Nachdenk- und Wohlfühlmomente – Denkarium (3)

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Dies war eine Woche, die ich als eine rastlose empfand. Ich habe so viel gelesen und gehört, dass ich mir eigentlich eine ganze Woche Zeit nehmen müsste, um über alles richtig nachzudenken, es zu durchdringen und auch gelegentlich das Gefühl dahinter richtig zu erspüren, denn es waren derer einfach sehr viele.

Das Drama um den HSV

Heute wurde der Trainer Bruno Labbadia bei meinem Herzensverein entlassen. Damit gibt es nach Peter Knäbel ein zweites Bauernopfer, das D. Beiersdorfer erbringt, um sich selbst zu schützen. Denn dass es letztlich nur um ihn geht und nicht, wie er nicht müde wird zu sagen, um den Verein, steht für mich außer Frage. Neben dem Umstand, dass es mir um Labbadia ganz persönlich leid tut, weil ich ihn für einen leidenschaftlichen und duchaus kompetenten Trainer halte, beschäftigt mich aber vor allem, dass wieder einmal von dem eigentlichen Übel abgelenkt wird, und das fasst „Kerberos“, ein Kommentator bei HSV Arena Blog sehr gut zusammen:

Ich hoffe ja nur inständig, dass B. Labbadia noch solange durchhält, bis D. Beiersdorfer seinen Hut nimmt / nehmen muss. Zuerst muss das Grundübel beseitigt werden; alles andere macht keinen Sinn. Jetzt ein neuer Trainer „unter“ D. Beiersdorfer würde die Leidenszeit des HSV nur unerträglich verlängern.

Genau das ist der Punkt. Es geht einfach weiter so, es ändert sich nichts. Der nächste Trainer wird wieder gegen Windmühlen ankämpfen und vielleicht sogar dazu verdonnert, einen Halilovic und Hunt aufzustellen – egal, was sie so herspielen.

Auffällig ist jedoch, dass immer mehr Anhänger des HSV die desaströse Bilanz eines Beiersdorfer begreifen. Wie lange haben sich jene, die immer wieder auf das Problem hinwiesen, anhören müssen, dass man doch Geduld haben müsse, dass doch auch vieles richtig gemacht worden wäre, dass doch endlich nicht mehr nach außen dringen würde usw. Und jetzt auf einmal gibt es für Beiersdorfer statt ner 3-4 eine 5-6? Ich komme da nicht mehr ganz mit. Beiersdorfer hat sein Verhalten in den Jahren seiner aktuellen Amtszeit zu keiner Zeit reflektiert oder gar verändert, er zieht seinen Stiefel nach wie vor durch, buckelt vor Kühne und tritt gegen vermeintlich Schwächere (Peters, Labbadia). Das ist für mich Zeugnis einer umfassenden Inkompetenz auf der Position eines Vorstandschefs und Sportdirektors. Es sind für ihn zwei Jobs, und zwar genau zwei zu viel. Britta Kerhahn vom NDR brachte das in ihrem Kommentar gut auf den Punkt. Ich bin skeptisch, was die nächsten Wochen angeht …

Stippvisite in  Sachsen

Mich trieb es beruflich nach Leipzig, meiner alten Studentenstadt. Ich habe vier Jahre meines Lebens dort verbracht, viel gelernt und auch erlebt. Und heute freue ich mich jedes Mal, wenn ich hinkomme, um zu sehen, was sich verändert hat. Leider war nur wenig Zeit, von der Stadt selbst sah ich wenig. Doch das Messegelände mit dem Personal darin und vor allem die Taxifahrer allein waren Erlebnis genug. Sehr freundlich und immer zu einem Plausch aufgelegt. Der Taxifahrer, der mich zum Flughafen brachte, machte mir richtig Spaß mit seinem klaren Blick auf die Fußballdinge und dem herrlichen, so vertrauten Dialekt dazu. Wir kamen auf die Relegation des HSV gegen den KSC zu sprechen, und wie viel Glück der HSV doch da gehabt hätte. „Wissen Se, wer den Freistoß eigentlich treten sollte?“ „Na klar, van der Vaart.“ „Ja, der kann eben besser mit den Frauen als mit dem Ball … “ Ich prustete los, und er: „Und da lachen Se ..“ Köstlich. Ich möchte wieder in Leipzig Taxi fahren.

