Was andere so machen für Sachen …

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Schön, wenn im Alltagsgeschäft ein bisschen Zeit bleibt, andere Texte zu lesen, darüber kurz zu sinnieren und zu reflektieren. In jüngster Zeit hatte ich des öfteren das Vergnügen. Die Themen sind so unterschiedlich, und es fällt daher schwer, es in der Tiefe gut zu behalten.  Aber wozu gibt es Blogs?

Altersfragen und das Bild vom Muttersein

Als eine Frau in den Vierzigern ist dieses Thema für mich sehr naheliegend. In den frühen Dreißigern hatte ich richtig Angst vor der 40, ich dachte echt: Dann ist alles zu Ende, was natürlich Blödsinn war und ist. Ich finde meine Mittvierziger sehr spannend und freue mich über die hinzugewonnene Gelassenheit an Punkten, bei denen ich früher ausgetickt wäre. Über ein Thema habe ich mir bisher zwar weniger Gedanken gemacht, dabei ist es so naheliegend: Wie sah ich Mütter, und wie sehe ich sie heute, da ich selbst eine bin. Dazu passt dieser Text hier von Cornelia sehr gut.  Sie schreibt darin über ihr  Bild von Müttern, wie sie es in sich trung, wie es sich im Laufe der Zeit änderte, und was dieses Bild mit ihr machte, alss sie selbst Mutter wurde.

Wenn ich es mir so recht überlege, wusste auch ich früher vor allem, wie ich als Mutter NICHT sein wollte. Wie denn eine coole Mami aussähe, war mir nicht so klar, denn ich wollte ja bis Ende 20 auch gar nicht selbst Kinder haben. Ich fühle mich „geheilt“, weil ich mal Babysitter von Verwandten in München (das ist wichtig, denn es war kurz nach der Wende, und ich kam ja aus dem Osten) für zwei Mädchen, eines 4, das andere 6 Jahre alt, sein durfte. Die Eltern pflegten das Konzept der antiautoritären Erziehung, die Mädels tanzten ihnen fröhlich auf der Nase und auf den Möbeln herum. Konsequenzlos, versteht sich. DAS wollte ich nicht. Als dann meine beste Freundin Mutter und ich die Patin ihres Sohnes wurde, änderte sich meine Haltung, der Lütte war einfach zu süß. Wie denn also stellte ich mir, inzwischen genau 30 Jahre alt, eine tolle Mami vor? Irgendwie hatte ich immer noch keinen Plan, und dann auf einmal selbst eine Tochter im Arm. Ich war, wohl wie jede Erst-Mama, in vielen Dingen sehr unsicher, tummelte mich in einem Mütterforum, fragte meine Mutter und eben die beste Freundin,  machte vieles dann aber doch anders. Mit dem zweiten Kind veränderte sich mein Blick auf das Muttersein noch einmal gründlich; und ich beschäftige mich erst seitdem mit Fragen zur Vereinbarkeit, ich schaue seitdem erst wirklich darauf, wie andere Muttis mit ihren Kindern so umgehen. Letztlich finde ich mich in diesem Satz aus dem Blogpost von Cornelia wieder:

Warum ich mich ausgerechnet an Friel und Enos klammere? Sie stellen nicht nur spannende und differenziert gezeichnete weibliche Hauptfiguren über Dreißig in den (auch darum) sehenswerten Fernsehserien „Marcella“ und „The Killing“ dar, sondern verkörpern darin zusätzlich Mütter. Und zwar so, wie männliche Protagonisten Väter sind: Sie sind es „auch“. Sie sind Kommissarinnen und zufällig eben auch Mütter. Ja, das geht (und zwar durchaus authentischer als es dem Hannover-Tatort mit Charlotte Lindholm gelingt).

Das ist es! So stelle ich mir eine coole Mami vor: Sie ist ganz vieles, in erster Linie Frau. Und dann eben auch Mutter. Schön formuliert. Natürlich soll das jede Frau für sich halten, wie es sich für sie richtig anfühlt. Mir fällt einfach nur auf, dass ich mich unheimlich gerne mit Frauen umgebe, die mehr sind als Mutter, wie sie in dem Text beschrieben werden. Die facettenreicher sind. Die auch ohne Kind spannende Persönlichkeiten sind. Frauen, die Wert darauf legen, unabhängig zu bleiben (ja, auch finanziell) und etwas dafür tun.

