Zehn Gründe, warum ich es hasse einzukaufen

Es ist Samstag, und das ist bei uns der Tag des Wochenend-Wochen-Einkaufs. Dafür gibt es immer eine umfangreiche Liste, die wir hier alle gemeinsam abstimmen und erstellen. So weit, so gut. Doch wenn ich einkaufen muss (und das ist aus hier völlig irrelevanten Gründen regelmäßig der Fall), löst das in mir schreckliche Gefühle aus. Ich habe ehrlich einen echten Hass auf diese Art Einkauf entwickelt. Der Mann hat mir empfohlen, das einfach mal aufzuschreiben, so als eine Art Reflektions-Therapie, also bitte: Hier meine zehn Gründe, warum ich das Einkaufen von Lebensmitteln und was so dazu gehört, ganz furchtbar und schlimm finde:

Erstens:

Ich muss Läden betreten, die häufig nicht gut riechen. Das ist sicher schon besser geworden als noch vor ein paar Jahren, aber eben immer noch recht speziell. Wenn es nicht gleich morgens früh und aufgeräumt ist, dann ist vielleicht irgendwo was ausgelaufen, oder es stehen Kartons rum, oder es werden nicht mehr so frische (sprich: müffelnde) Sachen aussortiert und stehen herum … es riecht einfach nicht angenehm für meine empfindliche Nase. Daraus ergibt sich auch …

Zweitens:

Ich muss Menschen um mich herum ertragen, die stinken. Ich sage es hier, wie es ist. Es müssen ja auch Leute einkaufen, die es mit der Körperpflege nicht so genau nehmen, und die sind eben auch samstags unterwegs. Sie begegnen mir im Gang, an irgendwelchen Regalen, am Wurst- oder Fleisch-Stand, an der Kasse – ich kann ihnen nicht wirklich entkommen. Für mich eine Tortour.

Drittens:

Das Problem mit dem Zeitpunkt: Wenn ich den Einkauf  freitagabends erledige, ist das Angebot an frischen Dingen nicht so gut. Verständlich, denn um 19 Uhr lädt keiner frische Erdbeeren ab.  Komme ich samstagmorgens, ist vielleicht noch nicht alles ausgepackt, auch schon erlebt. Fahre ich am frühen Vormittag des Samstags, ist es unerträglich voll. Am Nachmittag genauso, und abends ist es zu spät, wir brauchen ja etwas zu essen. Ich muss also irgendwie gegen halb 9 im Laden sein – ausschlafen am Samstag geht für mich irgendwie anders.

Viertens:

Wenn ich einkaufen gehe, dann halte ich mich zu 99 Prozent an die Liste, lade das ein, was drauf steht, und bin weg. Das gelingt aber nicht, wenn ein Kind oder gar beide (Stresslevel am Anschlag!) oder der Mann dabei sind, und einer will in der Regel immer mitkommen. Alle haben mit dem Einkaufen mal so gar kein Problem, K1 liebt es geradezu, sie könnte Stunden so verbringen. Aber mich strengt das an. In jeder Hinsicht. Ich will nicht, dass man mir sagt, was gerade im Angebot ist. Ich will nicht, dass man mich fragt, ob ich die Butter von der oder einer anderen Marke möchte. Und ich will auch nicht gefragt werden, welchen Joghurt ich gerne hätte, denn ich brauche keinen.

Fünftens:

Einzukaufen bedeutet, nicht nur in einen Laden zu fahren, sondern in verschiedene. Denn: Ich bekomme all das, was ich gerne hätte, nicht in einem Laden. Dieses „einmal hin, alles drin“ ist Werbung (sprich: übertrieben), und sonst nichts! Beispiel: Ich kaufe ausschließlich Bio-Eier und hätte da gerne eine gewisse Mindestgröße. Die gibt es nicht überall. Der eine Laden, in dem ich das Meiste einkaufe, führt nur Größe S oder eben Non-Bio. Oder: Ich mag gerne eine bestimmte Sorte Mineralwasser, und zwar in Glas-Flaschen, weil mir das Wasser besser schmeckt. Mich stresst es brutal, wenn ich dieses Einkaufsdrama auch noch in mehreren Akten erleben muss. (Nun könnte man an dieser Stelle einwerfen: Selbst schuld, was bist Du auch so anspruchsvoll. Ja nun. Ich nehme es ja auch auf mich, aber ich muss es deswegen ja noch lange nicht mögen!)

Sechstens:

Es dauert mir alles zu lange. Der Fahrtweg ist wirklich noch das Kürzeste, und ich nutze das Auto nur deshalb, weil es für eine vierköpfige Familie einfach eine Menge Zeuch ist. Aber bis der Parkplatz gefunden ist, ich im Laden bin und dort auch alles eingesackt habe, vergehen gefühlte Stunden. Tatsächlich ist alles i. d. R. nach einer Stunde erledigt, aber ich meine: eine Stunde Lebenszeit! Ich will mich in Läden, in denen ich mich nicht wohlfühle, nicht so lange aufenthalten.

