Mama: Ja. Mamabloggen: Naja.

Als hätte ich es geahnt: Ich bin aus diversen Gründen nicht zur Bloggerkonferenz nach Nürnberg gereist, obwohl ich einige sehr nette Menschen gerne getroffen hätte. Doch das Programm drehte sich um Themen, die inzwischen nicht (mehr) meine sind, das hatte ich hier auch schon einmal ausführlich erläutert. Was passierte nun genau auf der #denkst? Es ging um Themen wie Markenbildung, Selbstvermarktung, Politisierung, Relevanz und auch darum, wie ich als Bloggerin eine „Internet-Welle“ auslöse. Dazu haben Teilnehmerinnen bereits fleißig gebloggt, eine Linkliste gibt es am Ende des Beitrags. Wobei ich sagen muss: Auf das mich beruflich interessierende Thema – Sind Blogger Relations immer gleich Paid Content? – habe ich noch keine Antworten gefunden. Egal. Doch was hat diese Konferenz nun mit den Bloggerinnen gemacht (es sind ja mehrheitlich Frauen)? Bitteschön:

Sie diversifizieren sich. Nachhaltig. Ich will das nicht kritisieren, diese Entwicklung ist sicherlich folgerichtig, und ich bin davon überzeugt, dass Platz für ganz viele Konzepte und Ideen ist. Was mich jedoch ein wenig nachdenklich macht, sind zweierlei Dinge.

Zum einen sind wir inzwischen so weit, dass sich manche Bloggerinnen (und dazu zähle ich auch) davon abgrenzen, Mamablogs genannt zu werden, auch wenn sie Kinderthemen mit ihren Beiträgen streifen. Hintergrund ist: Mama im Blognamen führt bei den Lesern ganz unwillkürlich dazu, die Autorin/Betreiberin des Blogs als Mutter zu sehen – völlig unabhängig davon, was sie zu erzählen hat. Ich kritisiere das nicht, sondern stelle es einfach fest. Für die einen ist das wunderbar, für andere eben nicht. Ich gehöre zu letzteren, ich möchte zuerst als weiblicher Mensch, als Frau, gesehen werden. Als eine mit ganz unterschiedlichen Interessen, zum Beispiel auch für Fußball. Ein Thema, das hier in meinem Blog übrigens die meisten Leser findet. Ich meine: In einem WEIBERBLOG! Ich sage das mit einem breiten Grinsen im Gesicht.

Eine ähnliche Ansicht vertritt Frau Rabe in ihrem Blog. Sie hat das lesenwert in ihrem Beitrag „This is not a mommy blog“ zusammengefasst. (Meine Assoziation war übrigens Madonna im Duett mit Prince: That this is not a love song that I want to sing.) So stolz Mamabloggerinnen auf ihr Label sind, so schade finde ich es, dass es eventuell dem Schubladendenken Vorschub leistet. Und genau in eine solche möchte ich eben nicht gesteckt werden. Ich bin allerdings zuversichtlich, dass sich das alles auch wieder entspannt – eine Bloggerkonferenz ist ja wie eine Lupe, die das Geschehen besonders nahe heranholt, näher, als es vielleicht ist.

Gefragt ist Authentizität

Zum anderen hat dieser Overflow an Marketing-Ideen bei so mancher Bloggerin auch negative Gefühle erzeugt, nachzulesen bei Wiebke, die ernsthaft erwog, mit dem Bloggen aufzuhören, weil sie sich nicht in der Lage sieht, all die in Nürnberg formulierten Ratschläge umzusetzen – es auch gar nicht will. Das machte mich beim ersten Lesen wirklich betroffen. Ein Aspekt, den ich hier herausgreifen möchte, ist der Mythos SEO. Das war einmal.  Die bei Google sind ja nicht blöd. Aus London habe ich erfahren, dass Google diese hyper-optimierten Texte herausfiltert. Gelistet werden vorrangig natürlich geschriebene Texte, nicht solche, in denen 100x die Worte „grüne Schuhe“ wiederholt werden, nur, damit die Seite mit den grünen Schuhen vorne steht. Ich selbst habe mal zum Thema alleinreisendes Kind bei einer Fluggesellschaft gebloggt. Und was soll ich sagen: Ohne irgendeine Optimierung landet der bei entsprechenden Suchanfragen stets weit vorne. Und um das zu erhärten: Wenn ich es richtig gelesen habe, war der meist-geklickte Beitrag bei Frau Finke einer über das Teilen von Yucca-Palmen. Was mir zeigt: Es kommt einfach auf den Inhalt an. Wenn ich etwas schreibe, das es anderswo so noch nicht oder nur in geringem Umfang gibt, finden Leser zu mir – selbst dann, wenn das gar nicht meine Intention ist.

