Es ist nicht alles doof

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Eigentlich bin ich ja eine starke Person. Doch manchmal haut es eben auch selbstbewusste, strukturierte und klar orientierte Frauen aus den Socken. Gestern passierte mir das:

Weil ich aber nicht in Selbstmitleid zerfließen will, sondern zurückfinden möchte in mein positives Denken, werde ich das eine Woche lang dokumentieren. An jedem Tag werde ich hier so ein bisschen den Tag Revue passieren lassen, auf dass ich selbst sehe und bemerke: Es war und ist nicht alles doof.

Montag

Es ist zugleich auch Tag1 unseres neuen Projekts. Grob gesagt geht es dabei um bewusstes Essen und Trinken, um einen bewussten Umgang mit Lebensmitteln und auch einen bewussten Umgang mit sich selbst und seinen (kulinarischen) Bedürfnissen. Ein Teil dieses „Projekts“: Ich trinke jetzt Tee, der schon seit einiger Zeit in der Teekiste schlummert. Der Trick: Ich mische die Sorten in einer großen Kanne und probiere dann ganz neugierig die neue Kreation. Das ist jetzt nichts Besonderes, aber es schmeckt besser als einfach Wasser.
Wir haben großartig gekocht, genau das, was wir vorigen Freitag auch geplant hatten. Eine Gemüselasagne mit Karotten, Sellerie (!), Lauch und Zwiebeln, gewürzt mit Curry, Nelken und Lorbeer. Das ist insofern außergewöhnlich, weil ich Nelken eigentlich überhaupt nicht mag (und das bei meiner Zugewandtheit zur Zahnmedizin!). Die Béchamel-Sauce habe ich auf eine ganz neue Art und Weise gekocht, und geschichtet wurde mit Parmesan – das kannte ich bisher so nicht. Und was für ein wunderbares Geschmackserlebnis. Toll, dass wir zweimal davon essen können.
Ich habe arbeitsmäßig einiges weggeschafft, auch Kommunikationszeuch entwickelt, das bisher nicht zu meinen Kernaufgaben zählte, und es ist richtig gut geworden, fanden zumindest zwei Personen. Exklusive mir.
Ich war mit dem größeren Kinde beim Impfen. Das war ein gutes Stück zu Fuß zur Ärztin und wieder zurück, und es war schön, einfach so mit der Tochter zu schnattern.

Dienstag

Das Leben gleicht ein bisschen einer Sinuskurve, ein ständiges Auf und Ab. Tag fing richtig doof an, weil der Kater mir einen ordentlichen Kratzer am Arm mitgegeben hat, weil ich wohl bei irgendeiner ungünstigen Bewegung ihn erwischt habe. Und dann setzte mir auch noch unser Essensprojekt zu, dass Nahrungsaufnahme erst ab 10 Uhr erlaubt. Hungrige Frau … fragt nicht. Bis zum Frühstück war an Arbeiten, sprich: Schreiben, nicht zu denken.
Das Essen vom Vortag war ganz vorzüglich, der Kuchen zum Kaffee auch. Beides, also den Kuchen und den gemahlenen Kaffee, habe ich von meinem täglichen „Gang um den Block“ mitgebracht, in reizender Begleitung der großen Tochter, das war schön.
Wer übrigens Lust auf einen Film mit wenig Action, dafür ganz viel Erzählung hat, dem sei „Mord im Orientexpress“ empfohlen. Klasse besetzt und bei zwei Stunden Filmlänge nie langweilig. Wir drei Kinogänger waren uns einig: So muss Kino sein.

Mittwoch

Der Gang um den Block fand heute im Dunkeln statt. Vor acht Uhr! Aber immerhin lenkte er vom flauen Gefühl im Bauch ab. Wobei ich mich langsam daran gewöhne. Apropos Gewohnheit:

Das fand ich schon irgendwie lustig. Ich war in einem Text darüber gestolpert und fand diese Formulierung sehr bemüht. Es ging um einen Vortragenden, der offenbar auf sehr spezielle Weise das Auditorium mitzureißen verstand. Nur: Der Leser erfuhr in dem Text nicht, worin diese „ungewöhnliche Weise“ bestand, geschweige denn, dass er ein Ahnung davon bekam, was daran „gewohnt“ war. Hm.
Ich arbeite ja mehrheitlich im Homeoffice, und heute war wieder so ein Tag, da ich sehr dankbar dafür bin: Um halb fünf war ich an einem „toten Punkt“ angekommen, mir fielen vorm Rechner fast die Augen zu. 25 Minuten auf die Couch, sehr tief geschlafen, und ich war wieder fit. Powernapping ist großartig.

Donnerstag

In bestimmten Lebensphasen ist „aus Gründen“ eine kleine Veränderung notwendig. Mein Tag dafür war heute: Ich habe mir die Haare abschneiden lassen und trage sie jetzt wirklich ziemlich kurz. Die Reaktion der Familie war sehr unterschiedlich, aber ich fühle mich damit sauwohl, und das ist für mich jetzt mal das Wichtigste.

