Unterwegs im „wilden Osten“

Aufmerksame Leser dieses Blogs werden es wissen: Ich lebe zwar in Köln, stamme aber aus dem Nordosten der Republik. Dort leben noch meine Eltern, Freunde und Verwandte. Ein runder Geburtstag einer engen Freundin führte uns mal wieder in diese Richtung, und wir nutzten die Gelegenheit, nicht einfach zu dieser Feier zu fahren, sondern eine kleine Rundreise durch den „wilden Osten“, wie mein Mann die Gegend liebevoll nennt, zu starten. Das führte uns also zunächst nach Berlin, von dort weiter in die Lausitz (Sachsen) und schließlich nach Thüringen.

Der Reihe nach: Wer als Familie unterwegs ist, kennt sicher das Dilemma bei einer Hotelbuchung. Die wenigsten Hotels bieten Familienzimmer an, die auch nur halbwegs „normales Geld“ kosten. In der Regel werden zwei Doppelzimmer angeboten, was manchmal okay ist und wir auch schon so gebucht haben (etwa im Steigenberger in Eisenach), aber sich irgendwie nicht immer richtig gut anfühlt. Wenn man dann Pensionen oder Ferienwohnungen sucht, machen die Bilder und/oder die Bewertungen nicht immer Mut, oder die Lage passt einfach nicht. Ich wollte ja nicht ewig unterwegs sein, um zur Feier hin- und von dort zum Schlafen wieder ins Hotel zu fahren. Also haben wir uns für eine Bleibe in der Nähe des Olympiastadions entschieden, was im Netz ganz okay aussah, sich aber leider als ein Etablissement mit Jugendherbergscharme entpuppte. Das Zimmer war groß, bot ausreichend Platz, dass sich vier Personen ausbreiten konnten, das Auto fand seinen Platz direkt am Haus und hatten einen kurzen Weg zu unserem eigentlichen Ziel. Das war es dann aber auch schon, was sich im positiven Sinne darüber sagen lässt. Das Bad empfanden wir als Zumutung: Klein, leicht abschüssig zur Badewanne hin, die gleichzeitig als Dusche fungierte, nicht mehr saniert seit den 70ern – so sah es jedenfalls aus. Der Blick aus dem 9. Stock war imposant, aber naja, darum ging es uns nicht.

Als viel spannender empfanden wir den Weg heraus aus der Stadt. Wir wollten ja Richtung Süden und fuhren somit mitten hindurch, um dann bei Ruhleben die Stadt zu verlassen. Das war insofern interessant, weil sich die Stadt tatsächlich mit jedem Stadtteilwechsel veränderte. Wenn man selbst in einer Großstadt wohnt, nimmt man das wahrscheinlich gar nicht so wahr, doch anderswo fällt es extrem auf. Besonders witzig fand ich ein Café mit Namen „Brittis“.

Die Autobahn Richtung Lausitz ist gut ausgebaut. Mir fiel nur auf, dass seltener richtig schnell gefahren wird als hier im Westen, wenn es denn erlaubt ist. Dagegen wurde ich eifrig überholt bei Geschwindigkeitsbegrenzungen, an die ich mich selbstredend halte. Wie überhaupt in der Gegend zu gelten scheint: Entweder man fährt richtig zackig, vor allem auf Bundes- und Landstraßen, oder man schert sich nicht weiter um Geschwindigkeiten und tuckert mit 70 km/h über Land. Apropos Landstraßen: Mein Auto ist noch nicht alt, das Kartenmaterial des Navigationssytems aber offensichtlich schon. Unfassbar, welche Wege es alles nicht kannte oder als welche auswies, die es so gar nicht gab.

Unser nächster Halt hieß Hoyerswerda. Das Stadtzentrum war malerisch, richtig herausgeputzt und wirklich beschaulich. Wir wohnten im Hotel Zur Mühle mittendrin und fühlten uns dort wirklich wohl. Unser Zimmer, das auf der Startseite der Website abgebildet ist, sah wirklich so aus (bei Tageslicht natürlich deutlich heller). Wir wohnten unterm Dach, hatten als Familie richtig Platz und ein wirklich schönes, sehr liebevoll eingerichtetes Badezimmer (Bild). Da das hoteleigene Restaurant an diesem Tag geschlossen hatte, fuhren wir ein paar Kilometer Richtung Wittichenau und aßen zu Abend im „Dorfstüb’l“ mit regionaler Küche, was uns wichtig war. Es geht dort sehr urig zu, aber das Essen fanden wir wirklich lecker und reichlich. Allerdings: Als Salatdressig wird standardmäßig eine Joghurtsauce verwendet, was mir ja so gar nicht behagt. Also: Wer dort mal einkehrt und weiße Saucen auf dem Salat auch nicht mag, sagt vorher dem Kellner einfach Bescheid.

