

Der HSV ist fantechnisch sehr gut vertreten gewesen, den Bayern- und Dortmund-Fans fast ebenbürtig. Aber: So unterschiedlich das Publikum vor den TV-Geräten oder auch in den Kurven der Stadien ist, so heterogen war es auch beim Sky Fan Tag. Eine gewollte Mischung, wie ich vermute, die einmal mehr zeigte, welch unterschiedliche Menschengruppen sich durch das Fußballspiel angezogen fühlen. Drei Frauen waren wir, also etwa 20 Prozent – die Quote war besser als bei den Bereichen, die wir von Sky näher kennenlernen durften. Dass es anderswo im Haus durchaus anders ist, wurde in der Kantine deutlich, dort tummelten sich durchaus viele Frauen, die – so meine Hoffnung – hoffentlich nicht alle im Marketing oder der PR-Abteilung ihre Arbeit erledigen.

Frauen und Fußball ist ein heißes Eisen, ich weiß das sehr wohl. Gerade deshalb wünsche ich mir, dass Frauen dank ihrer Kompetenz und nicht wegen ihres Aussehens in diesem Bereich wahrgenommen werden. Frauen müssen immer noch „fernsehtauglich“ sein, sobald sie vor einer Kamera erscheinen, bei Männern schaut man da für meinen Geschmack nicht so genau hin. Mir geht es hier übrigens gar nicht so um das Modische, wobei schon auffällt, dass die Männer immer so eingekleidet werden, dass sie seriös rüberkommen, die Frauen aber nicht, wie @kasulja völlig richtig feststellte. Es geht vielmehr ganz schlicht um das Gesicht mit allem, was dazugehört – ja, ich meine auch die Zähne.

Immerhin machten für meinen Geschmack nahezu alle, die uns Fans durch diesen Tag in Unterföhring begleiteten, eine gute Figur (bis auf den Kaugummi, sorry, Sebastian). Ich gebe es ehrlich zu: Das hatte ich nicht unbedingt so erwartet.

 

*Ich kann mich für so was so gar nicht erwärmen, daher gibt es weder Fotos mit irgendwelchen Leuten und mir, noch Selfies.

 

 

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