Wider die Jammerei – Momente, die sich gut anfühlen

Jammern fällt irgendwie leicht. Beschwerden zu äußern, egal, ob mündlich oder schriftlich, funktioniert prima, das läuft quasi aus einem raus, das redet und schreibt sich von selbst.  Besonders dann, wenn Begriffe oder Situationen so richtig triggern. Ich geb’s ehrlich zu: Manchmal tut es einfach gut, sich den Frust und die Wut von der Seele zu schimpfen oder zu schreiben. Leider ist das Gefühl danach nicht immer wirklich besser (ich fühle mich manchmal leer, weil so hilflos, wenn ich nichts dagegen tun kann), also habe ich mir überlegt: Ich gehe das zur Probe mal eine Woche lang anders an* und sammele ganz bewusst Momente, die sich richtig gut anfühlen. Ich werde auf sie achten und sehr bewusst wahrnehmen. Jeden Tag mindestens einen Moment.

Montag, 29.08.

Mein Tochterkind Nummer 1 holt mich an der Haltestelle der Bahn ab. Wir drücken uns ganz dolle und „knutschen“ ein bisschen rum. Das Kind erzählt ganz aufgeregt, dass sie zuvor ein Frauenpärchen gesehen hätte, wie zärtlich sie sich umarmten, wie schön das gewesen sei. Ich sage: Wir machen das jetzt auch. Haha! Wir gehen durch die Wackel-Straße nach Hause, Arm in Arm, und ich habe keine Ahnung, wo genau wir alles vorbeigehen, ob wir am rechten oder linken Rand des Weges entlang schlendern – ich höre nur mein Kind vom Schultag reden, von den Deutsch-Hausaufgaben, die die Lehrerin gut fand, dass sie neue Aufgaben hätte und sich freute, wenn ich ihr dabei hülfe. Dass sie sich in der Schule schon wieder über das Thema 1 unterhalten hätten, nur die Mädchen unter sich. Und dass Flüsterpost doch ein cooles Spiel sei. Wir giggeln wie zwei Teenies und freuen uns einfach, dass wir uns haben. Hach.

Dienstag, 30.08.

Heute war es ein wenig schwierig, den Moment zu finden. Ich würde ihn auch nicht einen des Glücks nennen, sondern einfach nur nett/schön/angenehm/ermutigend. Es war auf dem Elternabend, T1 hat einen neuen Klassenlehrer. Er gibt Englisch, und ich konnte 5 min mit ihm sprechen – und da war er, dieser Moment. Zuhören, Verständnis und die Aussage: Ja, es braucht eine positive Lehrer-Schüler-Beziehung. Ja, in diesem Alter ist der Lernerfolg durchaus zu einem gewissen Teil davon abhängig, ob Schüler ihren Lehrer okay finden, ihn positiv sehen.

Das klingt banal, aber ich nehme diese Einstellung erstmals bei einem Lehrer an dieser Schule wahr. Und sie ermutigt mich, macht mich hoffnungsfroh, freut mich für mein Kind. Wunderbar.

Mittwoch, 31.08.

Eigentlich war das ein ganz normaler Arbeitstag, unauffällig, wenig Hektik. Wie schön, dass so Gelegenheit war für einen gemeinsamen Espresso mit den Kollegen beim Chef. Er hatte eingeladen, Stimmung war gelöst, entspannt. Das war nicht nur geschmacklich, sondern auch ganz persönlich eine wohltuende Sache.

Donnerstag, 01.09.

Ein allererstes Mal. Business Run hier in Köln. Das war anstrengend, so viele Leute, leider auch rücksichtslose dabei, aber was für eine geile Erfahrung! Big moment kurz vorm Stadion: Alle mitlaufenden Kollegen warten, stehen Spalier und klatschen ab. Gänsehaut! Als wirklich einzige Gruppe (Gesamtteilnehmerzahl lag bei 22.000) sind wir geschlossen ins Stadion gelaufen – sehr erhebend. Solche Kollegen finde ich unbezahlbar!

Freitag, 02.09.

Der bisher schönste Tag in Sachen „perfekte Momente“. Meine Lieblingskollegin hat geheiratet, und ich durfte im Standesamt mit dabei sein. Ich musste unwillkürlich an meine eigene Hochzeit denken, ich war so gerührt. Es ist so schön, wenn zwei Menschen öffentlich einander versprechen, einander weiter zu lieben, aufeinander achtzugeben und Verantwortung für den anderen zu übernehmen. Ich freue mich so für sie.

So geflashed ging mir die Arbeit leicht von der Hand, der Kunde hat gelobt, so dass ich gut gelaunt und entspannt mit T1 ein Eis essen gegangen bin. Wie immer haben wir uns die kleinen Becher geholt und uns auf eine Parkbank gesetzt. In solchen Momenten, da wir so nett erzählen und uns austauschen, finde ich es einfach oberklasse, so eine große Tochter zu haben. Wir sind gemütlich wieder nach Hause geschlendert und haben hier in unserem  Veedel noch so herrlich mit verschiedenen Leuten geredet. Vor allem auch mit welchen, die ich schon lange nicht mehr sprach, etwa eine Mutti, deren Sohn so alt ist wie T2. Sie war wie ich Teil einer kleinen Clique von Latte-Macchiato-Müttern, die wir mit unseren Krabbelkindern im Café schnatterten, während die Babys den Boden wischten. Ach schön.

Samstag, 03.09.

So ein Samstag-alltäglicher Tag hat auch etwas Schönes: familien-gemeinsames Frühstück ohne Blick zur Uhr, ein Mann, der vegatarisch kocht, weil er mitmacht bei unserem Projekt, Fleisch in unserer Nahrung einfach zu reduzieren.

Wohltuend auch: Ich konnte mal Fachzeitschriften durchlesen und sehen, was so erschienen ist, welche Themen die Zahnärzte derzeit so bewegen. Es hört sich nach Arbeit an, ich empfand es aber nicht so.  Ich mag es, wenn es um gesunde und schöne Zähne geht.

Und: Ich habe es getan. Ich schrieb mir etwas von der Seele. Es tat wohl. Dazu bitte hier weiterlesen.

Sonntag, 04.09.

Ein sehr fauler, oder besser: entspannter Tag. Ich habe mich zwar ein wenig aufgeregt wegen dieser MV-Geschichte, aber letztlich überwog doch das Gefühl der Ruhe. Schönster Moment: Badespaß mit dem Tochterkind 2. Das eigene Kind ganz nah bei sich zu haben – da geht nicht viel drüber.

Also: Geht doch! In jedem Tag steckt ein schöner Moment – wenn ich es will.

*Das fällt leicht, der HSV spielt ja nicht. Hahaha …

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