Serienmäßig – meine Top5 aus fünf Jahrzehnten

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Auf Twitter laufen derzeit verschiedene Meme, die auf Ranglisten oder -folgen abzielen: die ersten sieben Sprachen, die ersten sieben Jobs, die liebsten Filme, die liebsten Serien und so weiter. Bei den Serien kommen relativ häufig immer die gleichen Titel, der Geschmack derjenigen, die auf Twitter unterwegs sind (und in meiner TL sind), scheint ähnlich zu sein. Mich hat eben das Thema angefixt, doch schnell habe ich bemerkt: Die fünf oder sieben liebsten Serien reichen für mich nicht aus. Vielleicht bin ich dafür auch einfach zu alt. Um ein paar alte Schätzchen ins Licht zu holen, habe ich einmal jahrzehnteweise ausgewertet, was ich wirklich gerne gesehen habe. Mein „Sehen“ ist übrigens nicht unbedingt gleichbedeutend mit dem Erst-Ausstrahlungstermin.

Die 70er
  • Zur See: Eine Serie aus der DDR, die den Alltag auf einem Hochsee-Schiff beleuchtete. Ich mochte den Hauptdarsteller Horst Drindsa sehr.
  • Das Krankenhaus am Rande der Stadt: Meine absolute Lieblingsserie aus dieser Zeit, und zwar jene mit der DDR-Synchronisation. Logisch, dass ich ab diesem Moment Ärztin werden wollte. Eine wie Alžběta Čeňková, versteht sich. Hier war wenig heile Welt, eher menschliche Tragödien. Ich mochte die Geschichten trotzdem. Ein Dialog hat sich mir hier übrigens besonders eingeprägt. Dr. Štrosmajer beschwerte sich über Schwester Huňková, und Dr. Sova sagt ihm hier: Wissen Sie denn nicht – Sie dürfen allen sagen, dass sie dumm sind, nur jenen nicht, die es am meisten betrifft.
  • Unsere kleine Farm: Ein Klassiker, ich sah regelmäßig zu. Ich freute mich Laura, als sie endlich ihr privates Glück in der Serie fand.
  • Pan Tau: Diese Serie lief leider nur im ZDF, daher sah ich nur selten. Aber wenn, hat sie mir extrem gut gefallen. Der Herr mit dem Hut, mit dem er sich selbst unsichtbar machte, war so kinderfreundlich.
  • Eine amerikanische Familie: Das war meine Vorabendserie, ich fühlte immer mit der jüngsten Tochter Buddy mit, deren Namen ich damals wie heute für sehr merkwürdig hielt und halte.
Die 80er
  • Der Denver-Clan: Zu dieser Zeit liefen Dallas und Denver Clan ja parallel, und ich mochte die Serie mit der starken Frau Alexis einfach lieber. Die Menschen fand ich schöner, die Typen irgendwie cooler. Es war die Zeit der monströsen Schulterpolster, und zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich zeitweise eine ähnliche Frisur trug wie Krystle.
  • Die Schwarzwaldklinik: Es galt, pünktlich zu Hause zu sein, um keine Folge dieser Serie zu verpassen. Doch, ich gebe es ehrlich zu, ich habe nahezu alle Folgen gesehen. Eigentlich auch logisch, denn das Konzept basierte ja auf jenem der sehr erfolgreichen Serie „Das Krankenhaus am Rande der Stadt“.  Allerdings war hier doch viel mehr heile Welt als in der tschechischen Serie, wo Beziehungen reihenweise scheiterten, was weh tat. In der Schwarzwaldklinik fand Dr. Brinkmann jun (Sascha Hehn) immer schnell eine neue Partnerin, sein Vater blieb seiner Christa treu und bekam mit ihr noch ein Kind … Aber ich mochte das alles irgendwie schon. Heute hat das fast schon Fremdschäm-Potenzial, aber wenn ich sehe, dass meine große Tochter „In aller Freundschaft – die jungen Ärzte“ liebt, fühle ich mich gleich verstanden.
