Von allem viel und ständig – wie lange halte ich das aus?

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Mir ist da vorgestern etwas passiert:

Und kurz darauf sprach ich eben diesen Kollegen mit dem Vornamen meines Mannes an. Die Kollegin frotzelte sofort los: „Küsst Euch mal, Liebespaar.“ Wir haben alle herzlich gelacht und doch genau verstanden, was los ist. Denn es geht uns allen derzeit so. Es ist alles ein wenig, ach, was sag‘ ich: viel zu viel derzeit. Und es ist nicht nur die Arbeit, die trotz aller Fülle übrigens immer noch verdammt viel Spaß macht.

Es sind die Tausend kleinen Kleinigkeiten, die mich in Atem halten, nicht wirklich zur Ruhe kommen lassen. Inzwischen sieht selbst ein freier Tag bei mir so aus: Frühstück für die Familie machen, Eltern-Lehrer-Gespräch führen (und mich fürchterlich aufregen), Spülmaschine ausräumen, Wäsche erledigen, Teilnahme an Telefonkonferenzen und Mails beantworten (jawohl), Hausaufgaben des Kindes begleiten, Abendessen zubereiten … Zwei Stunden waren für mich, und die habe ich verschlafen. So tief, dass ich ein neben mir liegendes Telefon nicht hörte.

Ich habe keine Antwort darauf und auch keine Lösung des Problems, was noch mehr schmerzt als das Problem an sich. Denn all das, was ich gerade beschrieb, hatte ich so schon einmal notiert, nämlich hier. Im Grunde hat sich diese Situation nicht wirklich geändert, das geht so mit kleineren Unterbrechungen seit sieben Monaten. Das kann doch alles nicht richtig sein, und vor allem: Wie lange halte ich das aus, ohne nicht völlig durchzudrehen? Ist körperliche (!) Erschöpfung der Preis dafür, Beruf und Familie miteinander zu vereinbaren, beides mehr oder weniger gleichberechtigt zu leben?

Wie auf etwas verzichten, das man mag?

Es ist ja nicht so, dass das immer total unangenehme Tätigkeiten sind: Ich mache gerne Frühstück für die Familie, weil ich es liebe, wenn wir schon morgens alle zusammen sitzen und gemeinsam in den Tag starten. Ich habe mich freiwillig dazu entschieden, mich um die Wäsche zu kümmern, weil ich es mag, wenn alle in frischen und gebügelten (!) Klamotten rumlaufen. Ich bin gerne für das Kind da, wenn es Hilfe bei den Hausaufgaben braucht, es tut gut, dem Tochterkind da nahe zu sein. Zusätzlich lerne ich dabei auch etwas, immer. Was es ehrlich interessant macht. Und ich finde auch Telefonkonferenzen gut, wenn sie für Klarheit sorgen, (positives) Feedback bedeuten und mich unter Umständen sogar motivieren.

Irgendwie finde ich es auch schon witzig, dass K1 es so manches Mal für mich, für uns, übernimmt, unsere sozialen Kontakte zu pflegen: Sie weiß, wie es meinen Freundinnen geht, was die Omas so machen, was mein Patenkind bewegt, wie es um einen lieben HSV-Fan steht und was Bremer Fans so meinen … hust. 🙂  Denn zu all dem komme ich kaum noch. Eine absolute Sondermeldung ist es da schon, kurzentschlossen zu einer Freundin 350 km weit zu fahren, weil sie Hilfe braucht.

Nun also der schwerste Teil davon: Wie lässt sich das ändern? Wie kann es funktionieren, dass ich auf nichts verzichten muss, es sich aber besser anfühlt? Denn: Verzichten bedeutete, mir etwas zu nehmen, das mir als Person wichtig ist. Es ist keine Frage der Einstellung: Es würde nicht anders, wenn ich mir eine andere Haltung dazu überlegte – der Leidensdruck kommt nicht von der Psyche, sondern vom Körper, der sich beispielsweise gestern anfühlte, als sei er 48 Stunden wach gewesen. Ich schlafe bestens, nur zu wenig. Ich bräuchte einfach wirklich diesen 30-Stunden-Tag, den ich schon einmal suchte – nur: Es wird ihn nicht geben.

Der Mann schlägt vor, von allem ein klein wenig wegzunehmen. Vielleicht muss ich mir das so vorstellen: Für all das, was mir wichtig ist, gebe ich derzeit immer einen Euro aus. Ich könnte ja mal versuchen, mit 98 Cent auszukommen. Wenn von zehn Dingen die Rede ist, reden wir also schon über 20 Cent pro Tag.  Eventuell führt das letztlich dazu, dass der Euro herauskommt, den es für mein körperliches Wohlsein braucht. Und wenn nicht, legt das K1 noch einen (Euro) drauf: Sie meinte, ich sollte mal eine Woche alleine Urlaub machen, um mich zu erholen. Vielleicht hat die große kleine Maus da einfach Recht.

 

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3 Kommentare Gib deinen ab

  1. Paleica sagt:

    so ein gutes kind ❤ ich versteh dich gut, mir geht es schon ohne kind so, dass ich die 30 stunden dringend bräuchte. im endeffekt lässt sich zeit aber nicht dehnen und wenn du sie dir nimmst, wird sie dein körper irgendwann einfordern. ich drücke dir die daumen, dass du davor eine gangbare lösung findest!

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    1. mrscgn sagt:

      Dankeschön für Dein Mitgefühl. Mein Körper reagiert, er erbricht sich einfach so. Aus dem Nichts. Das Hirn, der Körper – beide brauchen einfach Regenerationsphasen. Wenn diese ausbleiben, wird es eben schwierig. Und da bin ich jetzt. Frustrierend.

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      1. Paleica sagt:

        ja das kann ich mir vorstellen. ich war dort auch. jetzt hab ich meinen rücken. es gibt immer eine notbremse. so weh es tut, man muss einfach manche dinge von der agenda streichen oder die frequenz verringern, das hat bei mir ein wenig geholfen.

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