Veränderungen in sozialen Medien: Gehen oder bleiben?

Der geschätzte Herr „Maulwürfel“ fragte heute auf Twitter folgendes:

Ich lese daraus eine sehr negative Sicht auf dieses Medium, die ich mich erstaunt. Ich hatte hier schon einmal dargelegt, wie ich Twitter sehe, und dass es meiner neugierigen Grundhaltung sehr entgegenkommt. Diese Faszination hat es für mich (noch) nicht verloren, ich denke ja eher, dass ich vieles noch gar nicht so nutze, wie ich es für meine Intentionen vielleicht tun könnte.  Ich bekomme jedenfalls von den erwähnten Bashings, dem irrationalen Neid oder verbalen Prügeleien so gut wie nichts mit. Was mich zur These führt, dass es durchaus in der Hand eines Nutzers liegt, was in welcher Form in die Timeline gelangt beziehungsweise an welchen Punkten ich immer weiter klicke oder eben nicht.

Der „Maulwürfel“ schreibt zum Beispiel:

Mein negativen Erlebnisse mit sympathisch geglaubten Accounts verdichteten sich; immer öfters glaubte ich den Narzisst im Gegenüber durchschimmern zu sehen. Auf sein Wohl, seine Credibility fixiert, berechnend beim Posten …

Eine interessante Beobachtung: Grundsätzlich meine ich, dass es schon einer gewissen Eitelkeit bedarf, überhaupt bei Twitter mitzumachen. Eitelkeit an sich finde ich auch nicht verwerflich – jeder Mensch braucht in irgendeiner Form Aufmerksamkeit und Anerkennung, ich hatte das hier auch schon einmal thematisiert. Und die Katrin hat dazu auch einen interessanten Beitrag geschrieben – sie warnt vor einem quietschbunten Allerlei. Zu einem Problem wird es  für mich, wenn es um nichts anderes mehr geht, wenn dieser Aufmerksamkeit extrem viel (manchmal auch alles) untergeordnet wird. Offensichtlich ist Twitter ein ideales Medium für Menschen, denen es tatsächlich nur um sich selbst geht (Narzissten, wie oben beschrieben). Doch die Frage ist: Wie gehe ich damit um? Ich muss am Leben solcher Selbstdarsteller nicht teilhaben; und wenn ich nicht will, dass sie in irgendeiner Form an meinem teilhaben, blocke ich. Auch die „direct-messaging“-Funktion kann so eingerichtet werden, dass sie nur für Follower offen ist. Der Punkt ist: Mich überrascht es nicht, dass es solche Selbstdarsteller gibt,  und – vielleicht ist das der entscheidende Punkt – es interessiert mich auch nicht (mehr). Es regt mich nicht einmal mehr auf. Es ist mir komplett egal. Es ist ihr Leben, und wenn manche es nur so aushalten, dann ist das eben so.  Weiter schreibt er:

… Wahrnehmung, wonach Twitter sich immer mehr zu einem Ort entwickelte, wo Menschen aus der Kombination von realem Frust und virtueller Wut eine neue Plattform gefunden hatten, diese zu artikulieren. Gegenüber Mitmenschen, Politik und Gesellschaft.

Ich kann verstehen, dass dies frustrieren kann, allein: Aus meiner Sicht hat Twitter das nicht exklusiv. Ein Blick in die Kommentarspalten von reichweitenstarken Medien genügt. Und was mir so weitergereicht wird an Facebook-Bashing in meine Richtung, wenn es um meinen Herzensverein HSV geht, obwohl (oder vielleicht: weil?) ich dort gar nicht bin, zeigt, dass Twitter sich da offensichtlich schlicht nicht von anderen Medien unterscheidet. Das ist sicher keine Entwicklung, die erfreut. Ein Grund für Frustration sollte dies trotzdem nicht sein, sondern eher Ansporn, es selbst einfach anders, sprich so zu machen, dass es sich gut damit leben lässt, dass es sich für einen selbst immer noch richtig und gut anfühlt.

Dabei entwickelt jeder eigene „Bewältigungsstrategien“, meine heißen:  Ich lehne persönliche Betroffenheit in der Regel für mich ab. Mich betreffen die Probleme, die andere so mit etwas oder sich selbst haben, in der Mehrzahl der Fälle nicht. Und: Ich diskutiere nur noch, wenn es wirklich um eine Sache geht. Sobald persönliche Eitelkeiten ins Spiel kommen – und das fällt mir im realen Leben mindestens genauso auf wie virtuell –, klinke ich mich aus. Dieses Konzept ist mir einfach total fremd. Vielleicht kommt das aus meiner Sozialisierung im Osten (der Einzelne zählte da immer weniger als das große Ganze), vielleicht rührt das einer erfahrenen Hilflosigkeit im Agieren her, sobald es um Persönliches geht, vielleicht passt es einfach nicht zu mir. Das bedeutet nicht, dass ich vieles von dem nicht mehr wahrnehme, sondern nur, dass es mich nicht (mehr) erreicht.

So gibt es kein einziges, großes Twitter mehr, sondern Tausende von Schubladen in denen sich Gruppen zusammengefunden haben, die sich gegen Andersdenkende und Anderstwitternde abschotten.

Diesen Eindruck teile ich. Erst neulich beklagte ich, dass diese Filterbubbles vor allem eines auszeichnet: Sie sind nicht mehr permeable. Es gibt keine Chance mehr, aus ihr raus- und irgendwann wieder reinzukommen. Kritikfähigkeit ist extrem gering ausgeprägt, was für mich mit dem immer deutlicheren Selbstdarstellungswillen korreliert; eine Meinung komplett zu ändern, weil Argumente überzeugen – wann und wo gibt es das noch? Das finde ich in der Tat sehr bedauerlich. Übrigens: Auch das hat Twitter nicht exklusiv, dort wird es nur – auch für mich – besonders deutlich.

Doch wie heißt die Lösung? Sicherlich kann die immer nur individuell sein und ist als solche immer zu respektieren. Wenn diese Entwicklungen nicht mehr zum eigenen Konzept passen, wenn sie einem den Umgang mit einem Medium verleiden, dann ist es nur konsequent, sich herauszunehmen. Für mich wäre das immer eine Entscheidung, die ich einzig und allein mit mir selbst abmachte. Ich käme nicht auf die Idee, jemanden danach zu fragen. Und zwar aus einem ganz einfachen Grund: Der Experte für mein Leben, meine Gefühle, meine Ansichten bin ganz allein ich selbst.

PS: Wer den ganzen Blogpost von „Maulwürfel“ nachlesen möchte, klickt hier.

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