Siebtens:

Das Anstehen. Ich finde das extrem schlimm und leide sehr darunter. Nun bin ich gelernte Ossi-Frau und sollte das gewohnt sein. Das Gegenteil ist der Fall. Ich habe mich früher nirgends angestellt und mache das heute noch äußerst ungern. Bei uns zu Hause gab es dann eben keine Bananen oder Kirschen, denn meine Eltern fanden Anstehen genauso blöd. Wir verzichten auch heute noch lieber, als dass wir uns irgendwo lange anstellen. Seit es Smartphones gibt, ist es erträglicher  geworden, aber grundsätzlich ist für mich Anstehen eine mittlere Katastrophe.

Achtens:

Diese irre Auswahl manchmal. Ja, ich bin ein Ossi-Kind. Es kommt tatsächlich vor, dass mich so etwas überfordert. Habt Ihr eine Ahnung, wie viele Sorten Mango-Chutney es gibt? Oder Erdbeermarmelade? Oder Schinken? Ich rede noch gar nicht über Käse- oder Joghurtsorten. Bei letzterem soll ich immer darauf achten, ob es welche gibt mit Kuchen darin. Ich meine: Kuchen im Joghurt! Ich hasse Einkaufen.

Neuntens:

Der Kassierprozess. Darüber könnte ich stundenlang reden. Das hängt damit zusammen, dass ich als Studentin selbst einmal an der Kasse gearbeitet habe, ich weiß hier also sehr gut, worüber ich rede. Und ja, es gab da schon die Scanner-Kassen, allerdings wurde da noch mit Scheck und ec-Karte gezahlt, wenn es eben nicht bar sein sollte.
Zum einen: Die Laufbänder sind sehr unterschiedlich lang. Vor allem hinter der Kasse, also wenn die Waren gescannt wurden und abgelegt werden müssen, ist extrem wenig Platz. Ein guter Kassierer wartet am besten, bis der Kunde alles aufs Laufband gelegt hat, bis er mit seinem Wagen (oder seinen Tüten/Kisten) zur Kasse kommt, um all die gecannten Artikel einzupacken. Das hat den Vorteil, dass es sich eben nicht neben dem Scanner stapelt, manches herunterfällt oder ähnliches. Klingt logisch, oder? Beherzigen nur die wenigsten. Selbst, wenn ich ausdrücklich darum bitte. Es regt  mich auf!
Zum anderen: Diese merkwürdigen Fragen der Kassierer. Haben Sie eine Paybackkarte? Sammeln Sie Treuepunkte? Hatten Sie Leergut? Haben Sie ein Parkticket? Alles gut gemeint, aber ich lege alles, was mich betrifft, immer artig auf dieses kleine Plastikdings am Scanner, mich muss man nichts fragen. Ein Blick nach oben (also weg vom Scanner) würde das sofort klären. Aber das wäre ja zu viel verlangt. Es regt mich auf!

Zehntens:

Diese Plackerei mit der Packerei: Erst einmal muss alles in den Einkaufswagen. Bei den meisten Dingen kein Problem, bei den Getränken wird es gewichtiger. Diese müssen dann aufs Laufband, von diesem wieder herunter, vom Wagen ins Auto, vom Auto zum Fahrstuhl, aus dem Fahrstuhl in die Wohnung. Macht das mal mit mehr als nur ein bis zwei Trägern (Wasser, Milch o.ä.).

Natürlich könnte ich, wenn mich das alles doch so nervt, auch online bestellen und mir alles liefern lassen. Doch was soll ich sagen: Das löst nur ein Teil der Probleme. Die Auswahl ist eingeschränkt, was nicht zwingend nachteilig ist, aber ich komme mit einem Lieferdienst somit nicht aus. Ich brauche ewig, bis ich auf den Seiten das gefunden habe, was ich haben will. Ich habe keinen Zeitgewinn, kann aber zumindest den Zeitpunkt besser auswählen. Und ganz wichtig: Bei bestimmten Dingen möchte ich sehen, was ich da mitnehme, besonders beim Obst und Gemüse. Auch beim Fleisch oder der Wurst will ich genau hinschauen. Das geht online nun mal nicht. Da geht jemand für mich durch den Laden, und mein Vertrauen hält sich da wirklich in Grenzen.

Wenn ich das nun so überblicke, könnte ich verzweifeln. Einzig tröstlich ist: K1 liebt es einzukaufen und übernimmt schon ganz viel. Denn habe ich was vergessen, oder ist unter der Woche etwas zu holen, erledigt sie das immer freudig und mit einer Engelsgeduld – vermutlich auch, weil die meisten Läden kostenfreies WLAN anbieten. Ich freue mich auf den Tag, da sie den Führerschein hat und alles selbst erledigen kann. Sie wird juchzen vor Freude, und ich kann entspannt den Frühstückstisch decken. Zu blöd, dass das noch mindestens fünf Jahre dauert.

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2 Kommentare Gib deinen ab

  1. Hachja. Sehr, sehr, sehr, sehr schön. Ich teile die allermeisten Emotionen nicht, aber den Text finde ich ganz wunderbar! 🙂

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    1. mrscgn sagt:

      Dankeschön. Ich musste schon auch grinsen, als ich es meinem Mann vorlas.

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