Seltsames Fußballerlebnis: HSV mit Stadionton im TV

Mein Herzensverein hatte heute im Volkspark den FC Augsburg zu Gast. Ich hatte vor, es mir vor dem Fernseher gemütlich zu machen und den HSV siegen zu sehen. Es kam komplett anders. Zunächst das hier:

Der Köln-Mann lag vergrippt im Bett, ich wollte das ausnutzen und die Einzelspiel-Option bei Sky wählen. Doch mit diesem Kommentator? Der Gregoritsch nach wie vor falsch ausspricht? Und nicht als einer bekannt ist, der es mit dem HSV gut meint? Nein, ging nicht. Also habe ich mich dazu überreden lassen, das Spiel mit der Stadionton-Option anzuschauen.

Was für ein seltsames Erlebnis: Man hört die Fans, man hört so manche von der Trainerbank herumbrüllen, man hört die Schreie, wenn einer gefoult wird, aber sonst eben nichts. Ich habe das so noch nie gemacht, deswegen war es für mich eine komplett ungewohnte Situation. Es ist nicht so, dass ich immer besonders interessant finde, was Kommentatoren da von sich geben (man könnte es auch „labern“ nennen), aber so ganz ohne verbale Begleitung außerhalb des Stadions sich ein Spiel anzuschauen … ich weiß nicht.

Ich habe die Kommentierung dann selbst übernommen (so ohne Zuhörer geht das ja). Das ging dann so: Es wurde abseits gepfiffen, ich habe die Zeitlupe angeschaut und bestätigt oder eben auch nicht. Der HSV war im Angriff, und ich teilte den nicht vorhandenen Zuhörern mit, wer anspielbar wäre, wie viele gegen wie viele jetzt stünden und was da alles so schief lief – und davon gab es leider eine ganze Menge. Ich habe Hunt länger beobachtet und festgestellt, wie langsam er sich noch bewegte. Ich sah deutlich gefährlichere Aktionen auf der Seite des Gegners als beim HSV, und mir schwante Ungutes.

Weltideen und Weltreporter

In der Halbzeit gibt es diese Stadionton-Option nicht, also wurde ich Ohrenzeuge des Interviews von Herrn Fuhrmann, seines Zeichens FCSP-Mitglied (also nicht einfach Fan, sondern Mitglied*), mit dem HSV-Sportdirektor Herrn Knäbel. Fuhrmann eröffnete das Gespräch mit dieser Frage:

Wie ernst nehme ich jemanden, der solche Fragen in einem eigentlich journalistischen Format stellt? Als Frage in der „heute show“ hätte ich gelacht, Knäbelpeter, Rucksack-Verbummler, Die-eigene-Mannschaft-in-die-Pfanne-Hauer .. hahaha. Aber so? Meine These ist ja, dass sich Rollo einfach selbst furchtbar cool und toll findet. Ich sage: Das war weder cool, noch toll, das war einfach plump.**

Die zweite Hälfte brachte spielerisch auf Seiten des HSV gar nichts, auch wenn der Trainer Labbadia diesmal in der 71. Minute doppelt wechselte (liest er bei Daniel Jovanov mit?). Augsburg wurde immer stärker, der HSV nervöser und fahriger und bettelte förmlich um das Tor, das dann auch prompt nach halbherzig geführtem und verlorenem Zweikampf von Sakai fiel. Das ohne Kommentar zu verfolgen, war besonders ungewohnt – ich fühlte mich irgendwie noch hilfloser als sonst in so einer Situation. Dazu kam dieses hier:

Selten habe ich eine vermeintliche Anfeuerung als so einschläfernd wahrgenommen. Dieses ewige „Hamburg, Hamburger Ess Vau“ ertrage ich inzwischen nur schwer. Wird nur noch übertroffen von „Sechsmal Deutscher Meister …“. Überhaupt wollte nicht so richtig eine gute Stimmung rüberkommen, es hörte sich am Fernsehgerät gelangweilt, müde, eintönig an. Gerne gebe ich zu, dass das im Stadion komplett anders war, aber übers Medium … wirklich zum Vergessen. Will sagen: An dieser Stelle fand ich es eine reine Weltidee, mir das Spiel so zu geben.

Auffällig war, dass dem HSV auf den Rückstand irgendwie keine Antwort einzufallen schien. Wie schon oft angemerkt, gelang es der Mannschaft wieder nicht, einen Plan B, von dessen Existenz ich einfach mal ausgehe, umzusetzen. Es wirkte alles zwar bemüht, aber am Ende inkonsequent – trying too hard, würde ich das nennen. Diese Niederlage war für mich folgerichtig. An dieser Stelle vermisste ich schon wieder irgendwie den einordnenden Kommentar, an dem es sich daraufhin so herrlich abarbeiten lässt. Die Interviews anschließend habe ich mir erspart, wie ich das immer halte, wenn mein Verein verliert.

Bemerkenswert vielleicht noch, wie wenig mich diese Niederlage emotional berührt hat. Ich fand die Niederlage ärgerlich, aber bei weitem nicht so dramatisch, wie ich das sonst von mir kenne. Das wirklich Positive an diesem ganzen kommentarlosen und verlorenen Spiel-Samstag: Meine Bügelwäsche war danach erledigt.

*Ich hatte an dieser Stelle schon einmal thematisiert, dass ich die Verquickung von Fan-Sein und Job manchmal schwierig finde. Es ist immer eine Gratwanderung, und ganz bestimmt bekommen das viele Kollegen hin. Doch ein Mitglied (!) des Stadtrivalen als Fieldreporter einzusetzen, ist in meinen Augen befremdlich. Warum nicht Jens Westen, der nachgewiesen hat, dass er das gut kann?

**Herr Fuhrmann vergleicht auf Twitter seine Tätigkeit am Spielfeldrand mit der von Lehrern, die ja auch alle Schüler unterrichten müssten, bzw. mit Ärzten, die auch alle Patienten unabhängig von ihrer politischen Einstellung behandeln müssten. Großes Kino. Von Compliance Regeln für Journalisten hat er offenbar noch nie gehört. Für mich bleibt ein „Geschmäckle“, wenn der Pauli-Anhänger beim HSV Interviews führt.

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Ein Kommentar Gib deinen ab

  1. madbracki sagt:

    Moin moin
    Ja Stadionoption ist schon was tolles.
    Benutze es schon seid Jahren, vorallem bei Heimspielen.
    man fühlt sich schon fast wie zu Hause,mit Lotto singen, mit den Rängen fiebern.
    Einfach Wahnsinn.
    Immutionen, beim Fussball gibt es immer.
    Auch wenn man dann nur den Fernseher anschreit, aber man fühlt sich anders.
    Der Fernseher geht an und man sie seine Mannschaft, es ist so wie im Stadion, man geht einfach mit.

    Schön, das du es auch einmal probiert hast (Daumen hoch) und dir es gefallen hat.
    und noch weiterhin viel Spaß dabei ;o)

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