Zum Muttertag: Große Entscheidungen statt kleiner Zugeständnisse

Als Mutter kenne ich es nur zu gut: Die Kinder bringen aus dem Kindergarten bzw inzwischen aus der Schule Selbstgebasteltes mit und überreichen es am zweiten Mai-Sonntag jedes Jahres feierlich am Frühstückstisch oder schon am Bett. Sie versichern mir, ich sei die beste Mama der Welt, und überhaupt sei alles ganz toll. Als gebürtige Ossi-Frau ist mir dieses Konzept ein wenig fremd (ich kenne eher den Haushaltstag, und den gab es für jede Frau monatlich!), aber niedlich ist das ja irgendwie schon.

Annette, Mutter zweier Kinder und alleinerziehend, besser bekannt als @Mutterseelesonnig, hatte zum Muttertag eine außergewöhnliche Idee: Sie formulierte ihre Wünsche, die sehr politisch sind, als Tweets, dann als Blog, woraus sich dann eine gemeinsame Aktion mit weiteren Beteiligten entspann, den #muttertagswunsch – was hier nachgelesen werden kann.

Was im ersten Moment nach einer Welle von Alleinerziehenden aussah, ist zu einer bundesweiten Aktion geworden, die bereits sehr viel Aufmerksamkeit erhalten hat: nicht nur in den sozialen, sondern auch in den klassischen Medien. Sehr gut. Hier dann also meine Wünsche zu diesem Thema:

Ich brauche kein Kindergeld, ich möchte das Familiensplitting. Und dazu Steuersätze, die mir von meinem verdienten Geld etwas übrig lassen.

Ich gehöre zu der Gruppe von Familien, in der beide Elternteile voll arbeiten.  Das führt dazu, dass wir überall Höchstbeiträge zahlen: zuerst im Kindergarten, dann in der Ganztagsbetreuung der Grundschule. Weiter geht es in den Ferien: Wer als vierköpfige Familie zur Erholung Urlaub außerhalb der eigenen vier Wände machen möchte, findet sich immer in Reisezeit D, sprich der teuersten. Das ist Marktwirtschaft, schon klar, aber für Eltern, die sich ihre Urlaubszeiten nicht aussuchen können, eine klare Benachteiligung. Eltern zu sein muss man sich heutzutage leisten können – eine Fehlentwicklung aus meiner Sicht.
Ein Problem ist: Steuerklasse 4 unterscheidet sich nicht wirklich von Steuerklasse 1.  Die Kinderfreibeträge machen das alles nicht wett – Familiensplitting wäre für mich daher ein Lösungsansatz.

Ich möchte keine Einkommenserklärung machen müssen, wenn es um die Betreuung meiner Kinder geht. Sie muss kostenlos sein für Kinder vom 13. Lebensmonat bis zum Abschluss des 13. Lebensjahrs.

Die frühkindliche Bildung ist aus meiner Sicht eines der wichtigsten Anliegen überhaupt. Ich schätze deren Wert höher ein als das Recht, kostenlos zu studieren. Daher plädiere ich für ein Recht auf kostenlose und qualifizierte Betreuung der Kinder, was natürlich auch mit einer deutlichen Aufwertung des Berufsbildes der Erzieher und Erzieherinnen einhergehen muss.

Ich brauche nicht Chinesisch im Kindergarten, sondern Öffnungszeiten für Vollzeit-Arbeitende.

Was nützt mir ein Kindergartenplatz, wenn die Öffnungszeiten so liegen, dass ich verkürzt arbeiten muss, um das Kind überhaut hinbringen und/oder abholen zu können? Solche Arbeitsplätze gibt es nicht wie Sand am Meer, und die Alternative kann ja wohl nicht sein, dann zu Hause bleiben zu müssen. Es gibt auch Eltern, die in Schichten arbeiten müssen, Polizisten zum Beispiel, oder auch alle, die im Gesundheitswesen, also im Krankenhaus oder in der ambulanten Pflege, arbeiten. Für sie wünsche ich mir eine deutlich bessere Vereinbarkeit!

Ich brauche keinen einen besonderen Tag, um als Mutter gewürdigt zu werden – ich möchte als berufstätige Frau Kinder haben können, die auch sicht- und spürbar sein dürfen.

Es gibt tatsächlich Chefs, die zu ihren weiblichen Angestellten sagen: Du kannst gerne Kinder haben, aber wir dürfen das hier nicht merken. Ich möchte daher entsprechende Rahmenbedingungen, die Homeoffice selbstverständlich und nicht exotisch machen. Und ich hätte gerne ein Umfeld, in dem meine erste Sorge dem (eventuell einmal kranken) Kind gelten kann und nicht dem Wohl eines Vorgesetzten oder eines Kunden.

Und wer jetzt fragt, wie das alles bezahlt werden soll, dem sage ich: Lasst uns einmal den gesamten staatlichen Subventionskatalog durchforsten und die Summen betrachten,  und zwar nicht nur für jene Subventionen, die Familien betreffen. Darüber hinaus rege ich eine angemessene Vermögenssteuer an.

Darüber hinaus schließe ich mich diesem Wunsch gerne an:

Wobei: Eigentlich bin ich dann schon wieder ein wenig missmutig, dass es genau zwei Tage im Jahr gibt, an denen ich nicht als Erste aufstehe, um mich um das leibliche Wohl der Familie als Ganzes zu kümmern – meinen Geburtstag und eben den Muttertag.

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