Von Frauen und dem Bloggen

Ich habe da einen ganz wunderbaren Blogpost gelesen, geschrieben von Alexandra, die an die Bloggerwelt appelliert, endlich mit der Jammerei aufzuhören. Jammern? Sie schreibt von Bloggern, die offenbar aufgehört haben, jene zu sehen, denen sie die Größe/die Reichweite ihrer Blogs verdanken. Sie schreibt von jenen, denen es nur noch um Likes und Followings und das Teilen der eigenen Beiträge geht. Ich bin sicherlich kein Maßstab, aber ich habe auch das Gefühl, dass das eine größer werdende Gruppe wird. Die Entwicklung scheint in diese Richtung zu gehen. Bloggen wird immer mehr zu einem Geschäftsmodell, und dafür sind Likes usw natürlich essenziell. Daher schließe ich mich ihrem Plädoyer für das ganz ursprüngliche Bloggen an, das sich eben unterschieden hat von den Medien, die wir bisher kannten:

Ich kenne sogar Menschen, die verlinken in ihren Beiträgen die Artikel von anderen Bloggern. Weil es thematisch passt. Nicht, weil sie ein Abkommen mit dem anderen haben. Und die machen das sogar regelmäßig. Einfach so. Weil sie finden, Links machen das Internet interessant. Von einem Artikel zum anderen zu springen macht Blogs so toll.

Ich gehöre übrigens zu eben jenen, die es genau so halten. Ich finde das Folgen um des Followbacks Willen falsch, und ich halte auch nichts von Like4Like. Ich möchte, dass mich Beiträge mehrdimensional ansprechen, ich brauche und möchte etwas für den Kopf und fürs Herz. Am besten gleichzeitig.

Dazu passt ein weiterer Beitrag, auf den ich aufmerksam machen möchte: Er trifft sehr gut, was ich hier schon sehr häufig angesprochen habe. Es geht um das Einzigartige am Bloggen. Dieser Satz hier, finde ich, sagt genau das aus, was mich zur Jammerei vieler Blogger ob des nicht ausreichenden Traffics,  nicht ausreichenden Likes oder nicht ausreichender Würdigung der Bemührungen bewegt:

Und nun ratet mal, welche Artikel die nachhaltigsten sind und gerade von den Bloggerkollegen diskutiert und geteilt werden? Richtig, die eigenen Geschichten mit viel Meinung und/oder Emotionen. … sobald man mal etwas bringt, was andere nicht machen. Etwas eigenes, was einen ärgert und was man mit vielen Worten, einer starken Meinung und Emotionen veredelt und Menschen […] anspricht und die Gestalten […] hinter ihren MacBooks hervorholt.

In Sachen Frauen und Bloggen möchte ich noch auf einen von Frau Makellos hinweisen, ihre Blogposts faszinieren mich regelmäßig. Die Autorin gehört übrigens zu jenen, die auf Kommentare regelmäßig und substanziell antwortet – das liest sich toll. In diesem Post geht es um rund um den Film „Bad Moms“, ohne ihn wirklich zu rezensieren, und die Autorin stellt darin eine Reihe nachdenkenswerte Thesen auf, die auf das Rollenverständnis von Frauen abzielen:

Sind diese Paare vielleicht sogar zufriedener, weil starre Rollenbilder auch Rettungs- und Vereinfachungsanker in einer unsicher werdenden Welt sein können? Weil sie nicht, wie in meiner anderen Blase, ständig diskutieren, wie man das 50/50 – Prinzip so richtig konsequent umsetzt.