Suchtfragen und die Angst, etwas zu verpassen

So ein bisschen hänge ich ja auch in dieser Gefahr, ohne gewisse Social-Media-Kanäle nicht mehr sein zu wollen. Bei mir ist es nur Twitter, kein Facebook, kein Instagram, kein Snapchat oder ähnliches. Aber ja, ich schaue täglich mehrmals rein und freue mich vor allem, wenn in meiner Timeline Links zu interessanten Texten auftauchen oder ich sehe, dass es Menschen, die mir ein wenig vertraut sind oder die ich tatsächlich kenne, gut geht und sie ihre Gedanken u.a. mit mir teilen. Heute nun fand ich diesen Text hier aus der Schweiz, und den fand ich bis auf das etwas platte Ende („alles ist okay“) spannend zu lesen: Die Autorin hat zwei Monate ohne Social Media gelebt. Mir gefällt der Gedanke, Social Media ein wenig bewusster und nicht gewohnheitsmäßig (also wie Händewaschen) zu nutzen – vielleicht braucht es gar nicht die radikale Alles-oder-Nichts-Lösung. Und na klar: Die Realität ist meistens noch viel spannender, und es gibt da auch so viel wahrzunehmen, zu entdecken, zu leben.

Was passiert, wenn Social Media anfängt, das reale Leben intensiv zu bestimmen, hat Katrin in ihrem Post gut herausgearbeitet. Wenn man nur etwas zu essen bestellt, um ein schönes Bild auf Instagram zu posten, wenn man seine Wohnung hübsch dekoriert, um darüber bloggen zu können, wenn man sich schminkt, um auf Selfies möglichst perfekt auszusehen, ohne lange nachbearbeiten zu müssen, dann – das finde ich auch – ist eine gewisse Grenze erreicht:

Deswegen besser gefragt: Nimmt man bei seinem realen Leben Einbußen in Kauf, damit das virtuelle Leben schöner aussieht? Und da seh ich momentan ein klares Ja.

Traurig, kann ich da nur sagen. Denn es ist doch letztlich so: Wer all das nicht tut, verpasst nichts. Gar nichts. Er lebt ein anderes Leben. Eines mit live-haftigen Beziehungen, ich meine solche mit Händeschütteln oder Umarmen oder Küssen und so weiter. Und wenn ich eines nicht will, ist es, eben genau das nicht zu verpassen.

Offenheitsfragen und was wir bereit sind auszuhalten

Samstags kommt für mich in der Regel nichts im Fernsehen, und am vergangenen Samstag hab ich mir einfach mal ein Glas Wein eingegossen und mir die aktuelle Ausgabe von „Brand Eins“ geschnappt und gelesen. Offenheit ist das Schwerpunktthema, die Titelgeschichte kann man online hier nachlesen, was ich hiermit unbedingt empfehlen möchte. Dieser Absatz hat mir am besten gefallen:

Glasnost definierte sich als offenes Gespräch über die Verhältnisse. Offenheit ist, wenn man sagen kann, wie es ist. […] Ein offener Umgang miteinander bedeutet auch schnelleres, direkteres Entscheiden und Handeln. Hidden Agendas, die überall existieren und natürlich auch in kapita­listischen Systemen, zeigen immer an, wie geschlossen die dazugehörige Gesellschaft ist. Codes, geheime Sprache, Signale und Symbole verhindern die Durchlässigkeit. Offenheit ist eine Methode, um die Welt schneller und effizienter zu verbessern. Offenheit ist keine moralische ­Dimension. Offenheit ist eine Kulturtechnik.

Er zeigt für mich u.a., wie gefährlich dieses Filterblasendenken ist, das auch ich hier schon oft beschrieben habe. Offen für etwas zu sein, bedeutet auch, Neues kennenlernen zu wollen, auszuprobieren, vielleicht auch wieder zu verwerfen und noch mal neu zu versuchen. Das ist oft anstrengend, ganz oft sehr unbequem und gelegentlich sehr nervig. Doch was ist die Alternative?

Die offene Gesellschaft ist nicht harmonisch, nicht widerspruchsfrei, in ihr fügt sich nicht alles scheinbar ins andere. Man muss was aushalten – vor allen Dingen die anderen. Das ist ihr Preis.

Ganz genau. In Zeiten wie heute ist es angezeigt, daran noch einmal zu erinnern. Das Gegenteil der Offenheit ist das geschlossene System, die Diktatur. Ich komme aus einer, weiß hier also, wovon ich rede. An dieser Stelle erstaunt mich ja immer wieder, wie unglaublich stark Beharrungskräfte sein können, wie sehr es sich viele darin bequem eingerichtet haben und wie schnell diese Welt verklärt wird. Es zeigt sich ja heute auch eine gewisse Sehnsucht nach genauso einer Welt, eine der Abschottung, der Abgrenzung, der Vereinfachung. Der Beitrag beschreibt sehr kenntnisreich und dabei durchaus vergnüglich, wie wichtig Offenheit für eine Demokratie ist und sie eben von den Menschen selbst ausgehen muss. Von jedem einzelnen.

 

 

 

 

 

Spannendes Thema!

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