Die Sache mit dem anderen Essensrhythmus klappt jetzt schon viel besser, allerdings bleibt es eine Herausforderung, diese Zeit zwischen Aufwachen und Frühstück besser gelaunt zu ertragen. Ich hoffe, dass die Zeit mein Freund ist.
Die jüngere Tochter berichtete  mir vom Völkerball im Sportunterricht. Ihr Team habe gewonnen, sie sei das letzte Mädchen in ihrem Team gewesen, das abgeworfen wurde. Auf meine Frage, ob sie sich da so gut bewegen würde, meinte sie ganz trocken, dass sie eigentlich nur immer hinter den Jungs bleiben würde. Und grinste dabei. So süß.

Freitag

Wir haben unseren Wochenplan gemacht und den Einkauf dafür gleich mal erledigt. Wir geben dadurch etwas weniger Geld aus, und es gibt nicht mehr täglich die Frage: Und was essen wir heute? Das steht nämlich einfach auf dem Plan! Entspannt irgendwie sehr. In dem Zusammenhang gibt es auch zu vermelden, dass ich mich so langsam an unseren neuen Rhythmus beim Essen gewöhne und dann, wenn ich essen, einfach schneller satt bin. Sehr cool.  Die anfänglich schlechte Laune morgens (als Frau hungrig zu sein, ist einfach übel) ist gewichen, das klappt auch gut, wenn WDR4 mir morgens mit einem ABBA Song hilft. Ja, ich bin nun in dem Alter, in dem ich von WDR2 zum anderen Sender wechsele … ich mag mir diese künstliche Aufgeregtheit mit zig Jingles einfach nicht mehr anhören.
Auch der Plan, jeden Tag eine kleine Runde zu marschieren, klappt gut – toll, was man im Veedel alles so entdeckt: Die Waschstraße wird umgebaut! Gut, dass ich meinem Friedrich kürzlich noch eine Dusche gegönnt habe.
Ach ja: Meine Arbeit hat mir heute viel Spaß gemacht. Ich staune manchmal selbst, wie schnell ich manchmal kniffligste Aufgaben gelöst bekomme. So viel Autolobhudelei muss heute mal sein.

Samstag

Der am Freitag erledigte Wochenendeinkauf machte es möglich: Ich durfte ausschlafen. Wobei das nicht ganz korrekt ist: Wie lange ich hier schlafen darf, bestimmt der Kater. Pünktlich um zehn nach acht schmeißt der mich aus dem Bett. Wenn der Hunger hat, ist er schlimmer als jede hungrige Frau, ich schwöre! Das Frühstück um kurz 10 bereitete die größere Tochter vor,  mit der ich dann auch in die Stadt zum Shopping fuhr – ach, es war so herrlich entspannt. So habe ich mir das früher immer gewünscht und vorgestellt: Eine heranwachsende Tochter zu haben, mit der ich bummeln und dann zum Abschluss einen wunderbaren Kaffee trinken kann.
Fußball machte erwartungsgemäß wenig Freude, doch wenn der Mann lecker kocht, die Wäsche sich mit Musik im Ohr fast wie von selbst wegbügelt und die jüngere Tochter die „Siedler von Catan“ aufbaut (Nachtrag: Ich habe gewonnen, jippie!), ist das alles gar nicht mehr so schlimm. Ich setze da eben meine Prioritäten.

Sonntag

Heute muss ich mich schon sehr dazu zwingen, nicht grundsätzlich und überhaupt alles doof zu finden. Einfach so. Dabei war alles gar nicht so schlimm: Ich habe meine Sonntagszeitung gelesen und einen wunderbaren Kaffee dazu getrunken, das war richtig schön.

Die Wäsche ist komplett erledigt, meine (geplante) Arbeit ist gemacht, ich bin von gutem Essen satt und freue mich gleich auf den Tatort. Vielleicht ist es dieses Durchgetaktete, dieser fehlende Platz für Spontanietät. Immer eine imaginäre to-do-Liste im Kopf, immer der Blick auf die Uhr, dass das Timing auch nicht aus dem Ruder läuft. Irgendwie strengt so was an. Ich hätte so gerne mal einen Tag, an dem nichts, aber auch gar nichts ansteht. Der einfach mal dahinplätschern darf, der keine Verpflichtungen bereithält, bei dem ich mir innerlich nicht sagen muss, dass ich das, was ich heute nicht schaffe, dann morgen machen muss. Der wird noch kommen in diesem Monat, nämlich genau an dem Tag, den ich mir monatlich freinehmen werde (wie früher der Haushaltstag, eben nur ohne Haushalt), für den genau dieses Nichts-machen-Müssen gilt. Ein Tag zum Lesen. Zum Faulsein.

Es ist erstaunlich: Ohne diesen aufgeschriebenen Blick auf jeden Tag hätte ich die Woche deutlich negativer in Erinnerung behalten. Dieses Achten darauf, was gut war und ist, hilft schon ein wenig über diese gelegentlichen Blues-Anfälle hinweg, die wahrscheinlich jede/r kennt. In die nächste Woche nehme ich auf jeden Fall das gute Gefühl bei unserem Ernährungsprojekt mit, das echt gut klappt und immer leichter fällt. Das kann also eine gute nächste Woche werden.

 

 

 

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