Aktuelles Comedy-Programm von Maria Vollmer: So geht Langeweile

Es ist nicht so, dass ich zum Lachen in den Keller gehe – ich bezeichne mich schon als begeisterungsfähig, und ich sehe mich durchaus in der Lage, emotional mitzugehen, wenn mich etwas anspricht. Das klappt im Stadion, in einer Fußballkneipe und auch in der Karaokebar. Wenn mich also etwas packt, lasse ich mich gerne mitreißen. So gesehen, ist gestern wirklich etwas Außergewöhnliches passiert: Ich habe mich bei der Premiere von Maria Vollmers neuem Comedy-Programm „Push-up, Pillen und Prosecco“ ganz entsetzlich gelangweilt, was man bei diesem PR-Ankündigungstext gar nicht vermuten würde.

Ich wurde von meinem Mann ins Kölner Senftöpfchen eingeladen, wir waren guter Stimmung und die Getränke schön kalt, der beste Freund der Familie begleitete uns, wir hatten Plätze in der ersten Reihe. Ich hatte mich ganz bewusst vorher nicht informiert, ich wollte mich überraschen lassen von einem Namen, den ich bisher nicht kannte. Positiv, versteht sich. Doch was sich dann auf der Bühne tat, langeweilte mich komplett: Eine Mittvierzigerin, die mit ihrem Alter und mit Nippes kokketierte, die etwas unrhythmisch auf Küchenutensilien trommelte, um einem vermeintlichen Nachbarn, der ewig und drei Tage an seinem Klavier übte, etwas entgegenzusetzen, eine merkwürdig aufgedrehte Frau, die Witze riss, deren „Pointen“ ich vorher schon aufsagen konnte. Die „Beige“ zum Thema machte, obwohl wir Sex-and-the-City-Guckerinnen (als die sich Vollmer auch zu erkennen gab)  schon seit mehr als zehn Jahren wissen, was für eine bescheuerte, ja eigentlich gar keine Farbe das ist.

Dabei hat sich Vollmer wirklich Mühe gegeben: Mit der Pubertät von heranwachsenden Kindern fängt man viele Zuschauer ein, denn die wissen ja, wovon die Rede ist. Sie macht den Mann lächerlich, der sich als Hobby eine Kettensäge zulegt: Ja, Männer dürfen Sachen machen, die richtig krachen, doch Frauen versucht man mit Produkten zu überzeugen, die leise sind – Spülmaschinen, denen sich ein Reh nähert, Waschmaschinen, die man nicht hört. Ihre durchaus kluge Antwort darauf: Wenn Frauen arbeiten, darf man das nicht hören.

Viel gewollt, wenig gekonnt

Doch die meisten Texte zündeten einfach nicht. Einfrieren von Eizellen als Thema und ein Liedchen von „Zehn kleinen Eierzellen“ dazu zu trällern – ich gähnte. Erlebnisse aus der Kindheit garniert mit einem Blockflötenvortrag, in dem man die Titelmelodie von „Winnetou“ erkennen musste – ich verdrehte die Augen. Künstlich aufgeregtes Headbanging  auf die Musik von AC/DC („TNT“), was bei ihr zu einem „Mir geht’s gut“ wurde, vorgetragen mit einer Stimme wie jener von Helene Fischer – es fing an, peinlich zu werden. Irgendwas mit „Pillen und Dope, bis der Arzt kommt“ auf die Melodie von Gimme, Gimme, Gimme von ABBA – ich war entsetzt. Und als sie ABBA noch einmal auskramte, noch dazu in der nicht nachgefragten Zugabe mit  „Ich kauf so gerne bei Zalando“ auf Fernando, war ich wirklich kurz davor, aufzustehen und zu gehen. Hat das weh getan!

Dieses Programm, das sich als Premiere innerhalb des Festivals #koelncomedy herausstellte, war eine Farce. Wenig strukturiert folgte eine Nummer der nächsten, die Idee dahinter gab es sicher – erschlossen hat sie sich mir jedenfalls nicht. Handwerklich ist Vollmer sicherlich nichts vorzuwerfen, sie kann sich auf der Bühne bewegen, sie hat eine feste Singstimme … beim Erzählen wirkt sie jedoch überdreht wie eine Frau, die auf der Party einen oder zwei Drinks zu viel hatte und unbedingt auffallen muss. Natürlich war sie nervös, es war ihre Premiere. In der Zugabe, bei der sie auch noch den Text von „Fernando“ vergaß (ich meine, den englischen Originaltext könnte man eventuell kennen), löste sich das in einem lalalalalaaaaa.

Langweilig bleibt langweilig,  da helfen auch keine Pillen, die Vollmer in Form von Traubenzucker anschließend an das wohlgefällige Publikum mit vielen Leuten, die sie persönlich zu kennen schienen, verteilte. Die Texte ihres Programms schrieb übrigens ihr Mann, Peter Vollmer. Sinniger Kommentar des Mannes: Das kann sie also auch nicht.

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