Elf Gründe, warum ich Bahnfahren blöd finde

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Meine Oma sagte früher gerne:  „Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen.“ Sie meinte das sicher eher positiv, doch wenn ich heute so ansetze und dabei auch erwähne, dass ich die Bahn dafür nutzte, dann ist das durchaus anders gemeint. Denn: Wenn ich mit der Bahn unterwegs bin, passieren fast immer die verrücktesten Dinge. Verspätungen zählen da noch zu harmloseren Dingen. Es beginnt damit, dass beim ICE, der von Köln oft mit zwei Zugteilen losfährt, gerne mal einer davon fehlt, und zwar in der Regel genau der, für den ich eine Reservierung habe.

Oder so was hier (meine Hinfahrt am Freitag Richtung Frankfurt):

Auf der Rückfahrt am Flughafen Frankfurt dann das:

Da hilft manchmal auch keine Verzweiflung des Zugchefs über die Lautsprecher-Anlage des Zuges:

Oder die Strecke wird gesperrt, weil es einen Unfall mit Personenschaden gab, und der Zug wird großräumig umgeleitet. Ich stand am Freitag fünf Minuten nach dem Start nur zehn Minuten in Deutz wegen Personen auf den Gleisen, das ist ja dann eigentlich nicht der Rede wert. Weil ich diese kleinen Episoden des Bahnalltags erst vorgestern erleben durfte, ist es jetzt einmal Zeit, meine elf Gründe aufzulisten, warum ich Bahnfahren* schon seit langer Zeit furchtbar, schlimm und einfach blöd finde:

