Die Welt der Zähne in Köln – meine Impressionen

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Ich gehöre zu den wenigen Menschen, die wirklich gerne zum Zahnarzt gehen. Gar nicht mal, weil ich perfekte Zähne hätte, sondern weil ich das Thema einfach spannend finde, mich gerne mit dem Doc oder meiner Dentalhygienikerin über Fachthemen unterhalte und die Ergebnisse, wenn ich dort wieder weggehe, einfach klasse finde. Da ich mich beruflich viel mit dem Thema Zähne beschäftige, habe ich mich also auf die weltgrößte Messe in diesem Bereich, die alle zwei Jahre hier in Köln stattfindet, sehr gefreut.

Das wirklich Neue liegt im Detail
Neuer Intraoralscanner: leicht, handlich, klein. Passt auch in Kindermünder, wenn für die Zahnspange abgeformt werden muss. (c) Koelnmesse GmbH; Thomas Klerx

In der Zahnmedizin und Zahntechnik wird die Zahl der wirklich neuen Produkte immer kleiner: Natürlich werden Innovationen vorgestellt, doch diese sind in der Regel Veränderungen/Verbesserungen zu schon bekannten Geräten, Materialien oder Verfahren. Digitale Röntgengeräte beispielsweise kennt die Zahnmedizin schon lange, doch regelmäßig werden neue Geräte vorgestellt. In diesem Jahr waren viele 3D-Drucker zu sehen, sie werden tatsächlich immer kleiner und vor allem schneller. Zahnersatz zu drucken ist noch nicht so selbstverständlich, aber

Messebesucher, vor allem die weiblichen, standen gefühlte Ewigkeiten an, um eine neue Zahnbürste auszuprobieren. (c) Koelnmesse GmbH; Thomas Klerx

Knirscherschienen oder Bohrschablonen für den Implantologen sind kein Problem mehr. Und: Die Geräte werden immer billiger. Eine neue elektrische Zahnbürste gab es auch, wobei ich mich ernsthaft frage, was Zahnbürsten denn mehr können als Zähne sauber zu machen?! Ein Kollege meinte zu mir am Stand eines weiteren Zahnbürsten-Herstellers, der vor Wochen  schon eine neue elektrische Zahnbürste auf den Markt brachte (UVP: 299 Euro!): „Ich habe die zu Hause, sie kann auch nicht mehr als der Vorgänger.“ Auffällig fand ich, dass immer mehr Firmen einen so genannten Intraoral-Scanner anbieten. Das ist ein Gerät, um die Zähne statt mit der oft unangenehmen Abformmasse eben digital abzuformen. Das ist nötig für die Erstellung von Zahnersatz, aber auch in der Kieferorthopädie.

Ein Patient bekommt direkt vor Ort eine neue Krone: Zahnarzt Dr. Günter Fritzsche aus Hamburg in seinem Element. (c) Koelnmesse GmbH; Thomas Klerx

Die Fortschritte sind hier enorm, die Scanner werden immer kleiner, handlicher und vor allem präziser.  Man konnte sie live auf der Messe ausprobieren, ein Hersteller hat die Anwendung auch direkt am Patienten vorgeführt – ich schaue da immer noch beeindruckt zu, besonders, wenn es ein Zahnarzt macht, mit dem ich bereits für einen Artikel zusammenarbeiten durfte.  Doch auch bleibende Zähne konnten direkt auf der Messe behandelt werden: Einige Firmen boten ihren Standbesuchern an, die Zähne mit neuen Produkten zu bleachen. Wenn man bedenkt, dass diese Kosmetik zwischen 300 und 600 Euro kostet, ist schon irgendwie verständlich, dass manche sich das auf einer Messe schenken lassen. Immer schönere und ja, auch weißere Zähne, sind offensichtlich immer gefragter. Wie wohltuend erscheint dann die Kampagne eines Herstellers von Zahnzwischenraumbürsten, der als Testimonial Jürgen Vogel (ja, genau der mit den wirklich großen Lücken zwischen den Zähnen) engagiert hat. Und diese Kampagne steht unter dem Motto: „Mut zur Lücke – gut zur Lücke“.  Hehe.

Klassentreffen der Branche

Warum ich mich alle zwei Jahre auf diese Messe freue, ist mit dieser Überschrift eigentlich zu einem großen Teil erklärt. Diese Messe ist für uns Medienleute, die wir in der Branche arbeiten, wirklich eine Art Klassentreffen. Wir begegnen uns auf Pressekonferenzen oder anderen Veranstaltungen von Herstellern, schnattern und lachen, trinken ein Kölsch zusammen – das hat einfach was. Ich werde nach dem Stand der Dinge beim HSV und meinem Befinden gefragt, ich höre von Kindern, die groß geworden sind … Natürlich kennt man auch viele Vertreter der Firmen – es ist überall ein großes Hallo. Die Dentalbranche hat einfach etwas Familiäres, zumindest im deutschsprachigen Raum. Ich treffe heute noch Leute, die schon vor vielen Jahren, als ich meine erste Stelle in einem zahnmedizinischen Fachverlag antrat, dabei waren. Einmal dental, immer dental. Sprach’s mit einem Augenzwinkern.

Und sonst so …
  • … habe ich neben dem unvermeidlichen Geruch von Desinfektionsmitteln wunderbaren Kaffeeduft wahrgenommen. Kaum eine größere Firma, die etwas auf sich hält, kam auf dem Messestand ohne eine vernünftige Kaffeemaschine aus, die tolle Spezialitäten zauberte. Manch einer engagierte gar einen Barrista dafür.
  • … traute ich mich kaum, selbst Fotos zu machen aus Angst, irgendwelche Bildrechte zu verletzen, so weit sind wir schon. Dabei gab es nette Motive. An einem Stand wurde ich explizit darauf aufmerksam gemacht, keine Bilder machen zu dürfen – das war mir so auch noch nie passiert.
  • … war ich voller Bewunderung für die Frauen, die so einen Messetag von 9 bis 18 Uhr auf Highheels durchstanden. Ich wünsche mir bitte auch einen Rücken, der das aushält. Denn: Es sah an den Füßen gut aus. Wenngleich: Unterscheidbar waren die Damen des einen Standes von jenen des anderen bei den Klamotten kaum noch. Einzig die Farbe der Halstücher varriierte. Ansonsten dominierte (wie wahrscheinlich überall auf Messen in konservativen Branchen) schwarz, grau und dunkelblau. Schade eigentlich.
Mein persönliches Highlight

Ich erlebte meinen Knaller am Samstag: Ich durfte am Modell mit einem motorbetriebenen Gerät einen Wurzelkanal aufbereiten und in einem weiteren Modell eine Zahnfüllung legen. Letzteres hat mein Mann auch einmal probiert, und er fand es „echt cool – einmal wie ein Zahnarzt sein“. Das werden spannende nächste Besuche bei unserem Zahnarzt …

 

 

 

 

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