Die Hälfte meines Lebens ein (Ost)-Wessi: 24 Erkenntnisse

In diesem Herbst (um genau zu sein: heute!) begehe ich ein ganz besonderes Jubiläum: Ich habe dann die Hälfte meines Lebens im Osten und im Westen gelebt: Ich war im Osten Kind,  Jugendliche und Studentin, im Westen bin ich erwachsen geworden, konnte Teile der Welt entdecken und beruflich durchstarten. Ich habe einen Wessi geheiratet und zwei Kinder bekommen, etwas, das ich mir als junger Mensch nie habe vorstellen können.

Hier nun meine (nicht immer ganz so ernsthaften) Erkenntnisse aus der jüngeren Hälfte meines Lebens:

  1. Es heißt Supermarkt und nicht Kaufhalle oder Konsum mit Betonung auf der ersten Silbe.
  2. Wir sagen viertel vor Neun, nicht dreiviertel Neun.
  3. Ich wohne in einer x-Zimmer- und nicht in einer x-Raum-Wohnung.
  4. Einjährige  Kinder setzt man nicht einfach so aufs Töpfchen.
  5. Ich kann ein Bier trinken und darf danach noch Auto fahren.
  6. Ein Auto kann schneller als 150 km/h fahren.
  7. Den Hausflur muss man nicht selbst alle zwei Wochen reinigen, dafür gibt es hier einen Hausmeister-Service.
  8. Fußballclubs mit „Wismut“ oder „Chemie“ im Vereinsnamen gibt es hier nicht.
  9. Ich sage heute Abendessen statt Abendbrot, auch deshalb, weil ich es einfach das schönere Wort finde.
  10. Es heißt Elternpflegschaft und nicht Elternbeirat in der Schule.
  11. Zum Elterngespräch geht man in die Schule, die Lehrer kommen nicht mehr nach Hause.
  12. Kinder gehen samstags grundsätzlich nicht zur Schule. Und: Leistungsdruck in der Grundschule ist etwas, das gar nicht geht.
  13. Willst Du Karriere machen, brauchst Du auch heute noch Beziehungen – und sei es nur eine besonders gute zu jener Person, die das zu entscheiden hat. Qualifikation allein reicht nicht.
  14. Beim Zahnarzt wird im Sitzen, nicht im Stehen behandelt.
  15. Tageszeitungen werden nicht vom Zentralkommitee einer Partei herausgegeben und kontrolliert.
  16. Es gibt mehr als zwei Fernsehsender.
  17. Eierlikör trinkt man im Westen aus Likörgläsern und nicht aus Schokobechern.
  18. Im Kino gibt es statt witziger Kurzfilme (etwa vom Hasen und dem Wolf) vor dem Hauptprogramm Werbung.
  19. Die Leute stehen für Dinge, die sie haben wollen, auch im Westen an. Und zwar richtig lange.
  20. Im Osten wurden Jugendliche mit 14 Jahren mit Jugendweihe und Personalausweis in den Kreis der Erwachsenen aufgenommen – das wird heute anders ritualisiert. Ich werde schon noch herausfinden, wie genau.
  21. Büroarbeit startet im Westen in der Regel zwischen 8 und 9 statt zwischen 7 und 8 Uhr.
  22. Mütter arbeiten nach dem Babyjahr (heute: Elternzeit) nur selten Vollzeit. Ich war/bin da wohl eine seltene Ausnahme.
  23. Im Osten ging man mindestens acht Jahre gemeinsam in eine Schule, erst dann wurde differenziert. Zur weiterführenden Schule mit dem Ziel Abitur wurden die besten Schüler delegiert.
  24. Sekt mit Früchten kennt man hier nur als Bowle. Wir haben früher direkt in die Sektschale mit Rotkäppchen ein paar Mandarinchen oder Ananasstücke aus der Dose gegeben. Ich mach‘ das heute noch so.

 

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  1. Mariechen sagt:

    Ein toller Beitrag:-)

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