Wie schön – ich bin ein Muttertier!

Ich muss ein bisschen vorsichtig sein: „Muttertier“ versteht jeder anders, das hat meine kurze Recherche ergeben. Ich meine damit weder die Mutter, die in diesem Beitrag beschrieben wird (das tat mir richtig weh), noch mag ich mich mit Birgit Kelle gemein machen, die ein Buch mit dem Titel „Muttertier“ verfasst hat. Ich meine es eher liebevoll und mit einem Augenzwinkern. Denn: Natürlich bin ich nicht nur Mutti, ich sehe mich, wie hier schon mehrfach beschrieben, als Frau – für mich, für meinen Mann, im Job. Ich mag diese Rollen, aber – und das ist das Thema – eben derzeit ganz besonders auch die der Mami.

Die Mädels werden groß

Es gibt eigentlich keinen besonderen oder konkreten Auslöser, aber meine Mädels sind derzeit in einem Alter, das ich ungeheuer spannend finde: Dem pubertierenden Tochterkind fühle ich mich in ganz vielen Momenten sehr nahe. Es ist so eine tolle Zeit, wenn eben gewisse Themen aktuell werden, wenn Mütter vertrauensvoll um Rat gefragt werden, wenn die Mädels giggeln, sich im Zimmer einschließen und die Köpfe zusammenstecken, wenn sie gemeinsam shoppen gehen, um sich die gleichen T-Shirts zu kaufen, wenn sie sich einfach aufmachen, erwachsen zu werden. Ich fühle mich an meine Jugendzeit erinnert, ganz oft fliegen mich Situationen und Szenen von anno dunnemals an: Wie ich mit meinen Freundinnen den Französisch-Unterricht schwänzte, weil es so viel cooler war, morgens im See zu schwimmen. Wie wir uns darüber austauschten, welchen Jungen wir süß fanden. Wie wir vor unseren Kleiderschränken standen und die Klamotten der Freundin anprobierten. Hach. Und jetzt darf ich die eigene Tochter auf diesem Weg begleiten, und das fühlt sich gerade einfach großartig an.

Das jüngere Tochterkind hat das Wasser, das sie mal gar nicht mochte und gerne mied, für sich entdeckt. Sie schafft es tatsächlich, mich bei 34 Grad im Schatten ins Schwimmbad einer Großstadt zu lotsen. Mich, die ich im Land der „1.000 Seen“ groß geworden bin und einen Strand überfüllt finde, wenn mehr als zehn Personen da sind, wie @dasnuf in ihrer Kolumne der SZ Familie formulierte.  Ein Kind so ausgelassen, fröhlich und stolz schwimmend zu sehen – da geht, auch wenn es schrecklich voll und laut ist, wenig drüber. Oder auch ihr zuzusehen, wie sie Theater auf einer Bühne zum Schulfest spielt, wie sie beim Sportfest einen wirklich weiten Satz in die Weitsprunggrube macht und beim Laufen so richtig Gas gibt, das macht einfach Spaß. Da ist sie noch, diese kindliche Freude und der Spaß an etwas, womit man eigentlich nicht mehr aufhören möchte.

Und weil das gerade alles so das Herz erwärmt, nehme ich mir ganz viel Zeit dafür, andere Dinge müssen dann eben warten. Diese Freiheit, es so handhaben zu können, habe ich nicht immer so verspürt, doch jetzt ist das so, und ich genieße es ehrlich. Es macht mir schon gar nichts mehr aus, dem Kind den Taschenrechner in die Schule nachzutragen, weil sie eine Klassenarbeit schreibt. Denn: Ich bin ja da, ich kann es tun. Ich hole das andere Kind auch gerne aus der Schule ab, obwohl die nicht weit weg ist und das Kind problemlos alleine nach Hause geht. Viel wichtiger ist: Ich kann es einfach, und Kind plus Mutter fühlen sich gut dabei. Und es ist auch schön, das ältere Kind samt Freundinnen zu einer Party zu fahren und sie natürlich (auch aus Sicherheitsgründen) auch wieder abzuholen. Ich weiß: Meine Mutter hat ähnlich gehandelt, als ich im Alter der Tochter war.

Das Mama-Sein verändert sich

All das macht mich nicht zu einem Muttertier wie im oben verlinkten Artikel beschrieben. Aber ich fühle mich derzeit sehr wie eine Mama, und ich nenne mich Muttertier, weil das Gefühl so stark ist. Nicht immer fand ich dieses Mama-Sein so toll wie gerade jetzt. Es gab Zeiten, da es mich fast zerrissen hat, weil ich meine Rollen, die ich nun mal ausfülle, nicht so richtig für mich zusammenbrachte. Entweder hatte ich ein (völlig unbegründetes, aber eben gefühltes) schlechtes Gewissen, weil ich meinte, weder mir selbst, noch den Kindern, geschweige denn meinem Mann gerecht zu werden. Oder ich habe einfach in den Funktioniermodus umgeschaltet. Das hat sich verändert. Vielleicht auch, weil die Bedürfnisse der Kinder andere sind, sie mich anders brauchen als vielleicht vor drei, vier Jahren. Weil sie extrem selbständig sind, ihr eigenes Ding machen und die Zeiten, in denen wir zusammen sind,  heute anders schätzen. Rituale wie zum Beispiel das gemeinsame Frühstück und das gemeinsame Abendessen finden beide heute genauso wichtig wie wir Erwachsenen, sie fordern es ein und leben das gemeinsam mit uns – hier zu Hause und auch dann, wenn wir unterwegs sind. Das Leben mit Kindern ist eben auch Veränderung, und es ist gut zu erfahren, dass dies nicht bedrohlich, sondern wirklich spannend im Sinne von anstrengend, aber doch auch erstaunlich und aufregend und manchmal auch ganz doll herzerwärmend ist.

 

 

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