Was mich aufregt, was mich freut

Es gibt Phasen in meinem Leben, in denen ich vieles um mich herum ganz besonders intensiv wahrnehme. Das sind mitunter ganz banale Dinge wie eine Farbe, die mich ständig anspringt, ein Song, der mir nicht mehr aus dem Kopf geht, ein Geruch, der nicht aus der Nase zu bekommen ist, was fein oder auch fies sein kann … Manchmal sind es auch wichtige Dinge, etwa, dass sich jemand in meiner Umgebung nicht gut fühlt, obwohl er etwas anderes glauben machen möchte, oder dass einfach etwas in der Luft liegt. Das kennen bestimmt ganz viele.

Ich scheine derzeit wieder in so einer Phase zu sein: Ich fange an zu diskutieren, obwohl ich doch weiß, dass es nichts bringt, und ich es doch besser lassen sollte – HSVer wissen, was ich meine. Ich rege mich über Dinge auf, von denen ich weiß, dass ich sie nicht ändern kann, was mich gleich noch wütender macht. Aber: Ich freue mich auch über Kleinigkeiten, etwa dass ich auf einfache und so süße Art den Mann zum Lachen bringen kann, jeden Tag. Oder darüber, dass ich von Menschen lese, die sich achtsam, aufmerksam und dabei kritisch in der Sache begegnen. Ich habe sowohl für die Aufregung als auch die Erheiterung ein paar Beispiele:

Ich lese, und ich lerne

In meine Twitter-Timeline bekam ich einen ganz wunderbaren Text gespült, der sich um die Sorgen und Nöte von Eltern mit pubertierenden Kindern dreht. Ich habe ihn sofort mit einem Kollegen geteilt, und wir beide haben herzlich gelacht. Ich sag nur ein Wort: Chillma. Köstlich. Versprochen.

Heute morgen konnte ich in meiner Timeline eine nächtliche Unterhaltung nachlesen, die mich inspirierte. Sachlich wurden hier Argumente, Bedenken, Meinungen ausgetauscht, ganz so, wie ich mir das unter Erwachsenen vorstelle. Man muss dabei gar nicht immer komplett einer Meinung sein, ganz im Gegenteil. Für mich stecken in solchen Diskussionen Aspekte, über die es sich lohnt nachzudenken. Wenigstens für einen Moment:

Und wenn wir schon bei politischen Themen sind, möchte ich gerne drei Beiträge empfehlen, die einerseits ganz viel Aufregerpotenzial haben, andererseits aber Erkenntnisgewinn bringen. Text Nummer 1 stammt aus der ZEIT. Der Autor versucht darin, sich aus ganz aktuellem Anlass den Sachsen zu nähern, und zwar auf eine sehr angenehme, unprätentiöse Art. Ich habe zwar ein wenig gestutzt, als der Leipziger Stadtteil Connewitz in der Nähe des Hauptbahnhofs verortet wurde, aber nun ja: Entfernungen sind ja immer relativ. Was ich an diesem Beitrag auch schätze, ist der Versuch, Dinge von verschiedenen Seiten zu betrachten, sie einzuordnen und verständlicher zu machen. Als jemand, der vier Jahre in Leipzig zugebracht hat, erkannte ich vieles wieder und habe häufig zustimmend genickt.  Text Nummer 2 ist ein Beitrag aus der Neuen Zürcher Zeitung, der das Thema der Aufmerksamkeitsökonomie noch einmal in den Vordergrund holt. Es geht darin um die Frage, wie glaubwürdig Journalismus noch sein kann, wenn Medien „mehr Anpasser als Aufpasser, mehr Regierungsversteher als Anwalt der Regierten“  sind bzw. werden.  Text Nummer 3 stammt von Thomas Knüwer, Vorsicht: sehr lang, der auf eine sehr unterhaltsame Art, wie ich finde, mal so richtig mit der Filterblase abrechnet, in der sich Journalisten gerne suhlen. Ich finde, dass „suhlen“ hier genau das richtige Wort ist, weil es die Bequemlichkeit auch ausdrückt, die viele (politischen und Wirtschafts-)Journalisten an den Tag legen – sie erinnern mich da manchmal fatal an den FC Bayern München, diese „Mia-san-mia“-Attitüde steht ihnen dann gern im Weg, wenn es gilt, ihrer eigentlichen Aufgabe nachzukommen: „Schon seit langer Zeit sehen Journalisten das eigene Verhalten als maßgeblich an. Der Grund ist ihre eigene Filterblase …“.  So sieht’s aus.

