Es sollte damit beginnen, persönlich zu sein

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Ich hatte für Weihnachten eigentlich nur einen Wunsch, der wunderbar in diesem Tweet zusammengefasst ist:

Ich hatte und habe sie, diese Ruhe. Einer abklingenden Bronchitis und einer extremen Unlust zu irgendwelchen Aktivitäten sei Dank, bestanden und bestehen die Feiertage eben genau aus einem: Ruhe. Aus Ausschlafen, aus meditativem Kochen (nach noch nie zuvor probierten Rezepten), entspanntem DVD-Schauen, aus neuen und alten (ruhigen) Spielen, aus angeregter Unterhaltung mit lieben Menschen. Und natürlich ist Weihnachten auch die Zeit, ein wenig zu sinnieren. Darüber, was wichtig war, ist und sein soll.

Kaum etwas ist mir in diesem Zusammenhang so unangenehm wie „Das haben wir schon immer so gemacht.“ oder „Das muss nun mal so sein.“ oder „Da müssen wir jetzt durch.“ oder „Das wird eben jetzt so erwartet.“ Nein, ich muss regelmäßig gar nichts, dafür, wie es früher war, kann ich nichts, und für die Erwartungen anderer bin ich nicht verantwortlich.  Mein Credo heißt: Nicht das tun, was andere (vermeintlich) erwarten oder was „man eben so macht“, sondern schauen, was sich für mich selbst richtig und gut anfühlt – unabhängig von Traditionen und Konventionen. Es muss persönlich sein.

Interaktion statt Proklamation

Weihnachten ist ja traditionell die Zeit der Grußbotschaften. Die einen schreiben Karten, auf denen „Frohe Weihnachten und ein gutes Neues Jahr“ steht, die nächsten schicken eine SMS, wieder andere senden Filmchen oder kleine Gifs per whatsapp herum, in den sozialen Netzwerken wird eine entsprechende Botschaft „angepinnt“, die dann für alle gilt, die dieser Person folgen/mit ihr befreundet sind. Schließlich gibt es welche, die statt einer Karte einen mehrseitigen Brief, der am Computer entstand, verschicken: ein allgemeiner Lagebericht, der so an x-beliebige Personen hätte verschickt werden können, was wahrscheinlich genau so auch passierte. Auch wenn das alles durchaus nett gemeint und zu lesen ist – diese Arten der Kommunikation kommen für mich eher einer Proklamation nahe. Im Grunde geht es nur um eine kurze wohlwollende Reaktion, aber wenn die ausbleibt, ist es eigentlich auch egal. Ich habe das selten so intensiv wahrgenommen wie in den vergangenen zwei Wochen.

Wir haben uns an dieser Stelle für einen anderen Weg entschieden. Unsere Grüße zu Weihnachten waren kleine, von Hand geschriebene Briefe, in denen das Fest eher am Rande vorkam. Es ging um ganz persönliche Botschaften, Wünsche, Gedanken, die eben mit der Person, an die die Karte gerichtet war, zu tun hatten. Wir haben telefoniert und persönlich mit lieben Menschen gesprochen, nachgefragt, zugehört, gelacht.  Offensichtlich sind wir mit diesem Weg nicht allein. Mich erreichte u.a. über die kleine „HSV-Rheinland“-Gruppe eine Nachricht, die sehr persönlich war und Bezug auf unsere Gruppe nahm; das war keine, die einmal geschrieben und dann 100fach kopiert auch anderswohin geschickt wird. Da hat sich jemand Gedanken gemacht und diese auf eine einfache und sehr berührende Art zum Ausdruck gebracht. Ich wünsche mir mehr davon und fühle mich darin bestärkt: So will ich das auch halten. Es sollte (zumindest im privaten Bereich) immer damit beginnen, persönlich zu sein. Schön erklärt im Film „You’ve got mail“, ab 3:20:

Mehr RL statt TL

Das hat sich sicherlich auch die Katrin aka @ladysparfuxx gedacht und mir eine Karte mit einem netten Gruß geschickt – das war überraschend und wirklich eine tolle Idee. „RL statt TL“, real life statt timeline, nannte sie das, und ich finde: Recht hat sie. Mit Menschen, deren Gesellschaft man schätzt und/oder mag, sollte man das RL und nicht nur die TL teilen. Daran hat mich auch ein Blogpost von „Kopfding“ erinnert, der für sich entschieden hat, sich nahezu komplett aus den social media herauszuziehen, weil es ein Zeitfresser ist, weil es manchmal einfach gilt, das Leben zu leben und eben nicht darüber (!) zu reden. Dieses „Reden wir darüber“ scheint mir manchmal ein Paradigma zu sein, das einen vielleicht nicht immer, aber wohl doch immer öfter davon abhält, tatsächlich zu handeln.  Bevor irgendetwas wirklich passiert, wird nachgefragt, abgewogen, diskutiert, noch einmal überlegt – und es dann im Zweifel auch noch gelassen. Weil: War schön, dass wir darüber geredet haben. Und: Es ist nichts Persönliches.

Statt Momente im Leben zu genießen oder einfach auf sich wirken zu lassen, zücken viele ihr Handy, es klickt, und dann wird es um die Welt geschickt. In diesen Sekunden (manchmal auch Minuten wegen der Bildbearbeitung) saust das Leben weiter – und wir verpassen den Moment. Einfach so. Schließlich laden uns die Social Media ein, „Momente zu kreiieren“. Als hätten wir alle die blaue statt der roten Pille genommen.

Das mag für manch einen passen und sich richtig gut anfühlen. Es ist auch Teil des Zeitgeistes, und der verändert sich nun mal auch. Das Schöne aber ist: Jeder entscheidet für sich, wie viel er davon in sein Leben lässt. Ich bin gerade dabei, die Tür, die ich dafür bewusst offen hielt, nicht zu schließen, aber eben doch anzulehnen. Weil es persönlich sein soll. Und dafür fühlt es sich manchmal besser an, wenn das Licht der Öffentlichkeit ein wenig gedimmt wird.

 

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