  • Hart aber herzlich: Ein Klassiker, der heute noch irgendwie funktioniert, wie ich finde. Jonathan und Jennifer Hart sind einfach eine Wucht zusammen, Max und der Hund Friedwart ergänzen das Paar perfekt. Es wirkte alles immer so herrlich leicht und einfach. „Hallo Seemann“ hat heute noch für mich eine ganz spezielle Bedeutung …
  • Liebling Kreuzberg: Der Wackelpudding-König. Ein Anwalt, der was kann halt. Ich fand den Krug großartig in dieser Rolle.
  • Remington Steele: Mein All-time-Favourite. Pierce Brosnan! Und noch mal: Pierce Brosnan. Erinnert sich noch jemand an seine Partnerin, die eigentliche Privatdetektivin? Stephanie Zimabalist? Genau. Faszinierend fand ich hier besonders, dass die Figur Steele immer zur passenden Gelegenheit eine Filmszene einfiel inklusive Erscheinungsjahr, Regisseur und Hauptdarsteller. Phänomenal.
Die 90er
  • Beverly Hills, 90210: Ich habe diese Serie nicht so regelmäßig verfolgt, aber wenn, bot sie lockere Teenie-Unterhaltung. Dylan fand ich cool. (20 Jahre später schaute ich dann Blue Water High mit meinen Kindern und konnte mich dafür auch irgendwie begeistern.)
  • Lindenstraße: Ich weiß, dass diese Serie schon in den 80ern startete, aber ich wurde zu einem partiell regelmäßigen Seher in den 90ern. Ich beteiligte mich sogar im Chatroom auf der Website der Lindenstraße.
  • Raumschriff Voyager: Mein Highlight in den 90ern. Ich habe wirklich alle Folgen gesehen, entweder im TV oder später dann auf DVD. Die Figuren sind mir wirklich ans Herz gewachsen; unsere erste Katze haben wir Jeri genannt – nach der Darstellerin der Seven of Nine, Jeri Ryan.
  • Der Bulle von Tölz: Ich lebte in den diesem Jahrzehnt in München, daher lag das irgendwie nahe. Ich mochte den Dicken zusammen mit der Figur Sabrina, die ihn Hase nannte … (Daher kommt das, Hase!).
  • Bella Block: Hannelore Hoger ist eine wunderbare Schauspielerin, und die Figur Bella Block schien ihr auf den Leib geschrieben worden zu sein. Ich fand sie großartig darin. Es ist eigentlich keine Serie in dem Sinne, aber ich  habe damals eigentlich keinen Film verpasst.
Die Nuller-Jahre
  • Kommissar Beck: Auch das ist keine Serie in dem Sinne, aber eben doch eine Reihe. Und ich fing hier an, die nordischen Krimis für mich zu entdecken – ich mag sie bis heute und lese inzwischen am liebsten die Bücher skandinavischer Krimiautoren. Mein absoluter Held: Gunvald. Der Schauspieler Mikael Persbrand hat wundervolle blaue Augen und spielt diese Rolle grandios, wie ich finde. Eckig, kantig, arrogant, aber immer mit Leidenschaft bei der Sache, ich mag das, heute noch.
  • Lie to me: Das ist eine der interessantesten Serien, die ich je verfolgt habe. Mikroausdrücke, um zu erkennen, ob jemand lügt oder nicht. Es hat meinen Blick zumindest geschärft, und es ist spannend, die Mimik und das Gesamtverhalten von Menschen durch diese „Brille“ zu verfolgen. Wir haben sie hier auf DVD, ich werde sicherlich noch öfter mal reinschauen.
  • Friends: Diese Serie stammt aus den 90ern, ich weiß, aber ich entdeckte sie für mich erst in den Nuller Jahren. Ich lieh mir von einer Freundin die DVD aus und habe alles komplett angeschaut. Herrlich. Wichtig, dass Ross und Rachel zum Schluss doch noch zusammen kamen, ich hätte es den Autoren der Serien nicht verziehen, wenn sie das nicht so hineingeschrieben hätten …