  1. Unflexibibilität. Es liegt in der Natur der Sache, dass die Züge nach einem bestimmten Fahrplan verkehren. Das macht mich als Reisenden aber unflexibel. Ich muss zu einer bestimmten Zeit am Bahnhof sein. Und wenn ich das aus verschiedenen Gründen nicht kann, stellt mich das vor große Probleme. Ich möchte gerne selbst bestimmen, wann ich losfahre.
  2. Dieses Ausgeliefert-Sein. Der Zug ist für mich ein bisschen so, als erhielte ich Stubenarrest. Ich kann nicht raus, wenn ich das will. Wenn der Zug irgendwo auf freier Strecke steht, stehe ich auch. Mit vielen anderen Menschen gemeinsam in unmittelbarer Nähe. Dieses Unvorhergesehene kann mir mit dem Auto auch passieren (ich erinnere mich noch an das Blitzeis bei Hannover Weihnachten 2002), aber dann kann ich die Tür öffnen und Luft holen. Oder wenn es irgendwo einen Stau gibt, kann ich vorher einen Parkplatz ansteuern und aussteigen. Luft holen. Entspannen.
  3. Sitzkomfort. Die Sitze in der Bahn, insbesondere jene im ICE und IC, sind für kleine Frauen wie mich nicht gemacht. Egal, wie ich mich setze, es tut nach 2 Stunden weh. Richtig weh. Mein Rücken ist nicht lang genug für die Sitze, der Kopf zu tief, um von der Kopfstütze zu profitieren. Es ist schlicht unbequem. Und auch noch verdammt hart.
  4. Geräuschkulisse. Mit dem Zug fahren gleichzeitig mehrere Menschen, und diese sorgen nun mal für einen gewissen Geräuschpegel. Häufig ist es so, dass einige Mitfahrer diesen übertönen müssen und besonders laut in ihr Mobiltelefon tröten. Ich werde dann unfreiwillig Zeuge von Gesprächen, die mich nicht interessieren. Wenn diese Leute auch noch direkt neben mir setzen, nützen mir selbst Kopfhörer nicht viel. Ich möchte das nicht.
  5. Die olfaktorische Komponente. Ich hatte es in meinem Beitrag zum Einkaufen schon einmal erwähnt: Je älter ich werde, desto empfindlicher scheint mein Geruchsorgan zu werden. In öffentlichen Verkehrsmitteln leide ich darunter ganz besonders. Es stinkt wahlweise nach Knoblauch und Zwiebeln, nach Schweiß, nach billigem Rasierwasser, schwerem Parfüm, nach Käsefüßen oder schlicht nach Müffel. Vielleicht sollte ich über einen Nasen-Mundschutz nachdenken.
  6. Dazu passt: Die gewisse Örtlichkeit. Gibt es etwas Schlimmeres als ein Klo im Zug? Für mich ist das an Ekligkeit nur schwer zu überbieten, und zwar in jeder Hinsicht. Ich führe immer desinfizierendes Waschgel mit mir, trotzdem. Schon beim Gedanken an diesen Ort schüttelt es mich.
  7. Räumliche Enge. Ich bin ein Mensch, der auf einen Sitz passt,  ohne dass irgendwas von mir den Sitznachbarn berührt. Das gilt nun nicht für alle Menschen. Entsprechend nah kommen sie mir gelegentlich. Nun bin ich ein großer Befürworter des so genannten Tanzabstands, und der wird in öffentlichen Verkehrsmitteln regelmäßig unterschritten. Mir ist das unangenehm. Das ist dann auch der Grund, warum ich, wenn schon, privat lieber in der 1. Klasse reise, da gibt es auch Einzelsitze.
  8. Die Bahnhöfe. Diese erheben nun nicht den Anspruch, heimelig oder interessant, kurz ein Ort zu sein, an dem man gern verweilt. Doch ich bekomme dort regelmäßig Zustände: so viele Menschen, der nicht vorhandene Tanzabstand, und dann diese Gerüche! Ein Albtraum.
  9. Die Zeit. Sicherlich gibt es Verbindungen, die mich schnell von A nach B bringen, auch vielleicht schneller als mit einem anderen Verkehrsmittel. Wenn alles klappt, wohlgemerkt. Aber wer hat als Ziel schon einen Bahnhof? Ich muss anderswo hin, und dann dauert es eben doch wieder ewig bis zum Ziel.
  10. Die Gastronomie. Ich werde mit diesem Konzept des Speisewagens  einfach nicht warm. Liegt es daran, dass ich „Mitropa-verdorben“ bin? Die wenigen Male, die ich das Bordrestaurant oder -Bistro aufsuchte, weil es sich beruflich so ergeben hat, fand ich immer unangenehm. Die Anlehnmöglichkeiten im Stehbereich sind für kleine Frauen nicht gemacht, das Publikum ist speziell, und es herrscht pemanent Durchgangsverkehr. Der Kaffee schmeckt mir nicht, und Kondensmilch dazu geht schon dreimal nicht.
  11. Die Gepäcksituation. Ich bin hier ein gebranntes Kind. Ich fuhr einmal mit einem InterCity von Leipzig nach München. In den Großraumwagen gibt es am Anfang solche großen Gepäckablagen, in die ich meine Reisetasche bugsierte. Ich saß nur zwei Reihen davor, schaute regelmäßig hin, doch in einer unübersichtlichen Situation beim Aussteigen ließ jemand diese Tasche mitgehen. Ich bemerkte es erst danach – die Tasche war weg. Dass sie geklaut wurde, bestätigte der Dieb auch noch, weil er mir die Bewerbungsunterlagen, die sich in der Tasche befanden, nach Hause schickte. Seitdem frage ich mich, wie vertrauensselig die Leute sind, die ihre Koffer dort parken. Ich würde das im Leben nicht mehr tun.

All das sind nicht nur elf Gründe, warum ich Bahnfahren so überhaupt nicht leiden kann, sondern auch elf Gründe dafür, warum ich in den meisten Fällen, da ich weiter weg muss, lieber das Auto nehme. Das bringt mich nicht immer schneller an mein Ziel, fühlt sich aber um Längen besser an.

 

*Es mir sehr bewusst, dass die Bahn ein umweltfreundliches Verkehrsmittel ist, vor allem auch in der Stadt. Ich nutze sie regelmäßig, besitze ein Abo der Kölner Verkehrsbetriebe – verhalte mich also vernünftig. Aber das hindert mich nicht daran, Bahnfahren einfach doof zu finden.

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