Auch Firmen sind übrigens nicht blöd, sie sichern sich die Dienste von PR-Agenturen, die ihrerseits PR-Fachleute für Blogger-Relations beschäftigen. Das sind in der Regel selbst Blogger, und die wissen genau, wie der Hase läuft. Sie werden ihrem Kunden keinen Blog vorschlagen, der durch-professionalisiert ist, wenn sie authentische, bodenständig gebliebende Blogs finden mit ähnlichen Reichweiten. Denn: Leser wollen sich doch wiederfinden in den Texten und nicht eine unerreichbare Perfektion sehen. Die schwappt doch aus allen anderen möglichen Kanälen bereits auf uns.

Und wie ich vor kurzem hier schon schrieb: Eben weil das Bloggen sich zu einem eigenständigen Format entwickelt hat, das sich von Print-Hochglanzmagazinen und Online-Auftritten der einschlägigen Verlagshäuser unterscheidet, ist es so wertvoll (geworden). Warum sollten Blogger, zum Beispiel aus dem Beautybereich und auch solche, die Elternthemen behandeln, etwas nacheifern, das sie selbst doch so viel anders, vielleicht sogar interesssanter und besser, vor allem persönlicher umsetzen könnten als die klassischen Zeitschriften-Macher?

Mit anderen Worten: Ich plädiere dafür, den Druck rauszunehmen – und zwar ganz grundsätzlich. Bloggerinnen müssen regelmäßig überhaupt nichts. Sie sollten tun (können und dürfen), wonach ihnen ist, ohne sich Gefanken darüber machen zu müssen, ob das politisch passt, ihrem Branding entspricht, dem Feminismus dient oder eine besonders hohe Reichweite erzielt.  Wer nur zum Spaß bloggen möchte, sollte  weder belächelt noch ignoriert werden bzw. sich anhören müssen, was andere sich doch für eine Arbeit machen würden. Die Bloggerinnen sollten ihr Bloggen weiterhin so betreiben können, wie sie es mögen, und dafür wertgeschätzt werden. Wenn sich Frauen und Männer mit einem Blog bestimmte Ziele setzen, ist das maximal okay, in ihrer Verantwortung und ebenso wert, im besten Wortsinn gesehen zu werden.

Mir sind übrigens die kleinen, feinen, nicht durch-gestylten Blogs am liebsten – weil sie mich nicht optisch überfordern, sondern inhaltlich (!) berühren.

 

Die Linkliste (wird laufend ergänzt, manche sind noch nicht dazu gekommen, ihre Erlebnisse zu verbloggen):

AluBerlin zur politischen Relevanz von ElternbloggerInnen: http://www.grossekoepfe.de/2016/04/sind-elternbloggerinnen-politisch.html

Sonja mit ihrem Empowerment-Eindruck: http://mama-notes.de/mein-besuch-auf-der-denkst/

Mutterseelesonnig mit ihrem Bericht und einem fabelhaften Katzenbild: https://mutterseelesonnig.wordpress.com/2016/04/24/wochenende-in-bildern-23-24-april-16/

Eine wunderbare Zusammenfassung der Organisatorin Susanne gibt es hier, sehr lesenswert, wie ich finde: http://ichlebejetzt.com/warum-denkst-16/

