Karrierefragen (3) – Teilzeit als finanzielle Falle

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Wir wollen alles, und das eigentlich immer sofort – Eltern sind da kein bisschen anders als jeder Single. Doch immer häufiger stellen Eltern fest: Moment, so einfach geht das nicht. Die Vokabel, die dann regelmäßig auftaucht und gefühlte Millionen Mal rauf- und runterdiskutiert und in Büchern verarbeitet wurde, heißt: Vereinbarkeit. Im ersten Teil dieser Miniserie habe ich mich damit auseinandergesetzt, ob die Frau als Mutter tatsächlich zwei Ganztagsjobs wuppen muss, um Berufliches und Familiäres leben zu können. Meine These: Muss sie nicht. Hier nachzulesen. Im zweiten Teil ging es darum, dass die Vereinbarkeit aus meiner Sicht kein Solo-Problem sein sollte, also immer eine Herausforderung für beide Partner in einer Familie. Dieses lässt sich dann aber auch nur wirklich gemeinsam lösen. Hier nachzulesen.

In diesem dritten Teil geht es jetzt darum, was Teilzeit mit dem Anspruch macht, die Bedürfnisse aller unter einen Hut zu bekommen. Dieser Weg wird sehr häufig gewählt: Mehr als die Hälfte aller Frauen arbeiten in diesem Modell, las ich im Spiegel. In der Regel übernimmt also die Frau in einer Mann-Frau-Beziehung diesen Part, sorgt also dafür, dass sich ein Elternteil, nämlich sie, die Mutter, sich um die Kinder kümmert, wenn sie aus dem Kindergarten oder der Schule nach Hause kommen. Es klingt ja auch verlockend: Die Hälfte oder auch zwei Drittel des Tages tut Frau etwas für ihren Kopf und trägt zum Familieneinkommen bei, die andere Hälfte oder das andere Drittel sorgt sie für die Familie, und alle sind zufrieden.

Nadine sieht da aber einen Haken:

Teilzeit als Karrierekiller. Ich sage: Teilzeit ist nicht zwingend Karrierekiller, das werde ich im Teil 4 noch ausführlich beleuchten, da es ganz viele Möglichkeiten für eine Karriere gibt, wenn man sich traut, sie differenziert zu definieren. Teilzeit ist in erster Linie ein finanzielles Risiko, und zwar eines, das es in sich hat und, so zumindest mein Eindruck, nur unzureichend zur Kenntnis genommen und tatsächlich beachtet wird. Ich rede hier nicht vom Gender-Pay-Gap, der ja häufig damit begründet wird, dass Frauen ja weniger (sprich: in Teilzeit) arbeiten. Tatsächlich kann es die Diskrepanz in der Entlohnung von Mann und Frau nur beim Fehlen von Tarifverträgen geben, oder wenn sich die Frau die nötige Aggressivität, wie sie Wilkens im Interview mit Edition F beschreibt, vermissen lässt. Ich beobachte zumindest in meinem weiblichen Freundeskreis, dass es diese Lücke nicht gibt. Manche Frauen verdienen sogar mehr als ihre Männer.

Teilzeit ist ein finanzieller „Killer“. Denn: Das „dicke Ende“ einer beruflichen Teilzeitkarriere bedeutet für viele Frauen ganz schlicht ein hohes Armutsrisiko, wenn sie nicht entsprechend vorsorgen. Das hat Katrin Wilkens von Female Perspectives aus Hamburg in ihrem Spiegel-Interview, aber auch in dem für Edition F absolut richtig herausgearbeitet. Teilzeit zu arbeiten bedeutet vor allem eins: Abhängigkeit.

  1. Risiko im Falle einer Trennung
    Bestreite Dein Leben einmal mit einem Teilzeitgehalt und versorge damit u.U. Deine Kinder. Unterhalt vom Vater der Kinder? Was, wenn der nicht zahlt, sich weigert oder Schwierigkeiten macht?
  2. Risiko im Falle des Tods des Hauptverdieners
    Hier wird erkennbar, wie wichtig es ist, dass eine wirklich ausreichend hohe Risiko-Lebensversicherung auf das Leben des Hauptverdieners nötig ist. Ausreichend hoch heißt hier: mindestens drei Jahresgehälter.
  3. Risiko in der Zeit nach der Berufstätigkeit
    Wer lange nur teilweise arbeitet, baut entsprechend geringere Rentenansprüche auf. Ohne eigene (private) Vorsorge, die dann der Hauptverdiener übernehmen muss, gibt es hier ein Armutsrisiko. Besonders dann, wenn die Beziehung nach längerer Zeit auseinandergeht, also auch keine Unterhaltsansprüche für die Kinder bestehen. Was, wenn der Partner frühzeitig verstirbt? Reicht die Witwenrente zusammen mit der eigenen kleinen Rente? Übrigens: Wenn der Partner eine Rentenversicherung besitzt und er nach Überschreiten der individuell vorab zu vereinbarenden Rentengarantiezeit stirbt, fließt keine Rente mehr. Hier empfiehlt sich also ein genauer Blick ins Vertragswerk.