  • Californication: Inzwischen wohl schon Kult, ich habe im TV nur die ersten beiden Staffeln verfolgt, die anderen liegen hier als DVD. Legendär, wie Hank Moody auf ein Gemälde kotzt. Oder als er einem Typen auf dem Klo begegnet, der ihm sagt, sie sollten einander nicht beleidigen, so lange sie „ihn“ draußen hätten. Darauf Hank: Du hast ihn draußen?
  • Sex and the City: Ich habe diese Serie geliebt. Wirklich. Auch wenn ich mich heute frage, was ich an einer Carrie Bradshaw eigentlich gut fand. Mir ist im Verlauf der Serie nie klar geworden, wie sie das finanziell als Kolumnenschreiberin hinbekommen hat, sich in der Welt, in der sie sich laut Drehbuch bewegte, zu halten. Aber Mr. Big riss alles raus, was für ein Mann! Die beiden Kinofilme reichen für mich an die Serie übrigens nicht heran.
Die 10er
  • Sherlock: Benedict Cumberbatch. Hach. Diese Filme bestechen durch den besonderen Schnitt, die unfassbar spannende Erzählweise mit überraschenden Wendungen und grandiose Schauspieler. Ich habe alle Filme dazu hier; sie sind so wunderbar, dass ich sie mir gerne auch ein drittes, viertes und fünftes Mal ansehe. Auch und am besten im Original.
  • Die Brücke: Saga Norén, Kripo Malmö. Eine leicht autistische Kommissarin ermittelt mit jeweils einem dänischen Kollegen. Spannend, düster, fesselnd. Alle drei Staffeln.
  • Life: Spannende Geschichte. Ein Polizist wird zu Unrecht verurteilt, kommt nach zwölf Jahren Haft frei und wird mit 50 Millionen Dollar entschädigt. Er müsste eigentlich nicht mehr arbeiten, kehrt jedoch in seine Dienststelle zurück, um letztlich nur eines zu klären: Wer hat damals dafür gesorgt, dass er verurteilt wurde? Der Schauspieler Damian Lewis macht das grandios. Erst in der allerletzten Folge klärt sich alles auf, zwar weniger spektakulär als erwartet, aber dennoch starke Serie.
  • Inspector Banks: Erinnert vom Namen her ein wenig an Barnaby, ist aber ganz anders. Rauher, kantiger, brutaler. Englische, klassische Krimikost, die ich deutlich mehr mag als diese amerikanischen Serien.
  • Tatortreiniger: Den muss ich als (immer noch) HSVer ja mögen. Schotti kommt, wenn das Verbrechen schon längst Geschichte ist. Erzählt werden dabei ganz zauberhafte Geschichten. Tolle Schauspieler jedes Mal.

Es ist erstaunlich, auf wie viele unterschiedliche Serien oder Reihen ich beim Nachdenken darüber gekommen bin und mir in Erinnerung gerufen habe. Der Geschmack hat sich im Laufe der Jahre geändert, mich fesseln heute mehrheitlich düstere, brutale Krimis, gerne aus England (auch: The Fall, Broadchurch) oder eben Skandinavien (auch: Wallander). Nicht nur der Geschmack, auch die Häufigkeit des Sehens ist heute eine andere. Fernzusehen gehört nicht zu meinen Lieblingsbeschäftigungen, umso selektiver verhalte ich mich. Dennoch, oder vielleicht auch gerade deshalb: Die Fernsehwelt wäre ohne die Serien um einiges ärmer.

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Ein Kommentar Gib deinen ab

  1. George sagt:

    Kann ich alles auch von mir sagen. Bis in die Nuller Jahre, da ging mein TV Konsum drastisch zurück. Heute sehe ich kaum noch fern, ich bin fast nur noch von Twitter und aus Gesprächen auf dem Laufenden, was es alles an Serien gibt.

    Gefällt 1 Person

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