Am kommenden Tag fuhren wir weiter nach Pulsnitz, der Stadt der Pfefferkuchen. Bezüglich des Unterschieds zwischen Pfeffer- und Lebkuchen, der vor allem regionaler Natur ist, bitte hier weiterlesen, das lohnt sich. Wir haben dort insgesamt drei Pfefferküchlereien besucht. Die Verkaufsläden sind winzig, das Personal aber sehr herzlich. Während des Schreibens darüber entsteht dann auch prompt Heißhunger, wir genießen gerade Elisenkuchen (Bild) aus dieser Pfefferküchlerei, und ich kann nur sagen: Köstlich. Wirklich, ganz doll nach Nüssen und leicht nach Marzipan. Kann man auch bestellen. Bekannt sind aber vor allem die „Pulsnitzer Spitzen“. Das sind kleine handliche Pfefferkuchen, die mit einer Mehrfruchtmarmelade gefüllt und einer dicken Schokoladenschicht überzogen sind. Sie sind schön weich und schmecken auch hervorragend. Die besten Spitzen, sagen zumindest Einheimische, gibt es hier. Ich vermag die Unterschiede nicht so herauszuschmecken, aber in dem Laden wurden wir besonders freundlich informiert und bedient. Wir fühlten uns in diesem Ort ein wenig wie auf einem Weihnachtsmarkt, weil es dort wegen der insgesamt neun Pfefferküchlereien fast überall nach diesen wunderbaren Gewürzen duftete. Diese Pfefferkuchen werden inzwischen in die ganze Welt verschickt, haben also auch das ganze Jahr Saison. Pulsnitz ist natürlich vor allem im Dezember eine echte Reise-Empfehlung.

Von dort ging es weiter Richtung Thüringen, und wir waren recht erstaunt, wie weit das noch war. Pulsnitz liegt ja quasi noch hinter Dresden. Wenn man von Osten aus Richtung Dresden fährt, sieht man auch schön, dass die sächsische Hauptstadt so richtig im Tal liegt. Wir haben auch in Thüringen eine Unterkunft fernab der üblichen Routen ausgewählt. Das war rein zimmertechnisch in Ordnung (groß, sauber, Fußbodenheizung im Bad, sehr freundliche Wirtin), aber eben auch arg versteckt. Die Pension im Dunkeln zu finden, erwies sich als nicht ganz so einfach. Dafür bot sich uns am Morgen ein wunderschöner Blick über das Tal. Kaffee und Brötchen zum Frühstück besorgten wir uns bei einem kleinen Bäcker in einem sehr kleinen Ort, wo wir auch Brot zum Kilopreis von 2,60 Euro mitnahmen. Das schmeckte so ganz anders als das, welches wir hier bekommen – sogar die Kinder waren begeistert, was eine Sondermeldung ist.

Wir fuhren weiter nach Schmalkalden, der Heimat einer Schokoladen- bzw. Nougatfabrik. Wer Nougat mag, wird es dort lieben. Es gibt ein kleines Museum, in dem man u.a. den Angestellten dabei zuschauen kann, wie verschiedene Nougatprodukte, vor allem Pralinen, hergestellt werden. Innerhalb des Museums kann eifrig probiert werden, unter anderem auch Haselnüsse in verschiedenen Veredlungsstadien – sehr interessant. Am besten fanden wir natürlich den Nougatbrunnen, an dem man sich bedienen konnte (Bild). Ein Fest für jeden Nougatfan. Für mich schmeckte dieses Nougat nach Kindheit, denn die Stangen, in goldenes Papier eingewickelt, gab es auch schon zu DDR-Zeiten, kosteten 1,40 DDR-Mark und waren damals schon köstlich. Selbstverständlich kann in einem Laden vor Ort direkt eingekauft werden – wir haben dort unseren Vorrat für die kommende Adventszeit „eingesackt“.

Unsere Tour durch einen Teil des Ostens empfanden wir als ein richtig tolles Abenteuer: Die Menschen, mit denen wir sprachen, waren durchweg sehr freundlich, auskunftsfreudig und immer sehr hilfsbereit. Landschaftlich hat uns der Osten – hier also Sachsen und Thüringen – wirklich gefallen, es ist einfach schön dort, gerade auch abseits der Autobahnen und Großstädte. Wir müssen da wieder hin!

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