Karneval in Köln: Mein allererstes Mal

am

Das glaubt mir als einer, die seit fast genau acht Jahren in Köln lebt, vielleicht kein Mensch, aber ich bin an sich kein Fan von Karneval , Fasching, Fastnacht oder Fasnet. Echt nicht. Betrinken in Verkleidung. Süßigkeiten fangen und futtern, Konfetti, Alaaf, Helau, Kügele hoi. Das war es doch, oder?

Meine erste erlebte ich in Ehingen (bei Ulm): „Glombiger Dostieg“, Bälle, Narrensprung als Zuschauer mit Konfettidusche – das volle Programm. Meine Begeisterung hielt sich in Grenzen. Im Hessischen bin ich zweimal in einem Zug  mitgelaufen, weil der Kindergarten von K1 als Gruppe auftrat und wir mit einem guten Auftritt etwas Geld für die Einrichtung gewinnen konnten. Ein „Mitbringsel“ davon waren die Windpocken, die K1 im Alter von 1,5 Jahren da bekam. Ich fand die Menschen, die sich den Zug ansahen, extrem fordernd, und sie waren ob unseres „Wurfmaterials“, das immer zum Thema passte (zum Beispiel Zollstöcke, als wir als „Bob der Baumeister“ unterwegs waren), etwas angenervt.  Wir hatten phantasievolle Kostüme, sangen die zum Motto passende Lieder, und dann wurde wegen der „Give-aways“ gemeckert.

Hier in Köln war ich auch wegen der Kinder bei den Umzügen dabei (als Zuschauer), aber so wirklich gegeben hat mir das nicht viel. Ich fand die Verkleiderei ein bisschen komisch, wenngleich die Kinder immer entzückend aussahen, und leider gibt es auf den kleinen Veedelszügen nicht immer viel Musik, die ich ganz wichtig finde. Es wurden fast ausschließlich Süßigkeiten geworfen – ich fand das langweilig.

Und in diesem Jahr passierte dann folgendes:

Die Sonja wollte Karneval feiern, hatte aber keine Gesellschaft. So schnell konnte keiner schauen, wie sich daraus die Idee entspann, sich doch einfach in Köln zu treffen. Zu fünft waren wir plötzlich  – unglaublich. Sehr spontan verabredet, gar nicht lange nachgedacht. Als ich am Morgen des Samstags aufwachte (ich hatte schrecklich von Zahnarztstühlen, aka Behandlungseinheiten, geträumt), war ich sehr unsicher, ob ich das wirklich will, also mit den Mädels Karneval feiern. Ich kannte das nicht und spürte da so ein Unbehagen. Der Mann, seines Zeichens echter Kölscher, hat mich sehr ermutigt und auch versprochen, wach zu bleiben und auf mich zu warten (oder auch: um im Notfall helfen zu können).

IMG_8802
Der Mann nannte uns „hübsches Dreigestirn“.

Wir trafen uns nun – erst einmal zu dritt, später dann zu viert – in der Kölner Südstadt. Es war schon recht voll, und wir haben uns zunächst auch in der „falschen“ Schlange eingereiht, doch der zweite Versuch saß dann. Garderobe abgegeben, und drin waren wir. Dort, wo das Kölsch schnellstens frisch gereicht wurde und laute Karnevalsmucke lief. Es füllte sich nach und nach und wurde einfach megalustig. Das Ganze lebt ja davon, dass der Alkoholpegel langsam, aber sicher steigt, und sich alle von der Musik mitreißen lassen. Ich hätte nicht für möglich gehalten, dass das auch bei mir funktioniert. Was Kölsch, „Pirate“ und vor allem nette Gesellschaft so ausmachen. Das wirklich Außergewöhnliche: In erster Linie verband uns genau eines – Twitter.  Da bedurfte es keines Eisbrecher-Kölschs, keines Näher-Kennenlernens, sondern nur guter Laune und Fröhlichkeit. Manchmal ist es eben doch ganz einfach und so schön. Fand auch Sonja.

Das schien allen, die um uns so herum waren, ähnlich zu gehen: Nur fröhliche Gesichter, freundliches Unterhaken und Schunkeln, doing the bump, rücksichtsvoller Umgang im Waschraum, keine blöden Sprüche, keine komischen Handbewegungen. Nirgends.  Dieses joote Jeföhl,  das ist es wohl, was den Karneval in Köln ausmacht. Ich empfand eine besondere Herzlichkeit zwischen den Frauen – wir haben uns von zwei völlig fremden Mädels mit einer herzlichen Umarmung verabschiedet.

Aua an den Füßen vom Tanzen, den Mann am Telefon mit der Bitte, mich von der Bahn abzuholen (es gab ja doch das eine und andere Kölsch), und da sitzt mir ein junger verkleideter Mann gegenüber:

Er: Und Du? Du bist so ruhig.
Ich: (grinst) Ich hab ganz schön viel getrunken.
(grinst auch) Das ist doch okay. Wo warst Du denn?
Ich habe keine Ahnung, wie die Kneipe hieß.
(lacht laut) Genau so muss es doch sein: Egal, wo Du warst, Hauptsache, es war schön.

 

 

 

Advertisements

Hier ist Platz für Ihre / Deine Gedanken

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s