Lieferdienste und die Bequemlichkeit der Onlinebesteller

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Wir sind eine nette Familie. Wir wohnen in einem Mehrfamilienhaus in einer Großstadt, halten unsere Kinder dazu an, nicht herumzutrampeln, die Musik möglichst auf Zimmerlautstärke zu hören und sind vorbildlich in Sachen Nachbarn-Grüßen, auch wenn da selten Nettes zurückkommt. Aber, und jetzt kommen wir zum Thema: Diese Nettigkeit wird inzwischen auf eine harte Probe gestellt:

Unsere Nachbarn sind nämlich fleißige Online-Besteller, also gute Kunden bei Amazon & Co, sogar Essen lässt man sich von hellofresh kommen (was bei uns hier gerade versauert und anfängt zu müffeln), ein Fernseher war schon dabei, Weihnachtsgeschenke, auch Blumen-Heliumballon-Arrangements für die Angebetete zum 40. gab es. Wir wissen das, weil wir nämlich die besten Freunde der Lieferdienste sind: Die bringen die Pakete hierher und klingeln dann genau wo? Richtig, bei uns. Es ist für sie bequem und finanziell lohnend, alles bei uns abzuladen. Auch für die Nachbarn ist das ein toller Service, der echt viel Bequemlichkeit bietet: Sie müssen nicht am Wochenende zur Post und sich in die megalange Schlange begeben, sie müssen nicht bei eventuell doofem Wetter das Haus verlassen und schwere Pakete schleppen oder mit dem Auto Runden um die Post drehen, weil es dort so gut wie keine Parkplätze gibt. Sie sparen ganz viel Zeit, können einfach in Hauspuschen vorbeikommen, klingeln und das Paket entgegennehmen.

Wider die Selbstverständlichkeit

Wir, und hier vor allem mein Mann, machen das aus Freundlichkeit eigentlich gerne, doch so langsam haben wir das Gefühl, dass es sowohl die Lieferdienste als auch die Nachbarn ausnutzen. DHL & Co klingeln erst gar nicht woanders, sondern gleich bei uns, als seien wir ihr ausgelagertes Depot. Dann warten die Pakete mitunter tagelang auf Abholung, der Rekord steht bei einem Jahr (!), gelegentlich gibt es ein noch ein dahingemurmeltes „aber ich war doch zu Hause“, wofür wir ja irgendwie auch nichts können, mehr als ein schmallippiges Danke ist bei den meisten nicht drin.

Es ist nicht so, dass wir hier große Szenen der Dankbarkeit erwarten. Ein freundliches (!) Danke, ein „wir wissen es zu schätzen, dass Sie das für uns tun“ wäre irgendwie schön. Es bleibt hier einfach zu oft der Eindruck, dass alles einfach selbstverständlich ist. So kann man Nachbarschaftshilfe halt auch torpedieren. Hinzu kommt die Unausgewogenheit: Nähme mal der oder die ein Paket für uns an, oder hülfe uns mal jene oder jener bei einer anderen Kleinigkeit, wäre das ja wunderbar, entspricht nur leider nicht der Realität. Die meisten sind sehr mit sich selbst beschäftigt, schauen einem kaum in die Augen und sehen zu, dass sie die Tür hinter sich zu bekommen.

Wir fragen uns: Soll man überhaupt noch Nachbarn helfen, wenn die einfach drauf losbestellen, in den (Kurz)Urlaub fahren und dann ewig ihre Pakete hier zwischenlagern? Will man ein freundlicher Nachbar sein, wenn außer einem dahingemurmelten Danke überhaupt keine Wertschätzung zurückkommt?  Muss alles erst Geld kosten, damit es wertvoll wird?

 

 

 

 

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3 Kommentare Gib deinen ab

  1. janvonnebenan sagt:

    Hallo!
    Ein schönes Thema und ich finde: Ihr seid viel zu nett!
    Ich habe da auch viele Erlebnisse und bin mittlerweile an dem Punkt, dass ich nur noch für die netten Nachbarn Pakete annehme. Warum? Früher lebten wir in einem Mietshaus und im Parterre war ein kleines Geschäft. Die nette Besitzerin nahm fast alle Pakete der Nachbarschaft an und ja: wir dachten auch manches mal, dass die dhl-Boten sie als Außenstelle ausnützten. Hin und wieder nahm sie auch unsere Pakete an, weshalb wir (meist zu Weihnachten) ein kleines Dankeschön vorbeibrachten. Sie war dann immer sehr erfreut und überrascht. Wir waren wohl in der Minderheit.

    Die junge Mama über uns hatte wohl wenig Zeit und so bestellte sie „den täglichen Bedarf“ im Internet. Da stand dann mal ne Woche ein Kinderbett in meinem Flur. Irgendwann war ich dann so genervt, dass ich den Kram hochtrug und ihr einfach vor die Tür stellte.
    Höhepunkt war dann eines Tages, als die Dame vor der Tür stand und ein Paket „einforderte“, während sie mit dem Zettel vor mir herumwedelte, den sie eben aus dem Briefkasten geangelt habe. Ich hatte kein Paket, wies sie darauf hin, mal auf das Datum der Zustellung zu schauen. Das lag 3 (!!!) Monate zurück. Sie hatte das Paket längst erhalten und den Briefkasten seit geraumer Zeit nicht mehr geleert…
    Und auch die Arbeitsstelle meiner Frau sieht manchmal aus wie ein Post-Shop. Da liegen an manchen Tagen 30-50 Pakete rum. Ups, dhl, Hermes…
    Inzwischen leben wir in einem Haus. Unsere Pakete lassen wir uns an unsere Arbeitsstellen liefern, auch wenn wir größtenteils nette Menschen um uns haben, die gerne helfen. Ich will aber nicht, dass unsere Pakete bei irgendwelchen Arschl… landen, die nie grüßen oder mit denen es schon anderweitig Stress gab. Darum nehme ich auch nur noch für die netten Nachbarn Pakete an. Der Rest soll halt gucken.

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    1. mrscgn sagt:

      Das wird unsere Lösung sein: Wir nehmen nur noch für freundliche Nachbarn an. Das sind dann eben nur 1-2. Tja nun.
      Pakete in die Firma liefern zu lassen ist genau der Weg. Oder man ist nett zu seinem Nachbarn und sagt ihm einfach, dass man es sehr schätzt. Irgendwie so. Warum ist das so schwierig?

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  2. knuddelpapst sagt:

    Ein Jahr? Wie geht das denn?

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