Fußballdinge: Herr Martinsen fragt

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Die Saison 2016/2017 neigte sich dem Ende zu, ich war in Hamburg zum Spiel HSV gegen Mainz, das leider 0-0 ausging, als der geschätzte Herr Martinsen da ein paar Fragen an mich hatte. Bevor die neue Saison startet, will ich diese beantworten.

 

Ich war das letzte mal Anfang der 90er Jahre im Stadion. Damals war das alles noch ein bisschen anders, glaube ich.

Das kann ich mir gut vorstellen. Mein erstes Mal Stadionbesuch ist noch länger her, das war in den 70ern. Meiner Mutter (!) nahm mich mit zum Spiel 1. FC Magdeburg gegen den Halleschen Fußballclub Chemie (oder kurz: HFC Chemie) ins Hallesche Fußballstadion. Ich war damals großer Fan des FCM und fand es großartig, Männer wie Streich, Steinbach, Hoffmann, Pommerenke live und in Farbe (jaja, wir hatten damals nur SW-Fernsehen) zu sehen. Wir hatten Stehplatzkarten und waren recht nah dran am Geschehen. Um uns herum war viel Platz, es war damals noch nicht so angesagt, zum Fußball zu gehen. Später war ich auch mal bei einem Spiel von Hansa Rostock gegen Chemie Böhlen, diesmal auch mit meinem Vater, der sich damals noch sehr für Fußball interessierte, und wir hatten wieder Stehplätze. Das Stadion war alt, hatte aber immerhin eine elektronische Anzeigetafel.

Seit dieser Zeit hat sich einiges getan: Die meisten Stadien (ich spreche hier vor allem von der Bundesliga) bieten ihren Zuschauern überdachte Steh- und Sitzplätze, und es sitzt sich ganz gut. Der Blick aufs Spielfeld ist von vielen Bereichen aus sehr gut; dadurch, dass es inzwischen keine Leichtathletik-Stadien mehr sind (man denke nur an das Münchner Olympia-Stadion, ist man als Zuschauer recht nah dran am Geschehen. Das gibt dem Ganzen eine noch „kuschligere“ Atmosphäre. Ich finde ja, dass es oft täuscht im Fernsehen – am größten nahm ich den Unterschied auf Schalke wahr: Das wirkt live viel enger, näher, längst nicht so riesig und weit wie im TV.

Warst Du in einer Kurve? Oder wo warst Du? In welchen Stadien warst Du?

Ich war in vielen Stadien (bisher allerdings nur in Deutschland) und dort an verschiedenen Orten – vom Business-Seats-Bereich bis zur Fankurve war bisher alles dabei. Gewesen bin ich bisher hier: München (altes Stadion, nie gegen den HSV, dafür aber ein legendäres 3-3 gegen Gladbach), Stuttgart, Karlsruhe (Relegation, das bisher emotionalste Erlebnis!), Mainz, Frankfurt, Kaiserslautern, Köln (auch in der 2. Liga!), Leverkusen, Düsseldorf (1. Liga gegen den HSV, frag nicht), Gladbach (Telekom-Cup mit der Tochter als Auflaufkind), Dortmund, Schalke, Bremen (auf beheiztem Business-Seat und jeweils Niederlagen des HSV, auch auch im Gästefan-Block), Hannover, Jena (Pokal), Hamburg (HSV und St. Pauli), Berlin. Außerdem noch hier im Kölner Südstation bei der Fortuna.

Fühltest Du Dich dort jeweils wohl? Also keine Angst vor blöden Doofs? War es eine entspannte Stimmung?

Das war und ist sehr unterschiedlich. Ich habe mich oft wohlgefühlt, aber eben auch schon ziemlich mies. In Mainz beispielsweise wird man als Fan der Gastmannschaft nicht sehr gut behandelt. Offensichtlich sind viele der Meinung, dass man als Familie dort nicht hingehen sollte. Ich musste lange argumentieren, bis man mich mit der Tasche mit Utensilien für die Kinder überhaupt reinließ. In Jena verhielten sich einige Fans sehr rücksichtslos mit ihren Zigaretten, mein T1 hat heute eine Brandnarbe auf dem Unterarm. Ich finde diese Qualmerei ja ohnehin furchtbar, mir schmeckt dann kein Bier und erst recht keine Brezel oder Ähnliches. In Hamburg wurde ich im HSV-Block Opfer eines Becherwurfs, über mich ergoß sich Limo und Cola, es war widerlich. In Düsseldorf wurde mein Mann, weil er meinen HSV-Schal trug, attackiert. Um auf Deine Frage zu antworten: Doch, ich hatte immer mal Schiss – seitdem meide ich Gästeblocks und ich habe jüngst teurere Plätze gewählt – die Sitten dort sind komplett andere, es guckt sich entspannter. Stimmungsmäßig ist das dann natürlich etwas dünner, aber meine eigene Unversehrtheit ist mir da wichtiger.