Unabhängigkeit als wertvolles Gut

Ich persönlich finde den Gedanken, mich in diese Abhängigkeit zu begeben, sehr bedrohlich. Als eine, die im Osten Deutschlands aufgewachsen ist, fällt es mir wirklich schwer, Teile meiner Selbständigkeit, meiner Unabhängigkeit aufzugeben. Kinder zu haben bedeutet für eine sehr lange Zeit die Aufgabe der Selbstbestimmtheit – daran habe ich mich gewöhnt und mich damit arrangiert. Aber diese gewisse Abhängigkeit durch eine andere zu ersetzen, käme mir nicht in den Sinn. Die oben beschriebenen Zusammenhänge beziehen sich zwar „nur“ auf finanzielle Aspekte, aber meine These ist: Sie macht es etwas mit den Beteiligten. Abhängigkeiten beeinflussen die Beziehung, sie verändern das Macht-Gefüge in ihr. Da haben die westdeutschen Frauen sich so mühsam das Recht erkämpft, selbst darüber zu bestimmen, ob sie als verheiratete Frau arbeiten gehen oder nicht, und schon geben sie wieder Macht ab und legen sie in die Hände des Partners: Wenn der seinen Teil der Abmachung nicht einhält (aus welchen Gründen auch immer), fällt das System zusammen. Und wer trägt dieses Risiko? Wer muss mit den Konsequenzen leben? Der teilzeit-arbeitende Partner natürlich. Ich empfinde das als zutiefst ungerecht.

Daher plädiere ich auch mit Vehemenz dafür, dass Ehepartner (ganz unabhängig vom Geschlecht) schriftliche Vereinbarungen darüber treffen, wie sie ihr Familie finanziell aufstellen, wenn einer seine Unabhängigkeit aufgibt. Ganz konkret heißt das beispielsweise:

  • Arbeitet ein Partner nicht zu 100%, zahlt der andere einen adäquaten Ausgleich in eine Vorsorge, über die nur der teilzeitarbeitende Partner zu einem zu definierenden Zeitpunkt verfügen kann.
  • Abschluss einer Risikolebensversicherung auf das Leben desjenigen, der mehr verdient. In ausreichender Höhe, versteht sich. *
  • Wird Immobilieneigentum erworben, werden beide als Eigentümer eingetragen.
  • Wird anderweitig Vermögen erworben (Geldanlagen oder ähnliches), ist dies fair aufzuteilen und schriftlich festzuhalten. Über das aufgeteilte Geld kann jeder selbst verfügen.
  • Vorkehrungen für den Fall der Trennung werden getroffen: das Eigentum und Vermögen betreffend, eventuelle Erbrechte betreffend.

Es steckt unfassbar viel Vertrauen darin, doch wir sind Menschen, fehlbar. Kontrolle wäre mir daher wichtig. Wer zugunsten einer von allen gewünschten bestimmten Lebensqualität verzichtet, darf nicht damit bestraft werden, bei Veränderung der Lebensumstände allein das Risiko zu tragen. Wenn wir schon sagen, dass wir nicht alles gleichzeitig haben können, dann sollte die Konsequenz zumindest heißen: Dann eben alles zu seiner speziellen Zeit.

*Auch bei Paaren, die beide voll arbeiten, ist eine Risikolebensversicherung sinnvoll. Und zwar für jeden.

 

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4 Kommentare Gib deinen ab

  1. Gerade bei Ehepartnern gibt es allerdings den Versorgungsausgleich und den Zugewinnausgleich, was einen teil der Probleme abfängt.
    Vgl zB die Übersicht hier:
    https://allesevolution.wordpress.com/2011/12/10/anspruche-bei-scheidung-bzw-beendigung-der-ehe/

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    1. mrscgn sagt:

      Vielen Dank für die Hinweise. Wie Sie richtig sagen: Es ist ein Teil.
      Mir persönlich bereitet jedoch diese Abhängigkeit extrem Unbehagen. Da ändert dieser Versorgungsausgleich nicht viel.

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      1. Ich finde es auch gut, wenn Ehepartner sich ihrer Selbständigkeit bewahren. Da ist ein eigener job in der tat der beste weg.
        Wollte es nur kurz ergänzen, weil der Versorgungsausgleich gerne vergessen wird

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      2. mrscgn sagt:

        Da haben Sie vollkommen Recht. Bin sehr dankbar für Ihre Ergänzung.

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