Ich gehöre ja bekanntermaßen zur 50-50-Fraktion, und auch ich schaue immer mit einem leichten Stirnrunzeln auf jene Paare, die genau das nicht tun, gleichwohl diese Entscheidung zu akzeptieren ist. Dieses „Männer sind halt so“ stört mich an sich schon, aber könnte es nicht tatsächlich so sein, dass es sich für die eine oder andere wirklich gut lebt in dieser Rolle? Gibt es nicht auch Sicherheit, wenn Dinge geklärt sind und sich irgendwie auch okay anfühlen? Macht es das Leben nicht eben doch einfacher, wenn die Rollen nicht permanent neu ausgehandelt und sogar verändert werden müssen? Ich merke, dass ich so langsam Verständnis entwickele. Ich muss jeder/jedem einfach seinen privaten Weg zugestehen, ihr/sein Glück zu finden. Eines fällt mir jedoch dann sehr schwer: Wie glaubwürdig kann sich jemand für die Unabhängigkeit und der Gleichstellung der Frau, also für die Emanzipation, einsetzen, der sich als Frau freiwillig in Abhängigkeiten gibt und diese sogar noch feiert? Natürlich gehört politisch einiges verändert, damit Emanzipation wirklich gelebt werden kann, doch für mich fängt es im Kleinen, in der Partnerschaft, in der Familie an.

Und wenn wir schon beim Thema sind, wie Frauen sich untereinander verhalten (wir lernen ja aus vielen Texten, dass der größte Druck auf Frauen/Mütter eben von Frauen/Müttern käme), dann passt mein folgender Gedanke dazu: Ich habe für mich ja eigentlich entschieden, auf keine Blogger- oder Twittertreffen mehr zu fahren. Die Erfahrungen waren einfach dementsprechend. Nun habe ich mich aber für ein Treffen der Schweizer Blogger-Familie angemeldet, und ich freue mich wirklich sehr darauf, einige kennenzulernen, deren Texte ich sehr gerne lese, die mir Spaß machen und mich auch intellektuell (!) ansprechen. Allerdings kommen zu diesem Treffen auch Blogger, für die ich das nicht unterschreibe. Es sind welche dabei, deren Ansichten ich mal so gar nicht teile, deren Ideen ich manchmal völlig absurd finde und deren Attitüde mich nicht anspricht. Wie also gehe ich damit um? Ich möchte das erwachsen tun, sachlich bleiben und mir eine gewisse Neugier erhalten: Wer weiß, vielleicht hat man sich ja etwas zu sagen? Vielleicht gibt es etwas dazuzulernen? Ich gebe zu, dass ich noch nicht zu Ende gedacht habe … mal schauen.

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4 Kommentare Gib deinen ab

  1. daskleinebruellen sagt:

    ich freu mich auf dich in basel, verstehe deine gedanken dazu sehr gut, genau die gehen mir auch durch den kopf

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    1. mrscgn sagt:

      Dankeschön. Mich beschäftigt das Problem schon, normalerweise begebe ich mich freiwillig nicht in so eine Situation. Aber: Bange machen gilt nicht. Und: Du bist ja auch da! 🙂

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  2. Lexa sagt:

    Danke für die Erwähnung und das Kompliment an meinen Text 🙂
    Nur, damit wir uns nicht missverstehen: Ich wollte mit dem Text nicht gegen Professionalisierung stänkern, sondern nur gegen falschen Egoismus. Ich kenne (zum Glück) auch große und erfolgreiche Blogs, die gerne verlinken und sich um ihre Leser kümmern. Aber halt auch viele kleine und nicht-erfolgreiche, die immer nur jammern anstatt etwas zu tun. 😉
    Frau Makellosmag ist da ein absolutes Positivbeispiel. Tolle Texte mit einer tollen Person dahinter.

    LG Lexa

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    1. mrscgn sagt:

      Danke Dir. Das mit der Professionalisierung ist eher mein Schnack, richtig. Und ich beobachte dort schon auch ein Jammern, weil sich manche (nicht alle!) nicht ausreichend gewürdigt sehen.

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