Doch in Erinnerung bleiben vor allem die tollen Momente: Unerreicht wird immer die Relegation in Karlsruhe bleiben, dazu hatte ich hier mal gebloggt, davon zehre ich heute noch, und es wird mich immer mit Oli verbinden, der mich begleitet hat. Großartig trotz einer Niederlage war auch das Auftaktspiel gegen Borussia Dortmund, nachdem sie Meister geworden waren. Es waren ca. 10.000 HSVer in Dortmund, eine extrem freundliche Stimmung um das Stadion herum und auch darin, und es wurde so gnadenlos angefeuert – ich war wirklich heiser nach dem Spiel. Auch in Köln tobt der Bär, wenn der HSV da ist. Der Gästebereich liegt dort in einem Winkel, also ein Teil im Norden, der andere im Osten. So funktionieren Wechselgesänge natürlich prima, und das passiert dort auch regelmäßig. Grandios außerdem der Derbysieg in Hamburg bei 0 Grad Außentemperatur (dafür war ich extra aus Köln angereist und bin danach auch wieder heimgefahren), oder auch der 4-2 Sieg gegen den VfB, als Trochowski, mein Lieblingsspieler, ein herrliches Tor schoß. Legendär war auch der 6-2 Sieg des HSV über den Effzeh im März 2011; das war die Saison, als Köln mit Poldi abstieg. Es stand zur Halbzeit schon 4-0, ich saß mit drei Freunden zusammen, und wir waren sooo laut.

Was ist mit den Örtlichkeiten? Und was ist mit dem leiblichen Wohl?

Dazu möchte ich dann doch eher nicht so viele Worte verlieren. Ich bin da wohl zu verwöhnt, und ich ekle mich auch schnell. Es kommt auch immer darauf an, wo man im Stadion ist. Je teurer die Plätze, desto besser die sanitären Einrichtungen (Bundesliga), hier bei der Fortuna sind offenbar selten Frauen dabei, alles tiptop. Die beste Currywurst habe ich auf St. Pauli gegessen, das beste Bier gab und gibt es für mich in Frankfurt. Das alles ist aber wirklich Geschmackssache.

Kommt man aus den Stadien schnell rein und wieder raus? Und wo kommt man dann jeweils raus? Wirst Du zukünftg mehr in’s Stadion gehen?

Das ist sehr unterschiedlich. Es kommt auf das Stadion selbst an. Dann ist wichtig, ob Du im Bereich der Heim- oder Auswärtsfans unterwegs bist. Und schließlich: Raus geht es in der Regel immer schnell. In Mainz ist der Weg vom Stadion zu den Shuttlebussen extrem weit, aber ansonsten funktioniert das mit den öff. Verkehrsmitteln recht gut – hier in Köln ist es sehr nah, aber auch sehr voll.  Das passt alles schon.

Die Sache, wie ich es künftig halten will, ist schwierig zu beantworten. Ich habe gerade „Football Leaks“ gelesen, und das lässt den ganzen Zirkus doch noch einmal in einem anderen Licht erscheinen. Eigentlich habe ich ja vor, alle Bundesliga-Stadien einmal besucht zu haben (besonders interessieren mich Freiburg und Leipzig), aber will ich wirklich noch Teil der Show sein? Ich bin echt hin- und hergerissen, weil ich dieses Spiel nun mal so toll finde und mich echt gerne mitreißen lasse. Diese Emotionen sind so intensiv, und es macht, wenn Du gemeinsam mit ein paar Fußballfreunden unterwegs bist, wirklich Spaß. Das hat was Uriges, Lustiges und Befreiendes, weil ich dann echt die Welt da draußen ein bisschen vergessen kann; ich bin dann ganz versunken im Fußball. Wir werden sehen – jetzt also erst einmal Pokal gegen den VfL Osnabrück.

 

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