Frau Hasenherz bringt für mich auf sehr versöhnliche Weise das Problem auf den Punkt, ein wunderbarer Text: https://2kinderkuechebadbalkon.com/2016/04/27/liebe-in-den-zeiten-der-mummy-wars/

Nachtrag: Aus gegebenem Anlass krame ich noch einmal einen älteren Beitrag von mir heraus. Darin geht es um die Ich-Kultur in der Meinungsäußerung. Anstatt Unverständnis über die Meinungsäußerung eines Menschen zum Ausdruck zu bringen, wäre es ja auch eine Idee, diesem Menschen einfach zuzuhören. Ihn ernstzunehmen mit seinen Gefühlen. Im Gespräch käme dann vielleicht heraus: Dieses Gefühl resultiert vielleicht auch aus den eigenen Erwartungen (siehe Beitrag von Frau Hasenherz), es könnte sich lohnen, darüber nachzudenken. Das grenzte niemanden aus, niemand müsste sich angegriffen fühlen. Das stelle ich mir unter einem Miteinander vor.

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11 Kommentare Gib deinen ab

  1. Mama notes sagt:

    Das „Mama“ im Namen kann auch grundsätzlich feministisch verstanden werden. Ich empfehle dazu den Vortrag von Berlinmittemom, den ich zwar nicht hörte, aber inhaltlich von einem Blogpost her kenne. Ich bin eine Mama, ich stehe mitten in der Gesellschaft, ich blogge, ich nutze meine Stimme, ich habe etwas zu sagen und ich bin stolz darauf, Kindern ein Leben geschenkt zu haben und sie auf ihrem Weg zu begleiten. Weil es eine wichtige Aufgabe ist und weil Mutterschaft (und Vaterschaft übrigens auch, wenn sie hingebungsvoller ist als das alte paternalistische KLischee, aber ich schweife ab) einerseits privat, andererseits eben eine gesellschaftliche Aufgabe ist, streng genommen.

    Vielleicht müssen Leser lernen, Mamas und Frauen wichtiger zu nehmen, als bisher. Die Arbeit kann ich ihnen nicht abnehmen.

    Diese Scheu vor den Blogger*innen, die gerne von ihrem Bloggen leben wollen und das „runtermachen“ ihrer Arbeit „länger als 5 Minuten für ein Essensfoto brauchen“ (bezieht sich auf einen früheren Blogpost von Dir) und auf diverse aktuelle Twitterdiskussionen unter Elternblogger, empfinde ich als zutiefst unsolidarisch. Bitte lass die Leute ihr Geld verdienen, wie sie wollen, nur weil andere Leute diese Dinge als Hobby und somit weniger aufwändig betreiben ist das kein Grund zum Dissen.

    Diese Antwort wird schon wieder so lang, da hätte ich auch gleich bloggen können.

    So. Feierst Du noch Karneval mit mir, nächstes Jahr? 🙂

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    1. mrscgn sagt:

      Liebe Sonja, ich habe fest mit Deinem Widerspruch gerechnet. Die beiden Blogposts zusammen stellen nirgends in Abrede, dass Mütter ihre Blogs monetarisieren möchten. Ich betone immer wieder: Jeder, wie er mag. Aber ich hole in den Vordergrund, was im Hintergrund zu Auswüchsen geführt hat, die m.E. mit der Monetarisierung an sich gar nichts zu tun haben – und das ist der Punkt! Glaubst Du im Ernst, dass Du auch nur einen Euro mehr verdienst, wenn Du das Essen der Kinder kalt werden lässt über das Fotografieren? Was ist das bitte für eine Denke? Wenn Du Deinen Blog für Firmen interessant machen möchtest, dann über Inhalte und Reichweiten, und das weißt Du auch. Und na klar haben Eltern was zu sagen – wo steht das Gegenteil? Dafür musst Du es m.E. aber nicht betonen, einen Mamablog zu betreiben – dürfen Blogs, die sich nicht so nennen, nichts zu dem Thema sagen? Siehst Du.
      Ich disse niemanden, sondern mache kritisch darauf aufmerksam, dass hier etwas aus dem Ruder zu laufen scheint. Marketing, Branding, (altmodisches) SEO – was kommt als nächstes? PR-Agenturen für Blogger? Wo ist da noch der Unterschied zu den klassischen Medien, die wir kennen? Ich bedauere, dass das USP von Blogs (um mal in dieser Sprache zu bleiben), so langfristig verloren zu gehen droht.

