DFB-Pokal: Ein anderes Spiel des HSV

Mein letzter Beitrag zum HSV in diesem Blog datiert vom 16.01.2016, schon etwas her. Ich habe seitdem im TV kaum ein Spiel mehr in voller Länge verfolgt, immer lief Konferenz, oder ich habe es gar nicht erst geschaut. Ich hatte das in diesem Blogpost erklärt. Nun haben wir eine neue Saison, und ich wollte mir zumindest einmal ein Spiel ansehen, um überhaupt eine Idee zu bekommen, wie es derzeit läuft. Wenn die Administration mich schon komplett ernüchtert und vom Verein weggeführt hat – dieser Eindruck verfestigte sich mit dieser Transferperiode weiter (5,5 Mio für Halilovic, für den Barcelona eine Rückkaufoption hat) – vielleicht hatte das Spiel der Mannschaft das Zeug dazu, mich wieder für den HSV zu begeistern.

Der HSV spielte in der ersten Runde des DFB-Pokal gegen den FSV Zwickau, einen Verein, der in der vergangenen Saison in die dritte Liga aufstieg und mit dem HSV sein neues, wirklich schmuckes Stadion für rund 10.000 Fans einweihte. In der Vorberichterstattung sammelte der Verein viele Pluspunkte bei mir, ein durch und durch sympathischer Sportdirektor David Wagner, der diesen Job noch nicht einmal einen Monat macht, Fans, die so herrlich sächsisch Zwicke (statt Zwickau) sagen, und eine Stadionwurst mit Namen „Zwicki“ – ein Verlierer sieht irgendwie anders aus, war mein Gedanke. Es kam anders, 0-1 verloren die Sachsen, der HSV gewann knapp, aber durchaus verdient.

Schneller und konsequenter

Für mich war jedoch nicht in erster Linie das Ergebnis interessant, sondern ich wollte wissen: Wie schlägt sich der neue HSV, der schon wieder mit reichlich Geld (für HSV-Verhältnisse) aus der Schweiz aufgepimpt wurde? Und ich gebe zu: Was es zu sehen gab, war anders als das, was die Spieler in der vergangenen Saison angeboten hatten – und komplett verschieden von dem Auftritt vor einem Jahr in Jena: Es ging alles mal mindestens eine Gangart schneller, es gelangen lange Ballstaffetten (ok, der Gegner presste  nicht immer konsequent und erfolgreich), ich sah da eine Mannschaft, die spielen und gewinnen wollte, es wurden Torchancen herausgespielt. Es fiel auf, dass unheimlich viel über links angeschoben wurde (Kostic), in der Mitte wirkte Wood erwartungsgemäß noch nicht ganz so präsent. Einzig die Chancenverwertung passte nicht zum durchaus couragierten Auftritt des HSV, den ich so nicht erwartet hatte. Daran hatte allerdings auch der gut aufgelegte Torhüter von Zwickau, Johannes Brinkies, seinen Anteil, der einige gute Möglichkeiten vereitelte. Die Hamburger Abwehr mit Djourou und Cleber machte einen ruhigen und abgeklärten Eindruck, es kam zumindest nicht das altbekannte Gefühl auf, dass hinten alles lichterloh brannte.

In der zweiten Halbzeit wurde Zwickau mutiger und auch stärker. Wieder hatte ich den Eindruck, dass der HSV nach der Halbzeit nicht sofort richtig bei der Sache war, das Ergebnis war, dass Zwickau öfter in des Gegners Hälfte vorstoßen konnte, Eckbälle und Freistöße herausholte. An der Stelle muss der Schiedsrichter erwähnt werden, der für mein Verständnis sehr einseitig pro HSV pfiff – eine übrigens sehr seltene Konstellation, HSVer kennen das in der Regel genau anders herum. Dass Zwickau nun initiativer wurde, sorgte natürlich auch für etwas mehr Platz, den Halilovic mit einer feinen Einzelaktion nutzte und sehenswert abschloss. Der HSV bemühte sich darum, das Spiel zu entscheiden, scheiterte aber immer wieder am Torwart oder auch an sich selbst (Gregoritsch). Sei es drum: Das war auf dem Platz ein anderer HSV, als ich ihn zuletzt erlebte.

Nun war das nur ein Spiel gegen einen Gegner aus der dritten Liga. Aus meiner Sicht besteht daher kein Grund, in Euphorie zu verfallen, es gibt schon noch einiges, das sich im Laufe der kommenden Wochen verbessern muss: Labbadia lässt nach wie vor im 4-2-3-1 spielen, löste das mit der Einwechslung Lasoggas jedoch auf – zu spät, um mir als Laie Erkenntnisse zu bringen. Gegen Bundesliga-Vereine wird eine weitere Tempo-Steigerung nötig sein, und es braucht flexible Lösungen für Spielweisen von Mannschaften, die sich von der des FSV Zwickau sehr unterscheiden. Dazu kommt, dass die kommenden Gegner sich auf den HSV einstellen werden – dem müssen die Spieler auf dem Platz mehr entgegensetzen als Pässe auf Kostic und seine Flanken in die Mitte. Aber immerhin, und das stimmt vorsichtig optimistisch, startet die Mannschaft mit einem Erfolgserlebnis und somit (hoffentlich) einer anderer Mentalität als vor einem Jahr in die neue Liga-Saison.

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2 Kommentare Gib deinen ab

  1. Willkommen zurück, liebe Mrs! Die Sonne scheint, die neue Saison geht los, ich freue mich darauf!

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    1. mrscgn sagt:

      Christian, Du mein Fan-Held! 🙂
      Freude verspüre ich noch nicht, aber immerhin ist da wieder Neugier und Interesse. Ein Anfang. Und das Tochterkind wird mich schon noch ins Stadion gegen den Ersten-Effzeh-Köln lotsen …

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