Ich lebe, und ich rege mich auf

Zum Alltag gehören aber leider auch Dinge, die nicht erhellend, inspirierend oder einfach lustig sind, sondern die mich aufregen. Maßlos. Mich ärgert ungemein, wenn Menschen an verantwortlichen Stellen keine Verantwortung übernehmen – ich meine das wirklich grundsätzlich, der Beispiele im Alltag gäbe es viele, sowohl beruflich als auch privat. Mich fuchst die ganze Gemengelage bei meinem Herzensverein, dem HSV, immer noch, obwohl sich die Emotionen hier deutlich abgekühlt haben. Es ist für mich nicht nachzuvollziehen, wie manche, die einen Beiersdorfer noch bis vor wenigen Wochen bis „aufs Blut“ verteidigten, heute seinen Rücktritt/Rausschmiss fordern. Als ich dies hier vor etwa einem Jahr forderte, landete ich in der Pester-Ecke und durfte mich fortan immer wieder in die Schwarzmaler- oder Keine-Ahnung-Haberin-Ecke stellen lassen. Die Lage der Dinge ist heute keine wirklich andere, aber Herr Beiersdorfer durfte noch einmal ordentlich einkaufen gehen – die Ergebnisse sind bekannt. Und ich darf dafür den (liebevollen) Spott des Mannes ertragen, der fragt, ob denn beim nächsten Spiel wieder ein neuer Trainer auf der Bank säße, denn der jüngst verpflichtete hätte ja nicht geliefert … haha.

Mich ärgern auch solche Kleinigkeiten im Alltag: Wenn Dir zweimal hintereinander die U-Bahn vor der Nase wegfährt, quasi eine Armlänge entfernt, dann macht mich das sauer. Da half heute dann nur ein kleiner Schnaps zur Abkühlung. Und doof finde ich auch, dass die Aufzugsfirma es offensichtlich nicht hinbekommt, den Fahrstuhl hier so reparieren, dass ich meinen Kindern erlauben würde, diesen zu benutzen. Na klar können wir auch mal zu Fuß gehen, aber mit Körben voller nasser Wäsche oder Kisten voller Einkäufe ist das nicht wirklich ein Vergnügen.  Unerquicklich finde ich, dass das Laternenbasteln von der Schule nach Hause verlagert wird. Mich erreichte heute die Nachricht, dass ich einen Weinkarton (ohne Inhalt, versteht sich) opfern soll, der auch entsprechend zugeschnitten und vorbereitet werden muss, so dass dieser Karton dann in der Schule zur Laterne umfunktioniert werden kann. Ich habe schon wieder überhaupt keine Lust mehr auf diese komische Laternen-Lauferei. Es sei denn, es gibt dieses Lied hier:

Das alles sind natürlich „Probleme“, die dieses Wort gar nicht verdienen. Aber manchmal trägt allein das Aufschreiben dazu bei, es selbst nicht mehr ganz so ernst und wichtig zu nehmen.

Kleiner Dialog am Rande:
Ich, nachdem ich das hier aufgeschrieben und dem Mann vorgelesen habe: Jetzt geht’s mir besser.
Der Mann: Also kann Dir die Bahn morgen wieder vor der Nase wegfahren.
Ich fahre morgen mit dem Auto. Ätsch.

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