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      1. Mama notes sagt:

        Was du da betreibst, ist der Untergang des Abendlands. Nur bezogen auf blogs. Es gibt im übrigen schon Touren. Und nein, das Essen meiner Kinder wird nicht kalt.

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      2. Mama notes sagt:

        „Es gibt übrigens schon PR Agenturen“ sollte das heißen. Blödes Autokorrekt….

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      3. mrscgn sagt:

        PR-Agenturen, die Blogger beraten, für sie schreiben, Media-Relations betreiben, Events organisieren?
        Ach, Du ahnst es nicht …

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  2. Mama notes sagt:

    PS. Natürlich sollen alle Hobbybloggerinnen so bloggen, wie sie wollen. Das hat noch niemand in Abrede gestellt, oder? Tatsächlich ist es aber ein ungelöstes Problem, dass Hobby- und Job-Blogger für Koops angefragt werden und sich beide noch unter Wert verkaufen, wenn man mal bedenkt, was so ein Blogpost dem Produkt an Image, Reichweite, Ranking etc bringt. Der Hobbyblogger hat keine Lust auf diffizile Preisverhandlungen, der Jobblogger schon. Es ist ein ungelöstes Problem, für beide Seiten.

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    1. mrscgn sagt:

      Das Problem des Pricings ist mir bewusst, darum ging es in meinen beiden Texten aber nicht.
      Meine Punkte sind:
      a) Leben und leben lassen. Ich hatte das Gefühl, dass es Teilnehmer der Konferenz #denkst gab, die da ein anderes Empfinden hatten, und das hat mich berührt.
      b) Ich bin kein Gegner von Marketing, sondern weise nur darauf hin, dass die Unterscheidbarkeit zwischen Print-Titeln, besser gesagt: deren Online-Ablegern, und Blogs aus meiner Sicht immer geringer wird. Das ist jedoch ganz sicher nicht monokausal.

      Ganz unabhängig davon bewegen mich natürlich noch ganz andere grundsätzliche Dinge rund um das Mamabloggen, und mich beschleicht das Gefühl, dass Du eher darauf abhebst 😉 , aber die waren nicht Gegenstand der jüngsten Beiträge hier.

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  3. Katharina sagt:

    Mama im Blognamen führt bei den Lesern ganz unwillkürlich dazu, die Autorin/Betreiberin des Blogs als Mutter zu sehen – völlig unabhängig davon, was sie zu erzählen hat.
    Nö, nee. Das sehe ich anders. Oder vielleicht auch nicht. Vielleicht sollten „die Leser“ mal von ihren Mutti-Klischees wegkommen und genau hinsehen, mit wem sie es zu tun haben. Ich hatte mal ein Blog namens „Emanzenblog“, auch das war ein Titel, den die werte Leserschaft mit eigenem Inhalt füllte. Aber das kann man doch nicht die Bloggerin dafür verantwortlich machen, dass die Leserschaft ihr ihre Vorurteile überstülpt?!

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    1. mrscgn sagt:

      Mama ist hier in keiner Weise negativ konnotiert. Es hat doch seinen Grund, dass dort Mama steht, es ist ein Statement – warum denn auch nicht?!
      Mein Punkt ist: Genauso wenig, wie man dieses Label klein machen sollte, (genauso wenig) wäre es unangebracht, es zu überhöhen. Nicht mehr und nicht weniger. 🙂

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      1. Katharina sagt:

        Ist da nicht ein „un“ zuviel? 😀
        Ansonsten gebe ich Dir natürlich recht.

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      2. mrscgn sagt:

        Okay. 😉 Ich hatte es anders gelesen.

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