Sechs Modi braucht das Mutti

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Achterbahn. Wellen. Karussell. Um Gefühle zu beschreiben, finden sich immer großartige Bilder. Doch was macht ein verkopfter Mensch wie ich: Er strukturiert und kategorisiert. Um es für sich klar zu haben. Damit es sich gut anfühlt, ha! Also: Als Mutter, ich nenne mich sehr gerne das Mutti, habe ich bei mir beobachtet, dass ich in verschiedenen Modi meinen Kindern gegenüber agiere. Das ist wahrscheinlich meine Art, um mit den immer wieder wechselnden und den sich voneinander sehr unterscheidenden Herausforderungen zurechtzukommen, die sich mir so stellen. Das ist an manchen Stellen durchaus lustig, an anderen jedoch auch ein wenig bedrückend, aber nun ja: So empfinde ich das Mutterdasein ja auch. Bitteschön:

Nr. 1 Normal-Modus

Das ist der Alltagsmodus. Einer, der sich gefällig von selbst einstellt, wenn alles so weit passt, ich mich nicht auseinandersetzen, keinen Streit schlichten, keine Aufräumaktion anmahnen oder Konsequenzen androhen muss. Der fühlt sich besonders gut an, wenn ich mit den Mädels alleine bin, morgens vor allem. K1 und ich sind Frühaufsteher, und wenn die pubertierenden Hormone nicht gerade Tango tanzen, dann haben wir beide von Haus aus morgens gute Laune. K2 schafft das im ausgeschlafenen Zustand auch, ersatzweise hilft irgendwas mit Ei zum Frühstück. Ein äußerst wünschenswerter Modus, aber wir leben ja nicht im Wunderland.

Nr. 2 Gelassenheits-Modus

Es gibt Momente, in denen es gilt, eine wichtige Entscheidung zu treffen: Ist mir das, was gerade gewünscht oder gar gefordert wird, wichtig? Wenn nein, schalte ich in diesen Gelassenheitsmodus. Ich wäge ab, entscheide und bin extrem milde. Manchmal merke ich mir auch bestimmte Dinge und spreche sie später noch mal an. Das greift dann, wenn es grundsätzlich bedeutsam war. Ein wunderbarer Modus. Er entspannt, löst viele doofe Situationen auf und hält den Blutdruck auf Normalniveau.

Nr. 3 Business-Modus

Wenn der Normalmodus aufgrund irgendwelcher Umstände nicht greift und der Gelassenheitsmodus aus Gründen sich nicht einstellen lässt, dann schalte ich weiter in den Business-Modus, und der ist phänomenal: Irgendwie geht alles, wenn ich es mit geschäftlichen Dingen begründe. Leise sein, weil telefoniert werden muss? Kein Problem. Bei mir bleiben, damit wir uns nicht verlieren in einer Messehalle? Aber sicher doch. Hallo und Auf Wiedersehen sagen? Das machen sie von ganz allein , ohne dass ich das vormachen muss. Die Kinder sind offensichtlich fasziniert von meiner Arbeit (besonders auf Messen) und verhalten sich intuitiv so, als wären sie in einer anderen, für sie nicht gewohnten Welt, die aber spannend ist. Leider klappt das nicht so wirklich zu Hause, hier nehmen mir die cleveren Mädels diesen Modus nicht ab.

Nr. 4 Abgrenzungs-Modus

Der wird in verschiedenen Situationen nötig. Eine ist, wenn meine Kinder meinen, sich mit mir vergleichen zu müssen, etwa so was hier: Wieso darfst Du das schauen und ich nicht? Warum kannst Du so lange aufbleiben und ich nicht? Ich lasse Vergleiche solcher Art nicht zu: Ich bin ich, sie sind sie. Wir sind gleichwürdig, aber eben nicht gleich. Muss immer mal wieder klargestellt werden. Wichtig ist dieser Modus auch, wenn es dringend nötig ist,  etwas nur für mich zu tun, etwa im Bad. Ich muss nicht 24/7 verfügbar sein, das Recht auf Privatsphäre hat hier jeder – ich als das Mutti auch.

Nr. 5 Eskalations-Modus

Wenn man als Mutti nicht irgendwann des Wahnsinns fette Beute werden möchte, ist Eskalation ein Mittel. Ich habe da so verschiedene Dinge ausprobiert, die sich im Nachhinein nicht alle als tauglich erwiesen haben, mit Gegenständen um mich zu werfen beispielsweise, oder auch mal ein herzhafter ganz allgemeiner Brüller (wer den Film „Cabaret“ kennt, weiß, was ich meine). Dennoch interessant zu beobachten, welchen Eindruck das auf die Kinder machte. Heute bedeutet Eskalation: Klare verbale Ansprache, Thematisierung dessen, was bestimmtes Verhalten mit dem Mutti macht. Wie es ankommt, wie es wirkt, was die Kinder da tun. Ich rede in solchen Fällen davon, wie weh mir tut, wenn mein Vertrauen ausgenutzt wird, wenn bestimmte Regeln nicht eingehalten werden. Die Kinder sind inzwischen so alt und verständig, dass sie sehr gut einordnen können, was da gerade passiert.

Nr. 6 Funktionier-Modus

Dafür, dass ich die Möglichkeit habe, in diesen Modus zu wechseln, bin ich inzwischen fast ein bisschen dankbar. Der greift nämlich genau dann, wenn eigentlich gar nichts mehr geht. Wenn alles über den Kopf wächst, wenn alles nur noch nervt, wenn es im Grunde nur noch zum Heulen ist. Dann passiert bei mir irgendwas im Hirn, das mich Dinge fast wie ein Roboter tun lässt. Emotionslos, beharrlich. So cool dieser Modus manchmal ist, weil Dinge eben doch irgendwie gelingen oder eben funktionieren, zu denen ich mich eigentlich überhaupt nicht in der Lage sehe, so traurig macht es mich, dass er sich immer öfter einfach so einstellt. Heißt: Die Emotion verabschiedet sich, das Gefühl für mich selbst geht um der Sache Willen verloren. Ich spüre dann nicht einmal mehr den kalten Fliesenboden im Bad unter den Füßen. Ist das Wasser in der Wanne warm oder doch schon heiß?

Das Tröstliche oder besser Versöhnliche an diesen Modi ist, dass es immer einen Weg hin oder weg von ihnen gibt. Der eine Weg ist schwieriger als der andere, aber es gibt ihn. Mir selbst half und hilft es sehr, um die Existenz dieser Möglichkeiten, sich zu verhalten, zu wissen. Denn wer im Tal sitzt, freut sich doch, wenn er weiß, dass die Bergspitze nicht unerreichbar ist.

 

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