Wenn Sport allen Spaß macht

Es gibt sie noch, die kleinen, feinen Sportfeste an den Grundschulen, bei denen die Klassen innerhalb ihrer Stufe zu einem kleinen Wettbewerb in verschiedenen Leichtathletik-Disziplinen gegeneinander antreten. Ich durfte heute als Helferin am Sportfest unserer jüngeren Tochter teilnehmen, und es war mir ehrlich eine Freude. Und das kam so.

Für die verschiedenen Stationen (am Ende waren es sieben) wurden Eltern-Helfer gesucht, wenn ich es ein bisschen großspuriger formulieren würde, sagte ich, dass es um einen „Wettkampfrichter“ ging. Ich bekam die Station Weitsprung und hatte die Aufgabe, die Hütchen zur Markierung der Anlaufposition sowie für die Weiten-Bereiche (1-3 Meter) aufzustellen und dann dem Lehrer der jeweiligen Klasse anzusagen, wie weit deren Schützlinge gesprungen waren. Es ging nicht um die exakte Weite, sondern um Punkte: Wer zwischen 1-2 Meter sprang (ich hatte das so genau wie nur möglich vermessen), erhielt zwei Punkte, mehr als 2 Meter waren drei Punkte.  Tatsächlich passierte an meiner Station aber noch so viel mehr, und das machte es aus.

Das Mutti als verkappter Trainer

Zunächst: Einige Kinder wussten noch nicht, was Weitsprung überhaupt war. Ich durfte das also ausführlich erklären und auch demonstrieren, am Absprungbalken immer wieder zeigen, wie man abspringen sollte, die Kinder beim Anlaufen anfeuern, damit sie Geschwindigkeit aufnehmen … Es war so großartig, wie aufmerksam die meisten Kinder zuhörten und aufzeigten, um eine Frage zu stellen, wie motiviert sie an ihre Sprünge herangingen und sich sofort für den nächsten Sprung wieder einreihten. Die Kinder waren wirklich gewillt, es richtig zu machen und ein gutes Ergebnis zu erreichen – ich war so stolz auf die Mädchen und Jungen. Denn: Sie haben sich mehrheitlich echt angestrengt, sich von Versuch zu Versuch zu steigern. Jungen fragten gerne, ob sie denn alles richtig gemacht hätten und waren ganz erpicht darauf, Tipps zu bekommen, was sie verbessern können. So manches Mädchen bedankte sich bei mir sogar für die Hinweise. Und bei wirklich allen war die Freude riesig, wenn sie drei Punkte und ein Lob für ihren guten Sprung bekamen. Mir machte das Ganze auch so richtig Spaß, ein kleines bisschen „Trainer“ zu spielen, anzufeuern, mich mit den Kindern mitzufreuen. Mein leidenschaftliches Dabeisein entging auch dem Sportlehrer nicht, er grinste und bedankte sich später ausführlich … ach, solche Sportveranstaltungen sind einfach genau mein Ding.

Toll auch zu sehen, wie sich die Kinder untereinander anfeuerten – nicht nur beim Weitsprung. Da wurden rhythmisch die Namen der Kinder gerufen, da wurde gejubelt, wenn etwas gut gelang, da wurde getröstet, wenn es nicht so optimal lief.  Ich betone das hier extra so, weil es ja durchaus schon anders zu lesen war (hier noch einmal meine Gedanken dazu: Beitrag I und Beitrag II). Weil weniger sportliche Kinder von anderen Kindern ausgelacht wurden, sollten die Bundesjugendspiele mal eben abgeschafft werden. Wettbewerb wird nicht nur in diesem Zusammenhang dämonisiert. Dabei mögen es Kinder durchaus, sich zu messen: Wie viele Punkte habe ich bekommen? Wie viele brauchen wir noch, um die andere Klasse zu überflügeln? Wo können wir noch Punkte machen?

Schade, dass der Regen das schöne und fröhliche Treiben auf dem Sportplatz abrupt beendete. Da nicht alle Klassen alle Stationen durchlaufen konnten, gibt es also auch noch keine Sieger, die tatsächlich ermittelt werden. Also nichts hier mit Teilnehmerurkunde für jeden, sondern nur einen Pokal für die sportlichste Klasse pro Stufe.

Da geht noch mehr

Bisher hatte ich ja keine Ahnung davon, wie solche Sportfeste heute aussehen. Als Ossi kenne ich das aus meiner Kindheit sehr viel straffer und „generalstabsmäßiger“ organisiert. Da fand auch nach dem Fest kein Unterricht statt, sondern es gab etwas zu essen und zu trinken, Musik und eine mondäne Siegerehrung, auch für Einzelsportler. So ein bisschen mehr Wettkampf-Geist würde ich mir dann doch wünschen, und ich meine hier: klare Kennzeichnung der einzelnen Stationen, Tischchen, auf denen die „Kampfrichter“ die Ergebnisse notieren können, klare Unterweisungen für die Helfer (also die Kampfrichter), ein klareres Regelverständnis bei den Kindern, wie man sich auf einem Sportplatz bewegt, ohne andere bei ihren Übungen zu stören … Vielleicht kann ich an der Schule ein wenig Überzeugungsarbeit leisten und mit tatkräftiger Unterstützung für ein stimmungsvolles und noch spannenderes Sportfest im nächsten Jahr sorgen. Da hätte ich Bock drauf.

Nachtrag: Meine Mutter schrieb mir, dass sie erst kürzlich in einer größeren Stadt im Nordosten ein Sportfest beobachtete. Es fand am Kindertag (1. Juni) statt, und es war für sie ein echtes Vergnügen zuzuschauen, weil die Kinder mit einer riesigen Begeisterung Sport machten. Und alles war so organisiert, wie ich das hier bei meinen Wünschen formuliert habe. – Hach!

 

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