Veralbert*, verärgert, verzweifelt

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Sie haben sich gehäuft in jüngster Zeit, die Situationen, die mich verärgert haben. Ich fühle mich derzeit sehr oft veralbert* und manchmal auch verzweifelt. Ich weiß irgendwie so gar nicht, wohin mit all meiner Wut darüber, letztlich ja doch nur wenig bis nichts ändern zu können. Ich muss sie rauslassen, um wieder Platz in Herz und Hirn zu schaffen, bevor mich diese negativen Gedanken beherrschen. Sie sind so dominant, weil sie mir bei so vielen Gelegenheiten begegnen, weil ich mich so oft damit konfrontiert sehe – ob ich das nun will oder nicht. Vielleicht ist das Aufschreiben ein Weg, mich positiven, motivierenden, inspirierenden und konstruktiven Gedanken wieder öffnen zu können.

Veralbert

Ich fühlte mich nach der Veröffentlichung des Leitbildes des HSV ziemlich veralbert. Für diese Selbstverständlichkeiten dieser ganze Zauber mit eingeladenen Fans, mit externer Agentur, einer Hochglanz-Broschüre und vor allem viel ausgegebenem Geld, das man nicht hat? Ich kann das einfach nicht begreifen. Offensichtlich ist es so, dass die Herren an den entscheidenden Stellen sehr schnell dabei sind, Geld rauszuwerfen, denn: Es ist ja nicht ihr eigenes. Sie müssen im Grunde niemandem (so wirklich) Rechenschaft ablegen, denn ihnen geht ja der Ruf voraus, dass sie schon wüssten, was sie tun. Das werden ja auch viele Fans nicht müde zu wiederholen.  Bevor die Einnahmeseite nicht nachhaltig gestärkt wird, kann ich die Ausgaben-Seite (Stichwort teuerster Vorstand aller Zeiten) doch nicht derart aufblähen. Das ist simple Mathematik, die schon meine Kinder verstehen – ohne Geld können sie sich nun mal nichts kaufen.

Ja, ich habe dafür gestimmt, weniger Einfluss auf den Profifußball zu haben. Ich hatte damit die Hoffnung verknüpft, dass Profis, also solche, die sich auskennen und den Fußball (statt sich selbst) voranbringen wollen, das Ruder übernehmen und vieles anders, sprich: besser machen. Neben der Enttäuschung, die selbstverständlich mein Problem ist, steckt da aber auch die Verzeiflung, weil das offenbar jene, die daran etwas ändern könnten (Aufsichtsrat), komplett anders bzw. gar nicht sehen. Stattdessen gibt es Durchhalteparolen, von Geduld ist die Rede, von einem Zeitraum von bis zu zehn Jahren, als ob einer der Verkünder solcher wohlfeilen Sätze so lange noch beim Verein wäre. Das hat der Beitrag auf HSV Arena schon richtig auf den Punkt gebracht. Bitter. Einfach bitter.

Verärgert

Was mich direkt zum nächsten Aufreger ganz allgemeiner Art führt: Das Wohl eines Vereins, eines Unternehmens, einer Geschäftsidee gerät, so scheint es, immer mehr in den Hintergrund, weil es tief im Inneren nur um die Befriedigung von Eitelkeiten geht. Nichts anderes. Das regt mich deshalb so auf, da mir dieses Konzept nicht vertraut ist, ich bin so nicht aufgewachsen. In meinem jugendlichen Kosmos war die Idee immer größer als das Bedürfnis des einzelnen. Natürlich sollte es mir selbst gut gehen, aber nicht auf Kosten eines viel größeren Anliegens. Wenn ich ein Produkt herstelle, das jenem, der es kauft, viel nutzt, dann ist meine Befriedigung daraus sekundär, ein Nebenprodukt. Entscheidend ist, dass es dem Käufer gefällt, er etwas davon hat. Denn das sorgt dafür, dass es meinem Unternehmen und damit auch seinen Mitarbeitern gut geht. Rote Schleifchen um das Produkt, weil es mir nun mal gefällt? Im Leben nicht, wenn sich das Produkt dann nicht besser verkauft.  Medien mitteilen, dass ich als Unternehmen in den Medien bin? Irre, aber alles schon gesehen. Egal, wo ich hinschaue, begegnet mir bei hartnäckigem Fragen nach dem Warum immer nur eins: Weil es bestimmte Leute so wollen, weil bestimmte Leute es einfach können. Mit anderen Worten: Eitelkeit. Macht. Oder das Streben danach. Das Beschäftigen mit sich selbst scheint immer wichtiger zu werden als die Frage, was ein Unternehmen, einen Verein, ja selbst eine Partei nach vorn bringen kann. Und das ärgert mich.

Verzweifelt

Genauso viel Ärger löst in mir bestimmtes Verhalten von Lehrern aus. Leistungen sind oft zweitrangig, so lange der Lehrer sieht, dass sich da jemand anstrengt und Mühe gibt. Es wird also das Bemühen in den Vordergrund gestellt. Ich frage mich, ob Lehrer, die das so sehen, auch noch so nachsichtig sind, wenn sie bestimmte Produkte kaufen und die halt nur mittlerer Qualität sind, aber draufsteht, dass sich jener, der es hergestellt hat, bestimmt ganz doll Mühe gegeben hat. Natürlich brauchen kleine Kinder (Grundschule) noch viel Motivation und Zuspruch. Aber pädagogisch gesetzte Noten auf dem Gymnasium, die vor allem das Bemühen um etwas bewerten und darin den Glauben verstecken, dass es ja mit ein bisschen Üben schon besser wird?

Ich hadere mit diesem Bildungssystem. Immer und immer wieder. Schreiben lernen nach Hören, was für ein Unsinn! Schreibschrift erst im 2. Halbjahr der zweiten Klasse – und wir Eltern müssen dankbar sein, dass das überhaupt noch gelehrt wird, anderswo (Thüringen) steht das schon nicht mehr im Lehrplan. In einem Halbjahr Chemie, im nächsten Physik, und im darauffolgenden Halbjahr wieder Chemie und dann noch Biologie dazu. Physik lassen wir dann weg. Was ist das für ein Widersinn?! Religionsunterricht, in dem Kinder Bilder malen und für eine saubere Heftführung ihre Einsen kassieren – geht’s noch?! Ich könnte ewig so weitermachen. Dabei habe ich noch nicht mal angefangen, über Verhaltensweisen bestimmter  Lehrer nachzudenken, mir würde dabei übel werden.

Ich konzidiere sehr gerne, dass Lehrer die Lehrpläne vorgesetzt bekommen, dass sich sehr viele unglaublich Mühe mit den Kindern (und den Eltern!) geben und ihren Job gut machen, ich erlebe das durchaus. Umso bedauerlicher ist es, dass es einige wenige schaffen, meine Erfahrungen zu verfestigen.  Die Ohnmacht, hier aber mal so gar nichts tun zu können, treibt mich zur Verzweiflung.

Das Gute und Mut machende an all dem: So lange es mich noch aufregt, ist es mir nicht egal.

*Eigentlich sollte es verarscht heißen, aber das Wort gefiel und  gefällt mir nicht.

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